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„Wir wollen den Dialog mit euch“

„Wir wollen den Dialog mit euch“

Aus der Sicht von Kinderaugen sieht die Stadt ganz anders aus als für Erwachsene. Deshalb haben rund 1400 Augenpaare die Verkehrssituation auf Trierer Straßen genauer unter die Lupe genommen. Entstanden ist ein Gefahrenkatalog aus Kindersicht, den die sechs jungen Organisatoren nun im Rathaus vorgestellt haben. Leseratte Lucky hat sich neun gefährliche Stellen angesehen.

Pressekonferenz im Rathaus Trier. Doch diesmal stehen fünf Jungs und ein Mädchen im Mittelpunkt. Simone Kaes-Torchiani, Baudezernentin der Verwaltung und zuständig für Verkehrsplanung, sitzt als Zuhörerin neben Pressevertretern von Hörfunk und Zeitung. "Wir wollten in der ersten Kinder-Zukunftskonferenz im Sommer 2010 den Erwachsenen zeigen, wie etwas mit Kinderaugen aussieht", erzählt Julius Zimmler (9). So sei das Logo entstanden.

Zwei Themen hätten zur Wahl gestanden, erklärt Kerstin Schorer-Hach von der Mobilen Spielaktion, die gemeinsam mit Charlotte Kleinwächter von der Lokalen Agenda 21 die Konferenz im Rahmen des Zukunftsdiploms organisiert hat. Ein Thema sei die Sauberkeit auf Spielplätzen gewesen, das andere die Verkehrssituation. "Die Kinder haben sich überlegt, dass sie auf schmutzigen Spielplätzen spielen können", sagt Schorer-Hach. Doch auf der Straße hätten sie kaum Einflussmöglichkeiten. "Wir wollten möglichst viele gefährliche Stellen erfassen, und es sollten viele Kinder mitmachen", sagt Julius. So sei die Idee eines Fragebogens entstanden. "Wir waren überrascht, wie viele Antworten wir erhalten haben", sagt Schorer-Hach. Insgesamt waren es mehr als 700 Bögen - zwei dicke Ordner voll. Mit genau 742 Gefahrenstellen.

"635 kamen aus Schulen, vom Grundschüler bis zum Abiturienten, alleine das Auguste-Viktoria-Gymnasium hat 420 genannt", berichtet Florian Mock (13), der mit fünf anderen Kindern die Aktion organisiert. Aus allen Stadtteilen kamen Meldungen, "nur aus Kernscheid nichts".Die Fragebögen wurden eingescannt und in eine Internet-Datenbank eingepflegt. "Unsere Adressaten sind Tiefbauamt, Straßenverkehrsamt, Verkehrsplanung, Polizei und Verkehrsbetriebe", erläutert Daniel Theis (11). "Wir wollen, dass die Verwaltung sich diese Stellen anschaut", ergänzt Sophie Czubkowski (10). Die solle dann vergleichen, was wie sie die Situation einschätzt. "Und wir wollen, dass die Gefahrenstellen beseitigt werden", ergänzt Hendrik Otto (10). Das kann die Baudezernentin nicht versprechen. Denn: "Ihr wünscht euch Zebrastreifen", sagt sie. "Aber das ist der gefährlichste Ort auf der Straße, da passieren die meisten Unfälle." Denn der Fußgänger denke, er sei dort sicher. Doch, wie viele Kinder auf ihren Bögen vermerkt hätten, würden nicht alle Autofahrer anhalten. "Zebrastreifen sind keine Gewähr dafür, dass nichts passiert."

Deshalb sei es wichtig, den Kindern richtiges Verhalten im Straßenverkehr zu erklären, besonders an den Schulen. "Da müssen wir an die Schulen ran.""Für die Kinder ist es wichtig, solche Erklärungen zu bekommen", sagt Schorer-Hach, und zu erfahren, unter welchen Bedingungen etwa ein Zebrastreifen angebracht werden könne. "Bei künftigen Baumaßnahmen soll die Datenbank berücksichtigt werden", wünscht sich Frithjof Otto (14) und "Eigentlich wollten wir einen Vertrag mit Ihnen schließen", sagt er an Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani gewandt und empfiehlt der Baudezernentin einen Blick in die Daten.

"Ich werde eure Infos an die Verkehrsplaner weitergeben zur Auswertung", verspricht Kaes-Torchiani. "Wir wollen den Dialog mit euch. Ich lade euch ein zum Diskutieren. Die Amtsleiter können euch Rede und Antwort stehen. Wir werden die Dinge weiter verfolgen." Frithjof nimmt sie beim Wort: "Wir kommen wieder, und dann wollen wir einen Vertrag mit Ihnen schließen."

Die nächste Kinder-Zukunftskonferenz ist am 20. und 21. Mai. Anmeldung und Info unter Telefon 0651/9917753 oder per E-Mail an: menzel@la21-trier.de