| 20:46 Uhr

Berti Adams gibt Fraktionsvorsitz im Rat auf

Am Boden zerstört ist Berti Adams nicht nach dem Verlust des Landtagsmandats. Er will sich jetzt wieder ganz seiner Metzgerei in Ehrang widmen. TV-Foto: Friedemann Vetter
Am Boden zerstört ist Berti Adams nicht nach dem Verlust des Landtagsmandats. Er will sich jetzt wieder ganz seiner Metzgerei in Ehrang widmen. TV-Foto: Friedemann Vetter
Trier. Berti Adams wird dem neuen Landtag nicht angehören. Der nach Auszählung der vergessenen Briefwahlbögen feststehende Sieg des CDU-Kandidaten Wolfgang Reichel im Mainzer Wahlkreis II kostet den Trierer sein über die Landesliste erreichtes Mandat. Adams gab gestern Abend auch das Amt des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Trierer Stadtrat auf. Von unserem Redakteur Jörg Pistorius

"Ich war offenbar der falsche Mann zur falschen Zeit am falschen Ort", sagte Adams gestern Abend dem TV, als das Ergebnis der nachträglichen Auszählung in Mainz feststand. "Ich muss ganz einfach zur Kenntnis nehmen, dass die Leute in Trier mich nicht als ihren Vertreter im Landtag wollen." Am Wahlsonntag ist der Metzgermeister aus Ehrang im Rennen um das Direktmandat von der SPD-Spitzenkandidatin und Ministerin Malu Dreyer klar geschlagen worden. "Während meines Wahlkampfs vor Ort haben mir die Leute ins Gesicht gelächelt, dann kommt am Wahltag eine solche Klatsche. Daraus muss man Konsequenzen ziehen."

Die erste Konsequenz zog Adams sofort: Er legte den Vorsitz der CDU-Stadtratsfraktion in Trier nieder. "Ich werde dem Stadtrat noch bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode angehören", sagt er. "Doch den Vorsitz übernehme ich nicht mehr." Das stürzt die CDU Trier, ohnehin gebeutelt durch das schlechte Wahlergebnis und den Verlust des Landtagsmandats, in eine Führungskrise. Denn ein Nachfolger für Adams ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Bevor aus Mainz die schlechte Nachricht der vergessenen Wahlurne kam, hatte der Metzgermeister dem TV erklärt, er wolle in der nächsten Kommunalwahl wieder als CDU-Spitzenkandidat antreten.

Der Trierer CDU-Chef und Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster sprach von einer Katastrophe und kündigte Sondersitzungen des Präsidiums und des Kreisvorstands an. "Für Berti tut mir diese Entwicklung unendlich leid", sagte Kaster. "Er hat Politik mit Herzblut gemacht und 100 Prozent gegeben." Adams' Rücktritt vom Amt des Fraktionsvorsitzenden in Trier habe er akzeptiert. Die CDU Trier habe ein unschätzbar wertvolles Landtagsmandat verloren. "Wir haben 41 Sitze im Landtag, und die Stadt Trier ist zum ersten Mal seit Jahrzehnten nicht mehr vertreten."

"So sehr traurig bin ich gar nicht", betonte Adams. "Ich habe seit 2009 oft festgestellt, dass viele Vorgänge in der Landespolitik nicht mein Ding sind." Er wolle sich jetzt wieder mit voller Kraft seiner Metzgerei in Ehrang widmen. Diese hatte er ursprünglich zum Jahresende komplett in die Hände seines Sohnes Lorenz geben wollen, um sich total auf den Landtag konzentrieren zu können. Doch jetzt ist alles anders. "Den Leuten hat meine politische Wurst nicht geschmeckt, jetzt kümmere ich mich wieder um meine richtige Wurst."

Meinung

Konsequenz und Geradlinigkeit


Von Jörg Pistorius

Berti Adams gibt den Fraktionsvorsitz im Trierer Stadtrat ab. Eine schnelle und auch harte Reaktion, mit der er seine Fraktion mit Sicherheit überrumpelt. Dennoch zeigt sich in dieser Entscheidung die Konsequenz und Geradlinigkeit, die Adams zu einer politischen Größe gemacht haben. Wer bei einer Landtagswahl eine derartige Abfuhr erhält, kann auf kommunaler Ebene nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Adams redet sich die Dinge nicht schön. Ein angenehmer Unterschied zu vielen anderen Politikern in diesen Tagen. Die CDU Trier wird jetzt sehr schnell zeigen müssen, was - und wer - in ihr steckt. Es stellt sich die Frage, ob hinter der älter gewordenen Führungsriege junge Kräfte stehen, die Verantwortung übernehmen können und wollen.
j.pistorius@volksfreund.de

Extra


Wie konnten die Wahlhelfer in Mainz-Hechtsheim eine Wahlurne vergessen? Außergewöhnlich ist, dass überhaupt Briefwahlstimmen in einem Wahllokal ausgezählt werden. Normalerweise landen diese in der jeweiligen Stadt- oder Kreisverwaltung und werden dort ausgewertet. In diesem Fall, erklärt Ralf Peterhanwar, Sprecher der Stadt Mainz dem TV, handelte es sich um einen sogenannten "repräsentativen Stimmbezirk": Die Wahlunterlagen dort sind mit Kennziffern versehen, aus denen der Landeswahlleiter statistische Rückschlüsse für die Wahlanalyse ziehen kann. Deshalb wurden dort auch die 223 Briefwähler ausgezählt. Beziehungsweise: sollten ausgezählt werden.
Die Wahlhelfer seien informiert gewesen, sagt Peterhanwar, aber: "Die haben eine Kiste vergessen. Das hätte nicht passieren dürfen." Eine Erklärung für die peinliche Panne hat er nicht. Ergebnis: Der Mainzer Umweltdezernent Wolfgang Reichel (CDU) schlägt SPD-Ministerin Doris Ahnen mit 13 Stimmen Vorsprung und nimmt Berti Adams den 41. CDU-Sitz wieder weg. mic