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Wenn ein kleines Paradies bedroht ist - Anwohner sauer über mögliche Grundschul-Schließungen in Wallenborn und Neroth

 In Wallenborn demonstrieren Kinder sowie Eltern und Lehrpersonal für den Erhalt der Wallenborner Grundschule. TV-Foto: Klaus Kimmling
In Wallenborn demonstrieren Kinder sowie Eltern und Lehrpersonal für den Erhalt der Wallenborner Grundschule. TV-Foto: Klaus Kimmling FOTO: Klaus Kimmling (e_daun )
Mainz/Wallenborn/Neroth. Das Land stellt die Grundschulen in Wallenborn und Neroth infrage. Kinder und Eltern laufen dagegen Sturm. Stephan Sartoris und Mario Hübner

Wo sich sonst fast ausschließlich Kinder tummeln, kommen an diesem Tag viele Erwachsene zusammen. Sie haben sich auf dem Schulhof der Grundschule in Wallenborn versammelt, um etwas zu tun, was sie sicher noch nicht oft getan haben - wenn überhaupt: Sie demonstrieren gemeinsam mit den Kindern für den Erhalt der Schule. Denn sie wird wie 40 weitere im Land überprüft, ob sie dauerhaft fortbestehen kann. Die Schule in Wallenborn liegt mit 36 Kindern in zwei Klassen unterhalb der vom Land festgelegten Mindestgröße von drei Klassen.

Dass am Ende der Prüfung das Aus für die kleine Schule besiegelt werden könnte, wollen Eltern, Kinder und Bürgermeister aus den Orten, aus denen die Kinder in Wallenborn zur Schule gehen, nicht einfach so hinnehmen. "Wir wollen, dass unsere Schule bleibt", sagt beispielsweise Svenja Umbach aus Meisburg, deren Kind die Grundschule besucht. Die Schüler haben sich ins Zeug gelegt und Plakate gestaltet, auf denen zum Beispiel zu lesen ist: "Lasst uns unsere Grundschule offen, ihr dürft jedes Jahr auf mehr I-Dötzchen hoffen. Die Geburtenraten steigen, wir werden es euch zeigen." Schulelternsprecherin Susanne Duckart aus Weidenbach würde es bedauern, wenn "eine Region im Vulkaneifelkreis, die gerade einen demografischen Aufschwung erlebt, wieder in ihrem Engagement durch die Schließung der Schule ausgebremst wird", heißt es in einem Schreiben an SPD-Bildungsministerin Stefanie Hubig. Und ergänzt: "Warum sollten junge Familien vor Ort bleiben oder sich im Hinterbüsch ansiedeln, wenn es keine Schule mehr gibt?"

Schulleiter Klaus Arens ist zuversichtlich, dass der Standort Wallenborn eine Zukunft hat, denn die Zahl der Schüler soll bis 2022 steigen. Deshalb geht er davon aus, dass es langfristig wieder vier Klassen geben und damit die Vorgabe des Landes erfüllt wird. Auch die Verbandsgemeinde (VG) Daun als Trägerin der Schule hat auf eine langfristige Perspektive gesetzt und 2012/2013 fast 500 000 Euro in das Gebäude in Wallenborn investiert. Dass der Standort nun infrage gestellt werden könnte, stehe nicht im Einklang mit der Aussage der Landesregierung, im Schulbereich gelte das Motto "Kurze Beine, kurze Wege", heißt es in einer Stellungnahme.

Betroffen ist auch die Grundschule Neroth (VG Gerolstein), mit derzeit 29 Kindern die kleinste Grundschule im Kreis Vulkaneifel. Zum nächsten Schuljahr gehen sechs Schüler ab, elf neue sollen kommen. Damit hätte die Schule 34 Schüler. Und die werden - wie bereits seit Jahren - in zwei Kombiklassen unterrichtet: die Kleineren in der gemeinsamen ersten und zweiten Klasse, die größeren in der gemeinsamen dritten und vierten Klasse. "Ich kann mir das anders gar nicht mehr vorstellen, denn die Kleinen profitieren so sehr von den Großen, die wiederum bereits viel Verantwortung übernehmen", sagt Schulleiterin Anke Brausch. Neben ihr unterrichten zwei weitere Lehrkräfte - mit einer ganzen und einer halben Stelle.

Die Schulleiterin genießt es nach eigenen Angaben, alle Kinder ihrer Einrichtung und ihre Familien zu kennen und jedem Kind jeden Tag ausreichend Aufmerksamkeit und Geborgenheit schenken zu können. "Eine mögliche Schließung meines kleinen Paradieses erfüllt mich mit Wut und Trauer", sagt die Schulleiterin.
Erst kürzlich hatte sich der Schulträgerausschuss der VG Gerolstein einstimmig dafür ausgesprochen, dass an der Grundschule Neroth ab kommendem Schuljahr das Betreuungsangebot deutlich erweitert wird: montags bis donnerstags bis 16 Uhr, freitags bis 14 Uhr. Und anders als bei einer Ganztagsschule werden Eltern ihre Kindern auch an nur einem oder zwei Nachmittagen zur Betreuung in der Schule lassen. Bislang können die Kinder längstens bis 13 Uhr in der Schule bleiben. Für das neue Angebot wird die vorhandene Küche um Tische und Stühle erweitert, eine Hauswirtschafterin soll sich um das Essen für die Kinder kümmern, das angeliefert wird.

Anke Brausch begründet das so: "Im benachbarten Kindergarten gibt es das Ganztagsangebot seit fünf Jahren. Nun kommen die ersten Kinder zu uns, und die Eltern haben sich daran gewöhnt. Daher wollen wir ihnen hier auch diesen Service bieten." Kurz darauf schlug die Ankündigung der rheinland-pfälzischen Bildungsministerin wie eine Bombe ein. Und sie hatte angekündigt, dass die Schulträger in Abstimmung mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Konzepte vorlegen sollen, wie sie das Unterrichtsangebot - auch im Fall einer Schulschließung - langfristig sicherstellen wollen. Auf die Ankündigung aus Mainz angesprochen, sagt Matthias Pauly, Bürgermeister der VG Gerolstein, die Schulträgerin der Grundschule in Neroth ist: "Sobald wir einen Überblick über die Sachlage haben, werden wir mit den betroffenen Gemeinden das weitere Vorgehen besprechen und die notwendigen Schritte einleiten." Ähnlich klingt es auch aus dem Dauner Rathaus: "Das nach dem Leitlinienentwurf zu erstellende schulische Konzept wird der Schulträger in den nächsten Monaten unter Einbeziehung von Schulleitung und den schulischen Gremien erarbeiten."
Ein Video zum Thema finden Sie unter www.volksfreund.deSTATISTISCHES LANDESAMT

Extra

(sts) Die Zahl der Grundschüler im Kreis Vulkaneifel ist laut Statistischem Landesamt von 2008/09 bis 2015/16 stetig zurückgegangen: von 2572 auf 1934. Die Grundschule Neroth hat von 2005/06 (47) bis 2016/17 (29) 18 Schüler verloren. Die Grundschule Wallenborn (36) hat 46 weniger als im Jahr 2005/06 (82).

 Sowohl die erste und zweite als auch die dritte und vierte Klasse werden jeweils gemeinsam unterrichtet. TV-Foto: Mario Hübner
Sowohl die erste und zweite als auch die dritte und vierte Klasse werden jeweils gemeinsam unterrichtet. TV-Foto: Mario Hübner FOTO: (e_gero )