Vier Wände für besondere Gemeinschaft

Vier Wände für besondere Gemeinschaft

Sarmersbach will mit dem Projekt Dorfgesundheitshütte die Mobilität der älteren Bürger erhalten. Und das so lange wie möglich.

Sarmersbach Bernd Gard ist zwar kein Eifeler, aber in vielen Orten in der Region bekannt. Denn der Ortsbürgermeister von Mannebach (Kreis Trier-Saarburg) ist der Erfinder des Saarburger Modells. Dabei geht es darum, den Herausforderungen der Zukunft wie Altersarmut und -einsamkeit sowie der Millionen Euro verschlingenden Krankenversorgung in einer stetig älter werdenden Gesellschaft mit einer nachhaltig organisierten, aktiven und sorgenden Dorfgemeinschaft zu begegnen. Ein Weg, den sich ja auch die Verbandsgemeinde (VG) Daun auf die Fahne geschrieben hat. Deren Ziel: Alle 48 Orte der VG bis zum Jahr 2030 in so genannte "Sorgende Gemeinschaften" zu verwandeln.
Auch Dieter Treis, seit 2009 Bürgermeister des 200-Einwohner-Orts Sarmersbach, hat Bernd Gard kennengelernt, vor allem dessen Projekt "Dorfgesundheitshütte", das in Mannebach realisiert wurde. Menschen jeden Alters können sich dort fit halten, eine Idee, die in Sarmersbach auf fruchtbaren Boden gefallen ist. "Wir hatten 2015 unsere Zukunftskonferenz, bei der mehrere Arbeitsgruppen entstanden sind. Unter anderem die, die sich mit dem Mannebacher Projekt beschäftigt hat", erzählt der 51-Jährige. "Wir sind mit einer großen Gruppe dorthin gefahren, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie so etwas aussehen kann."
Offenbar war die Demonstration überzeugend, denn mittlerweile steht fest: Auch Sarmersbach bekommt eine Dorfgesundheitshütte. Wobei der Name noch nicht wirklich überzeugt: "Wir haben eine Ausschreibung im Dorf gestartet, um eine knackigere Bezeichnung zu finden", sagt Treis.
Ein Platz für den Ort der Dorfgesundheit ist schon gefunden: ein der Gemeinde gehörendes Grundstück in unmittelbarer Nähe des Bürgerhauses. Treis: "Es ist ja kein gewöhnliches Projekt, deshalb hat Architekt Alois Pauly aus Bongard auch ein besonderes Gebäude geplant." Dank der Einnahmen aus den fünf Windrädern hat das Dorf das Geld, das Vorhaben zu stemmen. Auf etwa 400 000 Euro werden die Kosten geschätzt, 88 000 Euro kommen von der Europäischen Union. Der Baubeginn steht bevor, die ersten drei Gewerke (Mauer- und Betonarbeiten, Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten) sind vergeben.
"Unser Ziel ist, die Mobilität der älteren Bürger so lang wie möglich zu erhalten", sagt der Ortsbürgermeister. So können sie beispielsweise an Geräten trainieren, eingewiesen von einem freiberuflich tätigen Physiotherapeuten, der im Ort wohnt. "Umsonst ist es nicht, die Beiträge werden der sozialen Situation der Leute angepasst", sagt Treis. Ist das nur den Sarmersbachern vorbehalten? "Nein", erklärt Treis, "wie beim Projekt Bürgerbus, bei dem wir ja mit eigenem Fahrzeug und eigener Linie vertreten sind, steht das Angebot den umliegenden Dörfern, auch aus der Verbandsgemeinde Kelberg, offen."
Also noch ein Projekt, das aus der Zukunftskonferenz resultiert, die der Ortsbürgermeister "für unsere Gemeinde als durchweg positiv" sieht. "Ich glaube nicht, dass wir anders so viele Leute hätten motivieren können. Besonders wichtig ist, dass die Themen nicht vorgegeben wurden, sondern von den Bürgern selbst gekommen sind. Das sorgt bei der Umsetzung für besondere Motivation."

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