Trierisch Balaawern

Datt Wällo (das Fahrrad) ist in der heutigen Zeit ein wahres Wunderwerk der Ingenieurkunst. Trotz allem technischen Puubes (sinnvolle und sinnlose Zutaten) gibt es für den Radler aber noch immer nur eine einzige Fortbewegungsart.

Mit der Ausnahme von halsbrecherischen Luftsprüngen einiger Wilder heißt es für ihn generell: Mit den beiden Reifen schön auf dem Boden bleiben! Was wäre es doch so schön, sich mit dem Rad in die Luft erheben zu können und schwerelos zu gleiten. ´Geht aber nicht! Außer in Trier! Ein Wunder der Technik: Hier kann jeder mött em Wällo fliejen (mit dem Fahrrad fliegen). Das Verb fliejen (fliegen) hat nämlich im Trierischen zwei Bedeutungen, fliegen und stürzen. Wer mit dem Fliejer (Flugzeug) fliescht, erhebt sich in die Lüfte, wer es mit dem Fahrrad, Moped oder Motorrad tut, erlebt das Gegenteil. Ein großes Problem besteht dabei hauptsächlich in der Landung. Fliejen kann man auch ohne Gerät, nämlich wenn man beispielsweise obb de Schnöss (Mund) fliescht (der Länge nach hinschlägt), obb den Aorsch (Gesäß) oder önn de Matsch fliescht. Situativ bedingt kann der Mensch auch iewer en Woorzel fliejen (über eine Wurzel straucheln und zu Boden gehen) oder de Laader raobfliejen (von der Leiter hinabstürzen). Laoß neist raobfliejen! (Lass nichts fallen!) sagt der Ober zum Kellnerlehrling, und wenn dem unachtsamen Aonstreicher (Maler) de Pänsel (Pinsel) vom Gerüst ob aaanen (auf jemanden) hinunterfällt, entschuldigt der sich: Enn öss mer aus der Hand gefloren! Eine Sonderform des Fliegens, sozusagen das Geflogen-Werden ist der Rausschmiss: von der Schul fliejen, aus der Kneib fliejen, aus der Förma fliejen. Wer einmal etwas anderes als den Ausdruck fliejen für stürzen oder hinschlagen gebrauchen möchte, damit Abwechselung in ein Fallbeispiel kommt, kann auch das aus dem Französischen kommende Wort baddern (battre=schlagen) gebrauchen. Baddern klingt sogar viel dramatischer als fliejen. Wenn ein Radler berichtet "Eisch sönn obb em Rollsplidd gebaddert", kann einem der Ärmste schon leid tun. Horst Schmitt ist gemeinsam mit Josef Marx Autor des Trie-rer Wörterbuchs. Die beiden Autoren erläutern in "Trierisch balaawern" wöchentlich Besonderheiten der Trierer Mundart. Die besten Kolumnen sind auch gesammelt in einem neuen Buch zu lesen, das im Verlag Michael Weyand erschienen ist. "Milljunen Leit - mindestens drei" beleuchtet auf amüsante Weise die Eigenarten des Trierischen. Das Buch ist für 11,95 Euro im Trierer Handel erhältlich, unter 0651/7199-997 sowie im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund-shop.de" text="www.volksfreund-shop.de" class="more"%>