Trierer Skater hoffen auf eine neue Heimat - Leere Halle in Kürenz im Visier für ProjektX-Trainingshalle

Trierer Skater hoffen auf eine neue Heimat - Leere Halle in Kürenz im Visier für ProjektX-Trainingshalle

Eine der gut erhaltenen Werkshallen auf dem Gelände des Walzwerks in Trier-Kürenz könnte der Trierer Skateszene eine neue Heimat bieten. Der Mietvertrag für ihre Interims-Trainingshalle in der Aachener Straße ist seit Jahren ausgelaufen. Der geplante Umzug in eine Halle in Euren war im Sommer kurzfristig geplatzt.

Trier. Mit dem Jahr 2014 ist auch die mehr als hundertjährige Geschichte des Trierer Walzwerks zu Ende gegangen. Bis kurz vor Weihnachten wurden auf dem riesigen Gelände an der Brühlstraße in Alt-Kürenz noch Stahlbänder verkupfert und veredelt. Die Schließung des Werks - letzte Industrieansiedlung in der City - hatte der indische Mutterkonzern Tata Steel vor rund zwei Jahren angekündigt. Seitdem wurde kontinuierlich Personal abgebaut. Zuletzt arbeiteten noch 42 Angestellte in den riesigen Werkstätten und -hallen.
Was mit dem 40 000 Quadratmeter großen Gelände - auf dem immerhin fünf bis sechs Fußballfelder Platz fänden - passiert, ist noch offen. Der Flächennutzungsplan der Stadt sieht Gewerbe- und Wohnansiedlung vor.
"Wir haben mehrere Kaufinteressenten für das Areal", sagt Friedmar Schittko, Manager bei Tata Steel. "Mit zwei bis drei Bewerbern laufen derzeit noch vertiefende Gespräche." Bis Ende März will Tata Steel sich für einen Interessenten entscheiden und den Verkaufsprozess abschließen. "Ausschlaggebend ist dabei nicht nur der Preis, auch das Nutzungskonzept unseres Nachfolgers inklusive sozialer und ökologischer Aspekte spielen für uns eine Rolle", sagt Schittko.
Nach Informationen des TV gehört der große Trierer Projektentwickler Triwo zum verbliebenen Bewerberkreis. Offiziell bestätigen wollen das allerdings weder Triwo-Vorstand Peter Adrian noch Tata Steel.
Die Herbert- und Veronika-Reh-Stiftung aus Leiwen an der Mosel traut sich dagegen aus der Deckung. Manfred Bitter, Mitglied des Stiftungsvorstandes und Trierer Handwerkskammer-Chef, bestätigt entsprechende TV-Informationen: "Wir wissen zwar noch nicht, wer letztlich der Käufer sein wird, aber wir können uns vorstellen, dass in einer der Werkshallen die Trierer Skaterszene mit finanzieller Unterstützung der Stiftung ihre neue Heimat finden könnte."
Die Trierer Skater sind seit Jahren auf der Suche nach einer neuen Trainingshalle. 2009 hatte die Stadt ihnen einen leer stehenden Supermarkt in der Aachener Straße als Interimsunterkunft zur Verfügung gestellt. Die BMX-Rad-, Scooter- und Skateboardfahrer sollten die Halle zunächst bis zur Vermarktung des Geländes nutzen dürfen. Der Mietvertrag lief bis Ende 2012.
Mittlerweile sind mehrere fest vereinbarte Auszugstermine verstrichen. Im vergangenen Sommer zeichnete sich eine konkrete Lösung ab: Oberbürgermeister Klaus Jensen und die Stadtwerke wollten mit den von der Reh-Stiftung zugesagten 250 000 Euro eine leer stehende SWT-Halle an der Eurener Straße renovieren und den Skatern anschließend verpachten. Die Skater lehnten ab: "Unter diesen Bedingungen hätten wir die Skatehalle nicht dauerhaft betreiben können", sagt ProjektX-Sprecher Axel Reichertz. In der neuen Ausgabe der Trierer Szene-Zeitschrift Extro erläutern die Skater ihre Gründe für ihren kurzfristigen offiziellen Rückzug aus dem SWT-Projekt (siehe Extra).
Die nun als neue ProjektX-Heimat ins Visier gefasste Werkshalle auf dem Gelände des ehemaligen Walzwerks in Kürenz haben sich die Skater bereits zusammen mit Vertretern der Reh-Stiftung angeschaut. "Wir freuen uns sehr, dass die Stiftung uns weiter unterstützen will, die Halle liegt zentral und böte ideale Möglichkeiten für das, wovon wir träumen", sagt Reichertz.
Die Reh-Stiftung kann sich nicht nur vorstellen, die für das Skateprojekt seit Jahren reservierten 250 000 Euro in Renovierung und Ausbau der Halle zu investieren, sondern diese den Skatern anschließend auch pachtfrei zur Verfügung zu stellen. Die Rahmenbedingungen, die das ermöglichen könnten, stehen noch nicht fest. Stiftungsvorstand Bitter: "Den Stiftern Herbert und Veronika Reh liegt die Zukunft der Trierer Skaterszene allerdings sehr am Herzen. Wir bleiben an der Sache dran."Meinung

