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Was die mächtigste Frau der Autowelt gegen Opel hat

Detroit. GM-Chefin Mary Barra geht mit dem größten US-Autobauer GM neue Wege. Hannes Breustedt

Detroit (dpa) Fast 90 gemeinsame Jahre, doch eine Erfolgsgeschichte ist es schon lange nicht mehr. Der US-Mutterkonzern General Motors (GM) hat mit seinem Europageschäft um die deutsche Tochter Opel seit 1999 kein Geld mehr verdient. Dass die Amerikaner nun erwägen, mit einem Verkauf an die französische PSA Group die Reißleine zu ziehen, passt zur Strategie von GM-Chefin Mary Barra. Für sie zählt vor allem Profit - Tradition, Prestige und Größe sind nachrangig. Mit Verlusten von mehr als neun Milliarden Dollar seit 2009 sind Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall Ballast in Barras Business-Plan.
Seitdem die 55-Jährige den Spitzenjob beim US-Branchenprimus Anfang 2014 übernommen hat, wird ihr Motto immer klarer: Kasse statt Masse. Die führenden Autokonzerne wie GM, Toyota oder Volkswagen wetteifern bislang als globale Allrounder um die Absatzkrone. Sie sind in jedem größeren Markt präsent und liefern sich einen Kampf um teuer bezahlte symbolische Erfolge wie die Marke von zehn Millionen verkauften Neuwagen pro Jahr. Barra will nicht mehr mitspielen. GM ist bereit, mit dem Opel-Verkauf aus der Champions League auszusteigen.
Die mächtigste Frau der Autowelt hat schon bewiesen, dass sie radikale Schritte bei Problemfeldern nicht scheut. GM zog sich unter ihrer Führung bereits aus Thailand und Indonesien zurück, wo die Geschäfte schlecht liefen und die Aussichten trüb waren. Auch in Russland stieg Barra nach Wirtschaftskrise und steigenden politischen Risiken aus, nahm dafür hohe Abschreibungen in Kauf. 2013 hatte GM bereits die Produktion in Australien aufgegeben. Folgt nun das Europageschäft mit der deutschen Tochter Opel?
"Es ist ein großer Markt für einen Ausstieg, sie wären dann kein wirklich global aufgestellter Autobauer mehr", gibt Experte David Whiston vom Analysehaus Morningstar zu bedenken. Doch diese Konsequenz sei eben, was den "neuen GM-Konzern" auszeichne. Statt Größe stehe nun Ertragskraft im Vordergrund. Während Gewerkschafter und Politiker in Deutschland aus Sorge um Opel-Jobs auf die Barrikaden gehen, gibt es von Anlegern und Analysten Beifall für Barra. "GM trifft smarte Entscheidungen. Wenn du Geld mit Autos verlierst, hör auf, sie zu bauen", kommentierte etwa Barclays-Experte Brian Johnson.
Über den internationalen Geschäften hängt zudem seit Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten das Damoklesschwert von Protektionismus und Strafzöllen. Da passt es ins Bild, dass der größte US-Autohersteller in Zeiten des bedrohten Freihandels Bereitschaft zeigt, sein globalisiertes Geschäftsmodell mit dem Rückzug aus Europa für höhere Gewinnspannen zu opfern.
LAND GLAUBT AN ERHALT VON OPEL-WERKEN


Extra

(flor) Malu Dreyer macht den 2100 Opel-Mitarbeitern in Kaiserslautern Mut, dass das Werk auch unter dem möglichen künftigen Eigentümer Peugeot-Citroën-Konzern (PSA) bestehen bleibt. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin spricht von ersten Signalen, dass durch die Übernahme "keine Standorte in Deutschland geschlossen werden". Die deutsche und französische Politik eine das Ziel, keine Arbeitsplätze abzubauen. SPD, CDU, FDP, Grüne und AfD sprachen sich im Mainzer Landtag dafür aus, das Werk in Kaiserslautern zu erhalten. Daniel Köbler (Grüne) sagte, ein Schub der Elektromobilität in Deutschland könne Arbeitsplätze künftig sichern. Auf der Zuschauertribüne verfolgten vier Opel-Betriebsräte die Reden, die Thorsten Zanglerle, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, "eine tolle Solidaritätsbekundung" nannte. Er gehe zuversichtlich in die anstehenden Gespräche.