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Serie Landmarken: Die Strohner Lavabombe

Einfach nicht zu stemmen: Die Strohner Lavabombe. TV-Foto: Christina Bents
Einfach nicht zu stemmen: Die Strohner Lavabombe. TV-Foto: Christina Bents
Strohn. Die Strohner "Lavabombe" misst fünf Meter im Durchmesser und wiegt 120 Tonnen - so viel wie 100 Mittelklassewagen. Der gewaltige Brocken entstand unter kuriosen Bedingungen. Das Strohner Vulkanhaus dokumentiert seine Geschichte. Christina Bents

Strohn. Beim Bergen einer Bombe ist immer viel Fingerspitzengefühl gefragt - und Expertenwissen, damit sie nicht in die Luft geht.
Diese Gefahr bestand bei der Lavabombe in Strohn immerhin nicht, als sie beim Lavaabbau aus dem Kraterwall geborgen wurde. Expertenwissen brauchte es aber schon, sowohl für die Bergung als auch für den Transport.
Als "Lavabombe" bezeichnen Geologen Gesteinsstücke, die bei einem Vulkanausbruch herausgeschleudert werden. Kaum einer rechnete im Jahr 1969 damit, noch auf einen derart großen Gesteinskörper zu treffen. Bei einer Sprengung an einer Schlackenwand kam die Lava-Bombe um Vorschein - 120 Tonnen schwer, fünf Meter im Durchmesser. Damit ist diese Lavabombe ungefähr so schwer wie hundert mittelgroße Autos.
Wie der riesige Lavabrocken entstanden ist, war für die Wissenschaftler erst einmal ein Rätsel. Denn die vulkanischen Kräfte der Eifel reichten bei Weitem nicht aus, um eine derart große Kugel durch die Luft zu schleudern.TV-Serie Landmarken


Mit Hilfe einer Kernbohrung konnte man schließlich das Naturereignis nachvollziehen: Die Kugel hat offenbar wie eine Art Schneeball nach und nach neue Schichten angelegt, bis sie ihre jetzige Größe erreichte. Den Entstehungsprozess beschreiben die Wissenschaftler folgendermaßen: Während der Ausbrüche des nördlichen Wartgesberg-Vulkans löste sich ein Stück Kraterwand und rollte in den Schlot zurück. Beim Zurückrollen klebten glühende Lavastücke an dem Brocken fest. Beim nächsten Ausbruch wurde das jetzt größere Kraterwandstück wieder nach oben geschleudert, schaffte es aber nicht aus dem Schlot heraus und rollte wieder zurück. Auch dabei klebten wieder Lavastücke fest. Dieser Prozess wiederholte sich etliche Male und die Kugel wuchs wie ein Schneeball, den man durch den Schnee rollt und der dabei immer dicker wird. Irgendwann war die Kugel dann zu schwer, um hochgeschleudert zu werden und blieb im Kraterwall. Wann begann dieser Vorgang, wie lange hat er gedauert? Wann war er abgeschlossen? Diese Fragen sind bis heute noch unbeantwortet. Erst beim Abbau im Jahr 1969 kam die Riesenkugel wieder zum Vorschein.
Um die Lavabombe der Öffentlichkeit besser zeigen zu können, musste sie zum Ortsausgang gebracht werden. Das sind zwar nur einige Hundert Meter, aber es hat insgesamt drei Tage gedauert, bis die Kugel mit Baggern und Hubladern vorsichtig auf eine Eisenplatte geschoben wurde und dann an ihren Bestimmungsort verfrachtet worden war.... und kleine "Bömbchen"


Neben der großen Lavabombe sind dort einige kleinere "Flugbomben" - also wesentlich kleinere Lavabrocken - zu sehen, die "nur" eine Tonne schwer sind, und tatsächlich aus dem Vulkan herausgeschleudert wurden. Im Vulkanhaus in Strohn sind noch weitere Fundstücke, die nach ihren Formen auch Korkenzieherbombe oder Spindelbombe heißen. Ihre besondere Gestalt bekommen sie durch die Rotation beim Herausfliegen aus dem Vulkan und durch den anschließenden Prozess des Erkaltens.Extra

Im Vulkanhaus in Strohn kann man weitere interessante Ausstellungsstücke, wie beispielsweise eine original Lavaspaltenwand sehen, die ins Museum gebracht wurde und durch ihr Eisenoxid einen blauen Schimmer hat. Auch für Kinder gut verständlich wird dort erklärt, wie Vulkane entstehen und was das mit den Erdplatten zu tun hat. In der Strohner Schweiz kann man das Vulkangestein (Lava- und Basalt) in der Natur sehen, und sich selbst davon ein Bild machen, wie die Landschaft sich hier gewandelt hat. Damals hat sich die Alf hier ein neues Bett geschaffen durch den 12 000 Jahre alten Strohner Lavastrom, der das alte Flussbett versperrt hatte. chb