Jagd mit Strategie

BITBURG/DAUN/PRÜM. Im Forstrevier Prüm funktioniert der Kreislauf Waldbau und Wildbestand. Die Schäden am Pflanzenbestand halten sich in Grenzen. Hier gilt die Jagd als Schlüsselfunktion für die ökologische Entwicklung des Waldes.

"Bei der Jagd schwingen viele Emotionen mit. Bei Diskussionen ist es schwer zu vermitteln, dass eine junge Eiche als Zukunftsbaum eine höhere Bedeutung als ein Rehbock oder ein Hirsch hat", erklärt Reimund Köhl, seit 22 Jahren Revierleiter in Prüm. Er ist für ein 1000 Hektar großes Waldstück entlang der B 265 von Niederprüm bis zum Fuß des "Schwarzen Mannes" zuständig. Sechs Pirschbezirke und der Eigenjagdbezirk "Prümer Held" sind innerhalb des Staatsforstes verpachtet. Für die Jagd auf den restlichen Flächen verkauft Köhl Abschüsse. Einschließlich der Vermarktung des Wildbrets erzielt er einen Reinerlös von 20 Euro je Hektar. Dagegen stehen fünf Euro je Hektar als Aufwand für Walderneuerung. "Vor 15 Jahren, als die Schalenwildbestände wesentlich höher waren, musste für den Schutz und die Erneuerung des Waldes das Zehnfache, also 50 Euro je Hektar, ausgegeben werden", rechnet der Prümer Revierleiter vor. Köhl hat immer die Vorgabe des Landes "Waldverjüngung ohne separaten Schutz" vor Augen. Dafür hat er im Wald an exponierten Stellen kleine Gatter aufgestellt, um den Pflanzenwuchs ohne Jagdeinflüsse beobachten zu können. "Wächst darin was anderes als außerhalb, weiß ich, dass was nicht stimmt", sagt er während des Waldrundgangs. Schalenwild als Pflanzenfresser habe keine natürlichen Feinde und deshalb sei der Jäger für ein "verträgliches Maß" verantwortlich. Jährliche Schädigungen unterhalb der Zwei-Prozent-Marke des jungen Pflanzenbestandes könne die Natur ohne Spätfolgen verkraften. Mehr nicht. Vermutungen, dass sein Revier demzufolge wildfrei sein müsse und der Jäger nicht mehr seiner Passion nachgehen könne, lässt Köhl nicht gelten: "Bei uns werden jedes Jahr etwa 95 Stück Reh- und zehn Stück Rotwild sowie 25 Wildschweine geschossen." Allerdings nach einer strikten Jagdstrategie: intensive Bejagung im Mai und September, vier Treibjagden im Oktober und November, Jagd im Dezember nur bei Schnee sowie absolute Jagdruhe in der restlichen Zeit.Überschüsse gehen in den Wegebau

"Es geht nur zweitrangig um Geldeinnahmen durch Jagdmarketing. Für uns gilt es, die wildbiologischen Ansprüche zu beachten und möglichst störungsarm zu jagen", bringt der 48-Jährige das Konzept auf den Punkt. Bei vielen Pächtern, die gutes Geld für die Jagdpacht ausgeben, dürfte der "Staatsforstler" damit auf heftigen Protest stoßen. Köhl kennt diese Argumentation: "Klar kauft sich der Jäger mit der Pacht sein Jagderlebnis. Der Konflikt "Viel Wild und hohe Schäden" entsteht automatisch. Allerdings investieren die Jagdgenossenschaften vielerorts Überschüsse aus der Jagdpacht in den Wegebau. 2003 profitierte die Eifel von der Zahlung von einer Million Euro Jagdsteuer.

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