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Kunstgeschichte
Raus aus dem stillen Kämmerlein, rein ins Weltdokumentenerbe?: Ada-Evangeliar wird ausgestellt

Hier ist alles Gold, was glänzt: Das mehr als 1200 Jahre alte  Ada-Evangeliar aus der Hofschule Karls des Großen gehört zu Triers größten Schätzen. Der Einband (oben) von 1499 und ist mit vielen Edelsteinen verziert.
Hier ist alles Gold, was glänzt: Das mehr als 1200 Jahre alte  Ada-Evangeliar aus der Hofschule Karls des Großen gehört zu Triers größten Schätzen. Der Einband (oben) von 1499 und ist mit vielen Edelsteinen verziert. FOTO: TV / Roland Morgen
Trier. Die Stadt Trier holt ihren Schatz aus dem Tresor: Das Ada-Evangeliar wird vorübergehend ausgestellt und steht im Fokus einer internationalen Tagung. So soll für die Aufnahme ins Weltdokumetenerbe der Unesco geworben werden. Von Roland Morgen
Roland Morgen

  Klosterchefin – und Schwester Karls des Großen? Wer Ada war, liegt im Dunkel der Geschichte. Fest steht, dass sie einem der größten Kunstschätze des Mittelalters Pate gestanden hat. In der Hofschule Karls des Großen ließ sie das nach ihr benannte Evangeliar anfertigen, das sie dann der Trierer Benediktinerabtei St. Maximin stiftete. Die vier Evangelien in einem Buch, mit Goldtinte geschrieben und in höchster Kunstfertigkeit illustriert.

Das Ada-Evangeliar gehört der Stadt Trier, die es im Hochsicherheitstrakt ihrer Bibliothek an der Weberbach sicher aufbewahrt. In den kommenden Tagen kann das gute Stück ausnahmsweise von jedermann bestaunt werden. Seit Montag strahlt es in einer Panzerglas-Vitrine in der Schatzkammer der Stadtbibliothek. Grund: Übernächste Woche widmet sich eine internationale Tagung (siehe Info) den  Handschriften aus der kaiserlichen Hofschule. Insgesamt neun dieser Werke, entstanden zwischen 790 und 810, sind bekannt. Und vom  Ada-Evangeliar spricht Bibliotheksdirektor Michael Embach nur im Superlativ: „Das Nonplusultra an Kulturgut der damaligen Zeit.“ Ein herausragendes Zeugnis europäischer Kunstgeschichte. Karl, der sich in der Tradition römischer Herrscher sah, holte um das Jahr 790 Gelehrte, Künstler und Schreiber  aus allen Teilen des Kontinents an seinen Hof. Die Elitetruppe produzierte erst in Worms, später in Aachen. Adas Evangeliar gilt als die Leitschrift, die alle Stilmerkmale idealtypisch zusammenführt. Mit dem Tod des Kaisers 814 war die Hofschule Vergangenheit. Mit dem, was sie schuf, schmücken sich heute Nationalbibliotheken in Frankreich, England, Österreich und Rumänien sowie der Louvre (Paris) oder das Londoner Victoria and Albert Museum London. Und eben Triers Stadtbibliothek, die gemeinsam mit der Uni und angeschlossenen Kompetenzzentren die Tagung veranstaltet, die mehr als „nur“ eine Tagung ist. Embach und die Mitorganisatorin, Uni-Professorin Claudine Moulin, werben damit für die Aufnahme des Ada-Evangeliars ins Unseco-Weltdokumentenerbe. Nicht alleine, wie vor Jahren noch angestrebt, sondern gemeinsam mit den übrigen Hofschul-Werken.

Bislang ist der ebenfalls in der Stadtbibliothek aufbewahrte Codex Egberti aus dem späten zehnten Jahrhundert das einzige rheinland-pfälzische der rund 350 von der Unesco geadelten Dokumente. Embach wertet die Chancen als gut: „Es gibt ermutigende Signale“. Die Tagung, an der rund 40 renommierte Wissenschaftler teilnehmen, soll weitere Impulse bringen.

Sollte die Aufnahme ins Dokumentenerbe gelingen, dann muss der Schatz raus aus dem stillen Kämmerlein. Öffentliche Präsentation ist ein Muss. Und einem „schlechten Scherz“ (Embach) wie 1936 wäre ein Riegel vorgeschoben. Damals verkaufte die Stadt eine ihrer Gutenberg-Bibeln. Das Ada-Evangeliar könnte auf dem Kunstmarkt 50 Millionen Euro bringen. Mindestens.