Zeitreise in die 50er, 60er und 70er Jahre

Auf eine Zeitreise in die 50er, 60er und 70er Jahre haben die Mädchen des Berufsbildungszentrums Haus Elisabeth in Mehring ihre Gäste beim Tag der offenen Tür mitgenommen. Die Auszubildenden haben Alltagsgegenstände aus der damaligen Zeit zusammengestellt und präsentiert.

 Die 50er Jahre mit Transistorradio, Stehschränkchen, Stöckelschuhen und Handtäschchen bestaunt die 19-jährige Ayfer im Haus Elisabeth. TV-Foto: Sandra Blass-Naisar

Die 50er Jahre mit Transistorradio, Stehschränkchen, Stöckelschuhen und Handtäschchen bestaunt die 19-jährige Ayfer im Haus Elisabeth. TV-Foto: Sandra Blass-Naisar

Mehring. Versonnen-euphorisch schwelgt so manche Großmutter in Jugenderinnerungen beim Anblick von Transistorradios und Nierentischen. So manche Enkelin schüttelt indes fassungslos den Kopf angesichts der großblumigen Abendkleider, Blusenkragen und Plisseeröckchen. Die mehr als 100 Gäste, die zum Tag der offenen Tür ins Berufsbildungszentrum Haus Elisabeth in Mehring gekommen sind, haben viel zu schmunzeln beim Anblick der Kleider, Haushalts- und Wohnungsgegenstände aus den 50er, 60er und 70er Jahren.

In einer Modenschau defilieren die Auszubildenden bei passend ausgesuchter Musik in den kuriosesten Outfits ihrer Zeit: vom schwingenden Petticoat der 50er bis zum engen Jacky-Kennedy-Kostümchen der 60er und zum Flower-Power-Hippie-Look der frühen 70er Jahre.

"Das war eine tolle Vorbereitungszeit", erzählt die Leiterin des Hauses, Ilona Klein. "Die Mädchen und wir Ausbilder haben uns im Bekanntenkreis umgehört, was noch aus den alten Zeiten aufzutreiben sei. In kurzer Zeit wuchs hier im Haus ein buntes Sammelsurium an Mode, Möbeln und Accessoires."

Natürlich seien die 50er, 60er und 70er Jahre auch Thema im Unterricht der 14 Ausbilderinnen und Pädagogen gewesen, sagt Klein. Büffetplatten und die partytaugliche Cocktailbar erinnern an eine Zeit, in der man fernab von gesunder Ernährung die Hingabe zu Mayonnaise, Butter und Sahne pflegte. Schinkenröllchen, gefüllte Tomaten, Käsecracker und Toast Hawaii - die damaligen In-Snacks liegen köstlich arrangiert auf dem Tisch.

Ein Blick in die Lektüre der damaligen Zeit klingt heute alles andere als emanzipiziert. Alte Dr.-Oetker-Backbücher leiten die junge Hausfrau an, "das einzig Wichtige in ihrem Leben, den Ehemann" zu verwöhnen: "Planen Sie vorausschauend, damit die köstliche Mahlzeit rechtzeitig fertig ist, wenn er nach Hause kommt. So zeigen Sie ihm, dass Sie an ihn gedacht haben und dass Ihnen seine Bedürfnisse am Herzen liegen." Für die jungen Mädels im Haus, allesamt zwischen 17 und 22 Jahren, ein skurriles Sittenbild, über das sie von Herzen laut lachen müssen.

Während es sich so mancher Gast im Hauskino mit Popcorn bei den "Kleinen Strolchen", "Dick und Doof" oder den "Waltons" gutgehen lässt, bestaunen andere die Makramee-Blumen-Ampeln und die Batikarbeiten, die im Kunstunterricht entstanden sind.

Die 19-jährige Ayfer lächelt angesichts der angesammelten Nostalgie ringsum: "Nur gut, dass wir heute leben!" Spricht's und wundert sich, dass aus dem kleinen blauen Transistorradio auf dem hochbeinigen Stehschränkchen auch wirklich noch Musik herauskommt.

Extra Das Berufsbildungszentrum Haus Elisabeth in Mehring ist eine Einrichtung des Caritasverbands Trier, das benachteiligten lernschwachen Jugendlichen die Möglichkeit zur Ausbildung gibt. Die Mädchen kommen von Förderschulen und haben oftmals keinen Hauptschulabschluss. Derzeit werden 20 junge Frauen im Alter zwischen 17 und 22 Jahren in einer dreijährigen Ausbildung zur staatlich anerkannten Hauswirtschaftshelferin qualifiziert. Von den zehn im Juni entlassenen Mädchen der Oberstufe haben alle eine Arbeitsstelle gefunden. (sbn)