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Politik soll Callcenter retten

Politik soll Callcenter retten

Mehr als 200 Menschen aus der Region haben gestern an der Porta die Telekom an den Pranger gestellt: Pläne, das Trierer Telekom-Call-Center zu schließen, seien zutiefst unsozial, so die einheitliche Meinung von Betroffenen, Gewerkschaft und Politikern aller Couleur.

Trier. "Nur mit Hilfe der Politik können wir das Trierer Telekom-Callcenter mit seinen 120 Arbeitsplätzen noch retten", hatte der Trierer Verdi-Sprecher Manfred Fritschen nach Bekanntgabe der Telekom-Schließungspläne gesagt. Nun haben Politiker aus der Region den Schulterschluss mit den Telekom-Betroffenen geübt. "Eine Demonstration, die Mut macht", wie viele der Teilnehmer meinten.

Weit mehr als 200 Demonstranten hatten sich vor der Porta Nigra in Trier eingefunden, um mit Trillerpfeifen und Transparenten gegen die Konzernpläne zu demonstrieren.

"Mitarbeiter bekommen Stuhl vor die Tür gestellt"



Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Call-Centers Manfred Tölkes hatte zudem starke Argumente gegen eine Schließung. So sei das Trierer Callcenter eines der leistungsfähigsten Zentren in ganz Deutschland, zudem erst in diesem Jahr für viel Geld aufgerüstet, das modernste Callcenter der Telekom. "Dass man nun diesen motivierten und guten Mitarbeitern als Alternative einen Job in Bonn anbietet, ist reiner Hohn und Provokation. Die Telekom setzt uns Beschäftigten den Stuhl vor die Tür", sagte Tölkes. Die Verdi-Jugendbeauftragte Anne Weis erinnerte auch an die Ausbildungs-Perspektiven der Jugendlichen. "Wir haben in Trier noch 40 Auszubildende. Aber wie geht das weiter? Hat man als junger Mensch noch in Trier Chancen bei der Telekom?" Der Konzern habe hier auch gegenüber der Region eine besondere Verantwortung, sagte die junge Frau.

Die rheinland-pfälzische Sozialministerin Malu Dreyer (SPD) sagte den Telekom-Beschäftigten die "volle Unterstützung der Landesregierung zu". Dreyer werde zusammen mit Wirtschaftsminister Henrik Hering und Triers OB Klaus Jensen das Gespräch mit dem Telekom-Vorstand suchen und für den Erhalt der Arbeitsplätze kämpfen. "Wir lehnen die Schließungspläne ab", sagte die Ministerin. Klaus Jensen, Oberbürgermeister von Trier, versprach den Telekom-Mitarbeitern "die uneingeschränkte Solidarität der Stadt". "Wir geben die Hoffnung nicht auf", sagte der OB, der im Vorfeld nicht vom Konzern über die Schließungspläne informiert wurde. Schon in der Vergangenheit hätte die Telekom Trier stark "bluten" lassen. Seit der Privatisierung sind in der Region 1400 Telekom-Arbeitsplätze weggefallen.

Für den CDU-Bundestagsabgeordneten Bernhard Kaster ist es wichtig, gegenüber dem Konzern ein klares Ziel zu formulieren. Die Landesregierung müsse ihre Priorität deshalb auf den Erhalt des "modernen, leistungsfähigen Callcenters" in Trier setzen. Trier müsse für die Region, für Rheinland-Pfalz und das Saarland gerettet werden. Die Schließungspläne bezeichnete Kaster als "eine Dreistigkeit und unternehmerische Dummheit". Trier-Saarburgs Landrat Günther Schartz erinnerte den Konzern an die katastrophale Außenwirkung der Pläne. "Die Menschen sehen, wie die Telekom mit ihren Mitarbeitern umgeht."

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Ulrike Höfken kritisierte, dass sich die Telekom-Manager wie "Heuschrecken" verhielten. "Ihnen geht es um Lohndumping. Wer aus der Region nach Bonn zur Arbeit fahren muss, braucht jeden Monat allein 780 Euro Spritgeld." Das sei nicht tragbar und ein Schlag gegen die ländliche Region. Höfken erinnerte aber auch daran, "dass der Bund mit 30 Prozent noch größter Anteilseigner des Konzerns" sei und die Politik diesen Einfluss nun nutzen müsse. "900 Stellen will die Telekom in Rheinland-Pfalz und dem Saarland streichen", sagte Kurt Hau vom Verdi-Landesverband Rheinland-Pfalz/Saar. Er rief den Bund auf: "Pfeifen Sie Herrn Obermann zurück."