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Kräutermischung bringt den Tod

Kräutermischung bringt den Tod

Ein 38-jähriger Mann aus der Verbandsgemeinde Daun ist in der Nacht auf Dienstag nach dem Konsum von Legal Highs gestorben. Dies ist der vorläufig traurige Höhepunkt einer Reihe von Vorfällen in den vergangenen Monaten, bei denen zumeist junge Menschen nach dem Konsum von Kräutermischungen massive gesundheitliche Probleme bekamen. Die Polizei warnt dringend davor, Legal Highs auszuprobieren.

Daun. Der Konsum von Kräutermischungen, auch als "Legal Highs" bekannt, wurde einem 38-jährigen Mann aus dem Vulkaneifelkreis in der Nacht auf Dienstag zum Verhängnis. Gemeinsam mit einem Bekannten hatte der Mann die Drogen konsumiert und war im Anschluss daran kollabiert. Sein Bekannter bekam es daraufhin mit der Angst zu tun. Er rannte gegen 0.50 Uhr von der Wohnung auf die Straße und flehte Passanten und Anwohner um Hilfe an. Auch der Rettungsdienst wurde alarmiert. Der Notarzt konnte jedoch nur noch den Tod des 38-Jährigen feststellen.

Für Polizei und Notarzt lag es bereits früh nahe, dass Drogenkonsum etwas mit dem Tod des Mannes zu tun haben könnte. Das ging erstens aus der Vernehmung des Bekannten hervor, zweitens stellte eine Streife der Polizei Daun, die die ersten Ermittlungen aufgenommen hatte, in der Wohnung weitere Kräutermischungen sicher.

Um exakten Aufschluss über die Todesursache zu erlangen, wurde am Dienstag der Leichnam des Opfers obduziert. Laut Staatsanwaltschaft ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Konsum der Kräutermischungen zum Tod des Mannes führte. Es ist somit nachweislich das erste Legal-High-Opfer in der Region Trier, wie eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Trier bestätigte. Bei einer 35-jährigen Frau aus Idar-Oberstein, die im September gestorben war, nachdem sie Kräutermischungen geraucht hatte, hatte die Obduktion weitere gesundheitliche Probleme zutage gefördert, sodass der Drogenkonsum nicht einwandfrei als Todesursache nachgewiesen werden konnte.
Im aktuellen Fall ermittelt die Kripo Wittlich nun weiter gegen den Bekannten des Opfers wegen des Verdachtes des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Polizei, Staatsanwaltschaft, Mediziner und Drogenberater erneuern nach dem aktuellen Todesfall ihre Warnung vor dem Konsum von Kräutermischungen, deren Bezeichnung als "Legal Highs" Legalität und Ungefährlichkeit suggeriert. Teilweise unterliegen die Inhaltsstoffe dem Betäubungsmittelgesetz, wodurch der Umgang mit ihnen strafbar ist. Ein großes Problem: Die Kräutermischungen sind im Internet leicht erhältlich.
Die Drogen, deren Zusammensetzung in der Regel stark schwankt und nicht bekannt ist, bergen ein unkalkulierbares Gesundheitsrisiko für die Konsumenten.
Wie gravierend sich der Konsum von Legal Highs auswirken kann, haben zwei Konsumenten dem TV, der sich in seinem Jugend-Medienprojekt "Auf Zack - Jugend macht Zeitung" in der Vulkaneifel aktuell exakt mit diesem Thema auseinandersetzt, anschaulich geschildert: "Am Anfang war alles noch okay, aber dann konnten wir uns beide plötzlich nicht mehr bewegen und auch nicht mehr sprechen. Sechs, sieben oder acht Stunden haben wir bewegungslos, aber bei Bewusstsein auf dem Boden gelegen. Ich konnte nicht mal um Hilfe rufen oder telefonieren und dachte: Jetzt ist es aus! Der absolute Horror!"
Das Beratungszentrum des Polizeipräsidiums Trier bietet weiterhin Beratungen und Informationsveranstaltungen zu der Thematik an - auch für Schulen. Terminanfragen sind unter beratungszentrum.trier@polizei.rlp.de möglich.Extra

Nach Auskunft des Trierer Staatsanwalts Benjamin Gehlen wurden im vergangenen Jahr in der Region Trier mehr als 40 Fälle von Legal-High-Konsum dokumentiert, mehr als 70 Ermittlungsverfahren sind in Bearbeitung. Darüber hinaus gehen die Ermittler von einer sehr großen Dunkelziffer aus. Die gravierendsten Vorfälle neben dem aktuellen Todesfall in der Vulkaneifel: September 2015: Eine 35-jährige Idar-Obersteinerin stirbt, nachdem sie eine Kräutermischung geraucht hat. Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass sie auch noch andere gesundheitliche Probleme hatte. Die genaue Todesursache bleibt daher offen. September 2015: Ein 15-Jähriger sowie drei Mädchen zwischen 13 und 15 Jahren müssen im Krankenhaus behandelt werden, nachdem sie vor Schulbeginn auf dem Busparkplatz der Realschule Hillesheim einen Kräutermix geraucht haben und ihnen übel wurde. September 2015: Ein 18-Jähriger bricht vor dem Bahnhof in Gerolstein zusammen, nachdem er einen Kräuterjoint konsumiert hatte. Er kommt ins Krankenhaus und wird gerettet. Anfang Juli 2015: Ein 33-Jähriger kollabiert nach dem Rauchen von Kräuterdrogen in Trier vor den Augen von Polizisten. Der Notarzt musste den Mann retten. Mai 2015: Ein 14-Jähriger in Trier bricht nach dem Genuss einer Kräutermischung zusammen. Frühjahr 2015: Ein 18-Jähriger hat in Trier nach dem Konsum der gefährlichen Mischung versucht, sich mit dem Gürtel zu strangulieren, und ist dann aggressiv geworden gegen die Helfer, die ihn gerettet haben. Februar 2015: In Saarburg ist ein 20-Jähriger bewusstlos auf der Straße gefunden worden. Er war nach dem Konsum einer Kräutermischung ins Koma gefallen. mh