Rundumschlag mit Pointen

Rundumschlag mit Pointen

DAUN. Ein in Daun initiiertes Projekt, das an 60 Schulen in Deutschland läuft, verbindet Schule und Wirtschaft. Der Investmentberater Rainer Regnery informierte Oberstufenschüler über Unternehmensbewertungen und zukünftige Berufe mit Erfolgschancen.

Bislang hat die weltweit agierende Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) rund 1,5 Millionen Euro in das Projekt "Business at School" gepumpt, das auf die Freundschaft des BCG-Deutschland-Chefs Dieter Heuskel mit Bernd Krings vom Thomas-Morus-Gymnasium (TMG) zurückgeht. In Daun haben 180 Schüler "Business at School" durchlaufen und gelernt, wie man Geschäftspräsentationen führt oder Unternehmen analysiert. Einer Studie des Instituts für Schulentwicklungsforschung zufolge gehört das TMG zu den zwölf besten Schulen Europas bei der Einbindung von Wirtschaftsthemen. Im Rahmen des Projekts fand der erste Vortrag eines externen Experten statt. Der Hillesheimer Investmentberater Rainer Regnery war beteiligt an einem Konzept des Bundesforschungsministeriums für die Kultusministerkonferenz. Das Ergebnis: Die neue Informationsgesellschaft erfordert auch eine andere berufliche Bildung, in der wirtschaftliche Belange verankert sind und nicht mehr vernachlässigt werden. "Ich denke, wir müssen den Jugendlichen nicht nur problematische wirtschaftliche Szenarien malen, sondern ihnen Mut für ihre Zukunft mit auf den Weg geben", begründete Regnery sein Referat. Tatsächlich drehte es sich bei allen Fakten aus dem Börsen- und Wirtschaftsleben immer wieder auch um menschliche und ethische Aspekte.Plädoyer für internationale Praktika

Die Folgen der Überalterung in Europa, der Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer und der Differenzen in der Steuergesetzgebung der Staaten kamen zur Sprache. Wo sind die Märkte der Zukunft, welchen Beruf sollte ich wo ausüben, wie sichere ich mein Alter ab? Fragen, die offenbar schon 17-Jährigen nahe gehen, denn die freiwillige Unterrichtseinheit stieß auf große Aufmerksamkeit. Regnery lieferte einen pointenreichen "Rundumschlag" mit vielen konkreten Beispielen aus seiner Praxis. Er erklärte, welche Branchen, welche Unternehmen und welche Karrieren in welchen Ländern absehbare Chancen bieten und welche Ziele man besser als Illusion einmottet. In einer immer komplexeren Welt mit immer vielfältigeren Abhängigkeiten sei die Bereitschaft, lebenslang zu lernen und sich darauf einzustellen, mehrere Berufe zu lernen, wesentlich für eine gesicherte Existenz. Fremdsprachenkenntnisse nicht nur in Englisch, seien außerdem ein Muss. Zum Anforderungsprofil werden laut Regnery verstärkt persönliche Faktoren zählen wie Charisma, das Vertrauen auf soziale Werte, Flexibilität und die Fähigkeit, stabile gesellschaftliche Beziehungen einzugehen. Außerdem gelte: "Wer nichts hat als seine eigene Arbeitskraft, riskiert die individuelle Armut." Allerdings warnte er beim Vermögensaufbau etwa durch Aktien vor der Illusion, ohne entsprechendes Know-how von Börsen, Firmen und Märkten Geld zu machen. Vor allem die Branchen, die mit Informationsmanagement, globaler Logistik und Kommunikation oder Biotechnologie zu tun haben, seien zukunftsträchtig, als Karriereziel oder als Anlage. Regnery appellierte an die Gymnasiasten, die Chancen von internationalen Praktika zu nutzen und dabei zu lernen, welche Werte in anderen Kulturen wichtig sind. Harvard nannte er als Beispiel auch für deutsche Unis, nicht nur wegen des hohen Niveaus: "Dort muss jeder ohne Unterschied beweisen, dass er sich mit jeder Arbeit in Teams eingliedern kann, egal, ob in der Wäscherei oder in der Küche."

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