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Wittlich/Bitburg/Gerolstein/Prüm
Eifel im Blitzlichtgewitter

Ronald Reagan (rechts) beim Treffen mit dem damaligen Bitburger Bürgermeister Theo Hallet (links). Der Besuch des ehemaligen US-Präsidenten hat weltweit für Proteste gesorgt.
Ronald Reagan (rechts) beim Treffen mit dem damaligen Bitburger Bürgermeister Theo Hallet (links). Der Besuch des ehemaligen US-Präsidenten hat weltweit für Proteste gesorgt. FOTO: Daniel John (daj)
Wittlich/Bitburg/Gerolstein/Prüm. Es waren nur wenige Momente, wenige Minuten, während derer alle Kameras und Mikrofone auf die Eifel gerichtet waren. Die Woch blickt zurück auf den Besuch eines großen Staatsmannes und den Tod eines Terroristen. Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

New York, London, Shanghai, Berlin – das sind die Schauplätze, an denen Geschichte geschrieben wird. Am Brandenburger Tor hielt John F. Kennedy seine berühmte Rede: „Ich bin ein Berliner“. In den Londoner Abbey Road Studios  nahmen die Beatles ihre legendären Alben auf. Und die meisten Filme, die über die Kinoleinwände flimmern, werden noch immer in Hollywood, einem Stadtteil von Los Angeles, gedreht.

In Paris unterzeichneten Staatsmänner den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl – dem Vorläufer der heutigen EU.

Wer den Fernseher oder den Computer einschaltet, bekommt schnell den Eindruck, dass große Ereignisse nur in großen Städten passieren – und schon gar nicht in der Eifel. Dabei gab es auch hier, fernab der Metropolen, politischen Machtzentren und roten Teppiche, Momente, die Schlagzeilen machten. Es gab Zeiten, da blickte die gesamte Weltöffentlichkeit in die Eifel.  Ein Überblick:

1974 hungert sich Holger Meins in der Justizvollzugsanstalt Wittlich zu Tode. Das ehemalige Mitglied der Roten Armee Fraktion hatte einen Streik gegen die Haftbedingungen eingelegt. Nach seinem Suizid wird Meins zu einer Art „Märtyrer“ der zweiten RAF-Generation und bestärkt sie in weiteren Taten.

1985 besucht der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan den Friedhof Kolmeshöh in Bitburg. Eingeladen hat ihn der deutsche Altkanzler Helmut Kohl.

Die Visite Reagans sollte ein Akt der Versöhnung sein. Stattdessen kommt es bereits im Vorfeld zu heftigen Protesten und Demonstrationen – sowohl in den USA als auch in der Bundesrepublik. Der Grund: Auf dem Friedhof liegen – übrigens noch heute – Dutzende Gefallene der Waffen-SS.

1999 sorgt ein weiteres Ereignis für Trubel auf den Straßen einer Eifeler Stadt. Um Politik geht es den Tausenden, die sich in Gerolstein versammeln, aber nicht – sondern um Musik.

Die Firma Gerolsteiner Brunnen hat zu ihrem 111. Jahrestag ein Open Air auf die Beine gestellt und dafür musikalische Schwergewichte eingeladen. Unter anderem spielen Peter Maffay, Zucchero und BAP vor rund 15 000 Zuschauern.

Vier Jahre später wird Gerolstein erneut Schauplatz eines Großereignisses. Das Team Gerolsteiner hat sich 2003 zum ersten Mal für das Radsportspektakel Tour de France qualifiziert.  Im Juli wird die Mannschaft von Tausenden feierlich verabschiedet.

Politisch wird es 2005 wieder in Prüm. Am 27. Mai unterzeichnen acht Innen- und Justizminister von europäischen Staaten dort einen folgenreichen Vertrag. Sie schließen ein Abkommen über die grenzübergreifende Verbrecherjagd ab. Das Treffen versetzt die Abteistadt in einen Ausnahmezustand, oder anders ausgedrückt: „ins Europafieber“, wie der Volksfreund-Redakteur damals schreibt.

2011 schafft es Prüm erneut in die Schlagzeilen, als Josef Zierden den Schriftsteller Günther Grass für sein Eifel-Literatur-Festival gewinnen kann. Fünf Jahre lang hatte Zierden den Autor der Blechtrommel vor seinem Besuch umwerben müssen.