Zu viel Egoismus

DAUN. (ako) Über die Perspektiven in einem erweiterten Europa hat der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs beim Jahresempfang des FDP-Kreisverbands gesprochen.Die Auswirkungen werde auch der Eifeler Mittelstand zu spüren bekommen.

Hans Friderichs ist nach wie vor ein im deutschen Wirtschaftsleben viel beschäftigter Mann: Unternehmensberater, Aufsichtsratsmitglied bei Konzernen wie Adidas und Leica und Vorsitzender des Hochschulkuratoriums der Mainzer Uni. Erholung findet der ehemalige Bundeswirtschaftsminister an seinem Zweitwohnsitz in Schalkenmehren. Der Wahl-Eifeler folgte der Einladung des FDP-Kreisverbandes, vor Vertretern der örtlichen Unternehmerschaft und der Lokalpolitik über die Chancen und Risiken der deutschen Wirtschaft in einem erweiterten Europa zu sprechen. "Nur im Alpenverein ist der Weg das Ziel", kommentierte der liberale Ex-Wirtschaftsminister ironisch das derzeitige Herantasten an große Reformen. "Es sind harte Entscheidungen und Klarheiten notwendig. Doch zurzeit wissen die Menschen nicht mehr, wer sie womit konfrontiert, und es fehlt an sauber strukturiertem Denken." Friderichs forderte eine Veränderung der föderalen Struktur, Subventionen sollten "brutalst" gekürzt werden. Die EU-Osterweiterung und die demografische Entwicklung führe zu Problemen, deren Ausmaß noch kaum erkannt werde: "Es geht uns immer noch relativ zu gut, um das zu spüren." Für den Arbeitsmarkt seien die Probleme nicht annähernd gelöst, denn eine weniger als die Arbeitslosenquote beachtete Zahl spreche eine deutliche Sprache: "Für die gesamte Entwicklung Ausschlag gebender ist, dass die Zahl der Beschäftigten abnimmt." Die Reformunfähigkeit der deutschen Wirtschaft werde derzeit schonungslos aufgedeckt. Für die Zukunft der Eifel allerdings gab sich Friderichs nicht ganz so kritisch. Dort werde der Zuwanderungsdruck von Arbeitskräften aus den 2005 beitretenden Ländern nicht so unmittelbar bemerkbar sein. Friderichs vermutet, dass langfristig sogar eine positive Entwicklung der Region möglich ist - wenn frühzeitig entsprechende Konsequenzen gezogen werden. Er nannte vor allem den Lückenschluss der A 1 und den "mühsamen Prozess der Annäherung an Belgien, Luxemburg und Frankreich". Es gelte, die regionalen Produkte viel besser als bisher zu vermarkten und auch einen sanften Tourismus auszubauen: "Vernetzungen der einzelnen Erzeuger und Dienstleister helfen." Nicht lohnen würde ein Wettbewerb gegen industrielle Billiganbieter. Die Eifeler Marken müssen sich davon abheben. Probleme sieht er jedoch auf viele Eifeler Gemeinden zukommen: "Da verhindert oft viel ortsansässiger Egoismus das Wachstum." Mit Leerständen in Innenstädten müsse kreativ umgegangen werden vor dem Hintergrund, dass alle letztlich von belebten "Citys" profitieren.

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