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Das gelbe Kreuz im Metall-Kokon ist ein Bild für das Leben

Das gelbe Kreuz im Metall-Kokon ist ein Bild für das Leben

Es ist ein Bild und Sinnbild zugleich. Ein gut sichtbares Zeichen für die vielen tausend Pilger, die Tag für Tag in den Dom kommen. Unter dem Kreuz liegt das Gewand Christi.

Hoch über der Gemeinde unter dem Vierungsbogen in der Achse des Mittelschiffs hängt das weithin leuchtend gelbe Kreuz wie in einem luftigen Metall-Kokon und markiert die Stelle des Schreins mit der Tunika. Nach der Kreuzigung Jesu, so berichtet das Johannes-Evangelium, haben die Soldaten unter dem Kreuz um dessen Gewand gelost. Und just diese Bibelstelle hat der Eifeler Künstler Jan Leven plastisch in Raum und Bild umgesetzt.

"Der organisch geformte Schrein aus Zedernholz mit dem Tuchreliquiar erinnert an die Form einer Samenkapsel oder eines Fruchtkerns, der Leben birgt und Leben hervorbringt", erläutert Micha Flesch, Kulturbeauftragter des Bistums und der Wallfahrt. "Auch das Kreuz im Kokon darüber ist ein Bild für das Leben, ein Bild für den Wandel, für Tod und Auferstehung."

So wie der Heilige Rock in einer Umhüllung liege, so sei auch das Kreuz umhüllt von einem luftigen Metall-Gewebe, gehalten von vier Bögen aus Edelstahl, transparent und offen. Kreuz und Schrein korrespondieren in der Form. "Das Kreuz hat eine für mich feierliche Wirkung", sagt Künstler Jan Leven. "Es ist Gold ohne Gold zu sein. Seine leuchtende Strahlkraft durchdringt alle Dunkelheit."

Bei der Arbeit zu seinem Entwurf habe er sich mit der 500 Jahre alten Geschichte der Heilig-Rock-Wallfahrten auseinandergesetzt. "Es hat mich bewegt, wie dieses Gewand über Jahrhunderte Menschen bewegt hat." Für den 52-jährigen Künstler war es das erste Mal, dass er zu einem Wettbewerb für sakrale Kunst eingeladen und sein Vorschlag prompt unter sieben Künstlerinnen und Künstlern ausgewählt wurde. Zurzeit bereitet sich Leven wieder auf einen Wettbewerb vor. Um was es geht? Jan Leven schmunzelt: "Um sakrale Kunst!"

Was mit dem Kreuz im Metall-Kokon nach der Wallfahrt geschieht, darüber wird in Kirchenkreisen bereits heftig diskutiert. "Es gibt so einige Ideen", sagt Kulturchef Micha Flesch. "Wir werden mit Sicherheit ein schönes Plätzchen finden."

Info
Jan Leven, 1960 in Frankfurt am Main geboren, lebt und arbeitet in Bereborn in der Eifel. Er hat Kunst und Architektur in Düsseldorf studiert und seit seiner Ateliergründung 1990 zahlreiche Ausstellungen realisiert und mehrere Gestaltungswettbewerbe gewonnen. Unter anderem wurde er 2004 mit dem Förderpreis Rheinland-Pfalz für Bildhauerei ausgezeichnet und erhielt das Casa Baldi Stipendium (Dependance der Villa Massimo Rom) und ein Stipendium der Zeche Carl Essen.