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830 Seiten Mosella & Co.

Mit frisch erschienenem Band zwei seiner Trilogie mit sämtlichen Werken des römischen Dichters Decimus Magnus Ausonius: der in Oberbillig lebende Altertumsforscher Paul Dräger. TV-Foto: Roland Morgen
Mit frisch erschienenem Band zwei seiner Trilogie mit sämtlichen Werken des römischen Dichters Decimus Magnus Ausonius: der in Oberbillig lebende Altertumsforscher Paul Dräger. TV-Foto: Roland Morgen FOTO: roland morgen (rm.) ("TV-Upload morgen"
Trier/Oberbillig. Ein starkes Stück: 830 Seiten umfasst der neu aufgelegte, erweiterte und überarbeitete Band aus Paul Drägers Trilogie zu Decimus Magnus Ausonius (um 310 bis 394). Darin geht es um die Trierer Werke des spätantiken Dichters, darunter auch das moselländische Nationalepos "Mosella". Roland Morgen

Trier/Oberbillig. Ausonius könnte in Trier ein großer Held sein. So wie Simeon (wegen dem die Porta Nigra zur Kirche umfunktioniert und nicht abgerissen wurde) oder Balduin, der als Kurfürst und Erzbischof den maroden Kirchenstaat Trier reformierte und den Weg zu echten Glanzzeiten ebnete. Auch wenn nach ihm ebenfalls eine Straße und sogar eine Schule benannt wurden: Wer sich hinter dem klangvollen Namen Decimus Magnus Ausonius verbirgt, ist weitgehend unbekannt. Selbst viele kernechte Trie rer glauben, es handele sich um "irgendeinen Heiligen". Dass der sich noch literarisch betätigte, muss ja kein Widerspruch sein.
Gut also, dass ins Gedächtnis gerufen wird, wer Ausonius war und was er geleistet hat. Der Altertumswissenschaftler Paul Dräger (74) hat sich intensiv mit dem prominenten "Kollegen" befasst, der - wie er - aus der Ferne als Lehrer nach Trier kam, aber in einer völlig anderen Liga spielte.
Ausonius, geboren um 310 im heutigen Bordeaux, war ein angesehener Grammatik- und Rhetoriklehrer in Tolosa (Toulouse), als ihn Kaiser Valentinian 365 an seinen Hof nach Treveris (Trier) berief - als Lehrer und Erzieher des Prinzen Gratian (359-383). Auf Gratian, der seinem Vater nach dessen Tod 375 auf den Thron folgte, hatte Ausonius einen prägenden Einfluss. In seinen 23 Trierer Jahren entstand vermutlich der größte Teil seines reichen Werks, das Paul Dräger erstmals vollständig in deutscher Übersetzung und Kommentierung vorlegte. Die drei Bände - Autobiografische Werke (2014), Trierer Werke (2011) und Spätwerke aus Bordeaux (2015) -, allesamt erschienen im Kliomedia Verlag, umfassen 2400 Seiten.
Weil der Trierer Band vergriffen ist, legt Dräger nach. Die Neuauflage ist um 180 Seiten mit neuen Forschungsergebnissen erweitert. Sie enthält natürlich auch das moselanische Nationalepos "Mosella", eine um 371 entstandene Reise- und Landschaftsbeschreibung in 483 kunstvollen Versen, die, wie Dräger entdeckt hat, "ein ebenso triviales wie geniales Spiel mit der Sieben, der Zahl der Buchstaben des Wortes Mosella, ist".
So erfährt die Nachwelt nicht zuletzt von den "sieben Charaktereigenschaften der Moselaner": vornehme Abstammung, Kriegstüchtigkeit, Beredsamkeit, Sittsamkeit, Fröhlichkeit, Strenge und Gerechtigkeit.
"Decimus Magnus Ausonius - Sämtliche Werke - Band II: Trie rer Werke", zweite, erweiterte und überarbeitete Auflage von Paul Dräger, ist erschienen im Kliomedia-Verlag Trier und kostet 87 Euro.