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Mit 60 ist noch lange nicht Schluss

Mit 60 ist noch lange nicht Schluss

Die alte Zollbrücke in Langsur ist 60 Jahre alt, aber noch ganz gut in Schuss. Eine Hauptprüfung des Landesbetriebs Mobilität, die alle sechs Jahre bei Kreis-, Landes- und Bundesbrücken vorgenommen wird, ergibt die Note zwei.

Langsur. Peter Wey und Frank Köllner haben ein Auge für Brücken - schon aus beruflichen Gründen. Sie gehören einem Kontrolltrupp des Landesbetriebs Mobilität (LBM) in Koblenz an, der die Verkehrstüchtigkeit von Brückenbauwerken begutachtet. Kürzlich haben sie die 1952 erbaute alte Zollbrücke zwischen Langsur und Luxemburg (siehe Extra) auf Herz und Nieren geprüft. Bewertet wurden die Faktoren Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit. Das Ergebnis des Brückenchecks liege im "Zweier-Bereich", sagt Peter Wey. Am schlechtesten ist eine vier; wenn diese Note vergeben werde, bedeute das automatisch, dass das Bauwerk für den Verkehr gesperrt werden müsse.
Fahrbarer Steg für Prüfer


An der Wirtschaftsbrücke bei Langsur hat zwar der Zahn der Zeit genagt, und auch der Schwerlastverkehr, der während des Ausbaus der Route Nationale 10 im Ländchen dort rübergeleitet wurde, hat seine Spuren an den Banketten hinterlassen.
Aber alles in allem ist die nur einspurige und auf Fahrzeuge bis drei Tonnen beschränkte Verbindung noch relativ gut in Schuss. Wey und Köller haben nur kleinere Schäden im Fahrbahnbelag, Betonabplatzungen an den Flügelgesimsen und Durchfeuchtungen festgestellt. Eine "große Prüfung" finde alle sechs Jahre statt, sagt Frank Köllner, eine einfache Prüfung alle drei Jahre. Während die kleine Variante ohne Geräte als reine Sichtprüfung über die Bühne geht, kommt bei der Hauptprüfung moderne Technik zum Einsatz, um zu erkennen, ob die Brücke noch so tragfähig ist, wie es das Bauwerksbuch vorschreibt.
Auf einem Steg, der an einem LKW befestigt ist und der etwa 7,50 Meter in der Vertikalen bewegt werden kann, können die Prüfer alle wichtigen Stellen einsehen. Selbst unter die Brücke kann der Steg schwenken. Insbesondere auf Risse, Wasserabläufe und Hohlstellen achten die Kontrolleure.
Die Schäden werden in einen Katalog eingetragen und fließen in eine Gesamtwertung ein. Insgesamt acht Trupps schickt der LBM Koblenz auf die Reise zu Kreis-, Landes- oder Bundesbrücken.
Nilgänse nisten in Sprenglöchern


An der Langsurer Brücke haben Köllner und Wey zahlreiche Eier von Nilgänsen entdeckt. Kaum zu glauben, dass die relativ großen Vögel in die kleinen Sprenglöcher passen, die beim Bau vorsorglich in die Brücke geschlagen wurden, um sie gegebenenfalls schneller dem Erdboden gleichmachen zu können - so dachte man noch in den Nachkriegsjahren.
Die Nilgänse halten sich offensichtlich nur in den Hohlräumen auf, um ihre Eier abzulegen. Andere Hinterlassenschaften wurden nicht entdeckt. "Dabei ist gerade der Kot von Vögeln nicht zu unterschätzen, weil er sehr aggressiv ist und den Brücken zusetzen kann", sagt Peter Wey. Insbesondere Löcher, in denen sich Tauben aufhalten, müsse man gleich dichtmachen. alf
Extra

Die Vorgängerin der heutigen Sauerbrücke in Langsur wurde in den Jahren 1884 und 1885 gebaut. Das vereinfachte die Bewirtschaftung der Ländereien in Luxemburg. Langsur hat zwei Drittel seines Territoriums auf Luxemburger Seite, darunter Weinberge, Felder und Wälder. Nur unter schweren finanziellen Opfern der Bürgerschaft habe die Wirtschaftsbrücke gebaut werden können, so ist es in der Chronik überliefert. Am Abend des 13. September 1944 wurde die Brücke vom deutschen Militär gesprengt; nur die Pfeiler blieben heil. Die heutige Brücke aus Beton und Kalkstein-Verblendung wurde zwischen 1950 und 1952 errichtet. Nach dem Vorbild des Pariser "Diner en blanc" hat der Kulturverein "Longasura" die Brücke schon zweimal zur festlichen Tafel umfunktioniert. Einzige Bedingung für die Speisenden: weiße Kleidung und weiße Tischdekoration. alf