Nächste Chance
Das Tischtuch zwischen Klaus Jensen und der Trierer Skaterszene scheint zerschnitten. Zu enttäuscht war der Oberbürgermeister im Sommer über das Nein der Skater zu einer Lösung, an der er zusammen mit den Stadtwerken und der Reh-Stiftung über ein Jahr gebastelt hatte. Doch die Skater hatten Recht: Statt eine suboptimale Alternative zu akzeptieren, die bei 2500 Euro Monatsmiete voraussichtlich nur wenig erfolgreich gewesen wäre, setzte die Szene auf das Prinzip Hoffnung. Kann das ProjektX tatsächlich in eine optimal gelegene und dazu mietfreie Halle auf dem Walzwerk-Areal umziehen, könnte das die Courage belohnen, die für den Korb an den OB nötig war. Die Stadt hat nun auch keine Vermittlerrolle mehr. Stiftung und Skater besprechen sich direkt miteinander, und auch der private Investor sitzt im selben Boot. Ein blühendes Jugendkulturzentrum mitten in der Stadt könnte dabei rumkommen. Ganz raus ist die Stadt bei der Sache trotzdem nicht. Zumindest die beleidigte Leberwurst darf Oberbürgermeister Klaus Jensen - der sich das Stiftungsgeld auch gut für andere Zwecke hatte vorstellen können - jetzt nicht spielen. Die Skater sind zwar durch Unterstützung ihrer privaten Partner zumindest nicht direkt auf Geld aus der Stadtkasse angewiesen. Unterstützung seitens des Rathauses bedarf das Projekt trotzdem noch. Zum Beispiel bei der Frage, ob sie bis zu ihrem potenziellen Umzug in ihrer Interimsunterkunft in der Aachener Straße bleiben dürfen. c.wolff@volksfreund.deExtra

In der neuen Ausgabe des Trierer Skate-Magazins Extro erläutern die Skater aus ihrer Sicht, warum die über ein Jahr dauernden Verhandlungen über den Umzug des Projekts X in eine leer stehende Halle der Stadtwerke im Sommer kurz vor dem Abschluss doch noch scheiterten: "Das komplette eigentlich der Zukunftssicherung der Trierer Skateszene zugedachte Geld der privaten Stiftung wäre in die Sanierung einer insgesamt ungeeigneten Halle versickert", heißt es in dem ausführlichen Magazinartikel. Den Umzug und Einbau der Rampen aus der Aachener in die Eurener Straße hätten die Skater nach der Hallensanierung selbst stemmen müssen und die Halle zu einer Monatsmiete von rund 2500 Euro anmieten müssen, kritisieren die Skater. Sie werfen Oberbürgermeister Klaus Jensen und den Stadtwerken vor, an einer "reinen Subventionierung der Substanzwertsteigerung einer Immobilie mit anschließender Vermietung zum Marktpreis" interessiert gewesen zu sein und nicht an einer "ernst gemeinten Zukunftsplanung" für die Skaterszene. Mittlerweile stehen die Skater in direktem Kontakt mit der Reh-Stiftung und auch mit einem Kaufinteressenten des Walzwerks. Für ihre potenzielle neue Heimat in Kürenz können sich die Skater neben einem Außentrainingsgelände ein "Zentrum des Lebens, eine Stätte der ungezwungenen Begegnung zu vielfältigen Aktivitäten" vorstellen, möglicherweise mit Beherbergungsbetrieb, Gastronomie, Einzelhandel und Kreativhandwerk. woc

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