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Wenn der Partner zum Pflegefall wird

Wenn der Partner zum Pflegefall wird

Viele Menschen wollen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben. Werden sie zum Pflegefall, springen oft Angehörige ein. Wie belastend diese Situation sein kann, zeigt das Beispiel eines Paares aus der Vulkaneifel.

Daun/Gerolstein. Die Krankheit kommt schleichend, am Anfang bemerken Betroffene sie kaum. Doch sobald Demenz erkannt wird, ändert sich das Leben für immer, für den Kranken und die Angehörigen. "Wenn ich den Kopf hängenlasse, geht nichts mehr", erzählt Kurt Schneider (Namen von der Redaktion geändert). Bei seiner Frau Helga wurde im November 2012 Demenz diagnostiziert. Schon acht Jahre zuvor hatte die heute 78-Jährige einen Autounfall, vier Jahre später eine Tablettenvergiftung und zwei Schlaganfälle.
Der 76-Jährige muss sich praktisch ständig um seine Frau kümmern, den Haushalt führen, alle Erledigungen machen. "Nach den Schlaganfällen habe ich ihr zuerst fast alles abgenommen", sagt Schneider. Ein Fehler, wie er nach einiger Zeit bemerkt. Seine Frau wird immer unselbstständiger, die tägliche Belastung für ihn immer unerträglicher. Hobbys wie das Singen im Musikverein gibt er auf, damit Helga abends nicht alleine zu Hause ist. "Voriges Jahr war ich so weit, dass es fast nicht mehr ging."
Kurt Schneider muss die Notbremse ziehen und sich Hilfe suchen. Unterstützung findet er beim Pflegestützpunkt Daun (siehe Extra) und seiner Nachbarin. Sie sieht nach Helga, wenn ihr Mann mal kurz weg ist, und hilft bei den kleinen und großen Herausforderungen des Alltags. Essen kochen, Wäsche waschen oder bügeln sind Dinge, die Schneider nicht gewohnt war und erst lernen musste. Manche Aufgaben nimmt die Nachbarin ihm sogar ganz ab, die Haare machen zum Beispiel. "Das muss nicht auch noch sein", sagt Schneider erleichtert über die Hilfe.
Und auch seiner Frau gibt Schneider nach und nach Aufgaben zurück. Beim Kochen würzt sie das Essen, räumt die Spülmaschine aus oder bedient die Waschmaschine. Auch hier ist viel Geduld gefragt, wenn Helga eben vergisst, die Dinge zu erledigen. "Man darf sich nicht ärgern, das bringt nichts." Vor allem Vorwürfe oder ein lauter Tonfall verunsicherten die Kranke noch mehr. Um das Gedächtnis so gut wie eben möglich zu trainieren, hat Helga wieder angefangen, Kreuzworträtsel zu machen.
Arbeit mit Formalitäten


Neben den Herausforderungen im Haushalt hat Schneider auch mit Papierkram zu kämpfen. Auf einmal fragen Ärzte immer als Erstes nach Vollmacht und Patientenverfügung. Helga ist jetzt in der sogenannten Pflegestufe null für "eingeschränkte Alltagskompetenz" eingeordnet und erhält monatlich 120 Euro, dazu kommen 100 Euro für Betreuungsleistungen. Ohne die ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe würden die Schneiders nicht weit kommen. Und sie haben Glück: "Nicht jede Person wird von einem Demenzkranken akzeptiert", erklärt Schneider.
Wenn sich der Zustand von Helga verschlechtern sollte, müssten sie aber doch tagsüber eine Haushaltshilfe einstellen. Ihre Kinder, die alle weiter weg wohnen und berufstätig sind, wollen sie nicht belasten. Kurt Schneider möchte außerdem vermeiden, dass seine Frau aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen wird. Ein Heim kommt nicht infrage. "Wir gehen unseren Weg gemeinsam, so weit wir können."
Die Pflege in den eigenen vier Wänden ist morgen Thema beim ersten Gesundheits- und Pflegestammtisch Daun. An der Diskussion vom Pflegestützpunkt Daun und dem VdK-Kreisverband Wittlich-Daun wird auch Landes-Gesundheitsminister Alexander Schweitzer teilnehmen. Beginn ist am Donnerstag, 1. August, um 18.30 Uhr im Goldenen Fässchen, Rosenbergstraße 5 in Daun.
Extra

Der Pflegestützpunkt Daun ist Anlaufstelle für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen in den Verbandsgemeinden Daun und Kelberg. Der Pflegestützpunkt Gerolstein ist zuständig für die Verbandsgemeinden Gerolstein, Hillesheim und Obere Kyll. Die Einrichtungen bieten kostenlose Beratung zum Thema Pflege, Unterstützung bei Anträgen und die langfristige Begleitung der Kranken. Die Pflegestützpunkte werden gemeinschaftlich finanziert von den Kranken- und Pflegekassen, dem Sozialministerium Rheinland-Pfalz sowie dem Landkreis Vulkaneifel in Kooperation mit dem Träger der Beratungs- und Koordinierungsstelle (Daun: Deutsches Rotes Kreuz, Gerolstein: Caritasverband). Erreichbar sind die Pflegestützpunkte jeweils Montag, Mittwoch, Freitag von 8.30 bis 9.30 Uhr sowie Dienstag und Donnerstag von 14 bis 15 Uhr. maf Ansprechpartner in Daun ist Manfred Wientgen, Telefon 06592/9848778, Ansprechpartnerin in Gerolstein ist Britta Sarnes, Telefon 06591/9494082.