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"Versuchen kann man es ja"

Rainer Gallas. Foto: privat
Rainer Gallas. Foto: privat
Wittlich/Ense. Die Verbandsgemeinden Wittlich-Land und Manderscheid kennt er nur vom Namen her. Dennoch möchte Rainer Gallas, Diplom-Verwaltungswirt und Doktor der Staats- und Wirtschaftswissenschaften, am 25. Mai von deren Bürgern zum neuen Verwaltungsoberhaupt gewählt werden. Der 55-Jährige aus dem Sauerland hat seine Bewerbung für den Bürgermeisterposten der neuen VG Wittlich-Land eingereicht. Nina Ebner

Wittlich/Ense. Ein Verwaltungsmensch durch und durch. Darauf lässt jedenfalls der Lebenslauf schließen, den Rainer Gallas aus der gut 12 000 Einwohner großen Gemeinde Ense im Sauerland ans Rathaus der Verbandsgemeinde (VG) Wittlich-Land geschickt hat. Auf die Verwaltungslehre für den kommunalen Verwaltungsdienst Mitte der 1970er Jahre bei der Stadt Essen folgte der Lehrgang für den mittleren nichttechnischen Verwaltungsdienst, dann das Studium an einer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung mit dem Abschluss Diplom-Verwaltungswirt, garniert noch mit einem Doktortitel im Bereich der Staats- und Wirtschaftswissenschaften. Und dennoch: Als "typischen Beamten", der früh am Nachmittag das Büro verlasse und für den Wochenendarbeit tabu sei, sieht sich der 55-Jährige nicht. "Ich habe es 40 Jahre lang geschafft, dieses Klischee nicht zu erfüllen", betont Gallas, der seit 1998 beim Bundesverwaltungsamt arbeitet - zunächst in Köln, inzwischen am Standort in Hamm als Sachgebietsleiter fürs Reisekostenmanagement. Er sei "Praktiker" - und deswegen störe ihn bei seiner Arbeit im Verwaltungsbetrieb insbesondere Eines: "Die Behäbigkeit hat mich immer aufgeregt."Bürgermeisterwahl 2014


Ideen schneller umsetzen, mehr bewegen - das schwebt dem 55-Jährigen vor. Und genau deswegen hat er sich auch für den Posten des Bürgermeisters in der neuen Verbandsgemeinde Wittlich-Land beworben, die zum 1. Juli aus den beiden Verbandsgemeinden Wittlich-Land und Manderscheid entsteht.
Der verheiratete Vater zweier Kinder im Alter von 16 und 19 Jahren, der in seiner Freizeit gerne wandert, Rad fährt und antike Uhren sammelt, will eine berufliche Veränderung. Da kam die Stellenanzeige der VG Wittlich-Land, auf die er im Internet stieß, gerade recht.
Gallas weiß allerdings auch, dass er im Vergleich zu den Bewerbern aus der Region - für die CDU tritt Dennis Junk aus Salmtal, für die Grünen Claudia Laux aus Osann-Monzel, für die FDP Rita Wagner aus Hetzerath und für die FWG Alois Meyer aus Klausen an - Nachteile hat. "Ich kenne Wittlich-Land nur vom Namen her", räumt er ein, "ich war noch nie da." Das allerdings will er möglichst bald nachholen - schließlich muss der 55-Jährige bis zur endgültigen Bewerbungsfrist am 7. April noch 120 Unterstützungs-Unterschriften zusammenbekommen, damit er bei der Kommunalwahl am 25. Mai als freier Kandidat antreten kann.
Überzeugen will Gallas, der in seinem Leben bislang noch nicht kommunalpolitisch aktiv war, die Wähler mit seiner "unheimlich langen Verwaltungserfahrung": "Ich habe schon mit vielen Oberstadtdirektoren zusammengearbeitet, und ich habe Vorgesetzte gehabt, wo ich mir gedacht habe, muss das denn sein?"
All diese Erfahrungen will er als VG-Chef einbringen. Wenn ihn die Wähler denn lassen. Gallas schätzt seine Chancen bei der Wahl durchaus realistisch ein: "Versuchen kann man es ja mal."