Lernen am bewegten Bild

Führerscheinbewerber auf den Alltag gut vorzubereiten ist das Anliegen von Fahrlehrerverbänden, Institutionen wie dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat, aber auch der Autohersteller. Vom kommenden Jahr an gibt es für den Nachwuchs am Steuer eine zusätz liche technische Neuerung, die den Unterricht noch realistischer machen soll: Videos zeigen Verkehrssituationen.

Trier. Ab dem Jahr 2012 sollen Videoclips beim theoretischen Unterricht in der Fahrschule dazu beitragen, dass junge Menschen, die gerade erst die Fahrprüfung absolviert haben, Gefahrensituationen noch besser einschätzen können. Die Prüfung dann auch wirklich zu bestehen, lohnt sich allerdings noch aus einem weiteren Grund.
Fahranfänger leben gefährlich. Die 18- bis 24-Jährigen stellen zwar nur acht Prozent der Bevölkerung. Sie sind aber laut Statistik an 25 Prozent aller Verkehrsunfälle beteiligt. Ein gefährliches Konglomerat aus mangelnder Erfahrung, unangemessener Risikobereitschaft und dem Unvermögen, Verkehrssituationen richtig einzuschätzen, bringt vor allem junge Menschen immer wieder in Situationen, mit denen sie nicht gerechnet haben und die sie auch überfordern.
Im Jahr 2010 kamen in Deutschland 690 junge Menschen bis zu 24 Jahren bei Verkehrsunfällen ums Leben. Der Tüv Rheinland hat nun ein neues Element für die theoretische Führerscheinprüfung entwickelt, von der sich die Experten eine Verbesserung der Verkehrs sicherheit versprechen. Statt wie bisher mit ruhenden Bildern arbeiten die Prüfer ab dem kommenden Jahr mit Video sequenzen, die ganz konkrete Situationen darstellen.
Test läuft in Nordrhein-Westfalen



Ab 2012 sollen diese Videos bundesweit neben überarbeiteten Fotos in die Theorieprüfung eingeführt werden. Aktuell laufen Pilotprojekte in Nordrhein-Westfalen, wobei die ersten Reaktionen der jungen Prüflinge durchweg positiv ausfielen. Mit diesen kurzen computeranimierten Szenen ließen sich Situationen wie zum Beispiel ein aus dem toten Winkel plötzlich auftauchender Radfahrer, ein am Straßenrand spielendes Kind, Überholvorgänge oder komplizierte Verhältnisse an Kreuzungen realitätsnah darstellen.
Auf dieser Basis können auch die Prüfer gezielter abfragen, ob der Führerscheinanwärter die bedrohliche Lage erkennt - oder warum nicht - und wie er sie schließlich vermeidet. Außerdem werden auch die mitunter schlimmen Konsequenzen des Fehlverhaltens demonstriert. In der Prüfung darf sich der Prüfling die Filme bis zu dreimal anschauen, bevor er sich für eine von drei möglichen Antworten entscheiden muss.
Die kurzen Lehrfilme werden von den technischen Prüfstellen der Bundesländer entwickelt. Aktuell stehen den Prüfern 18 Clips zur Verfügung. Dank der Computeranimation lassen sich diese Videos je nach Bedarf variieren, so dass immer neue Darstellungen mit veränderten Landschaften, Straßenzügen oder Fahrzeugen entstehen. So ist der Prüfling zusätzlich gefordert, bestimmte Situationen zu analysieren und zu verstehen.
Der Absolvent kann sich also demnächst nicht mehr wie früher auf das reine Auswendiglernen der Prüfbögen verlassen. Nach der erfolgreichen Prüfung bietet der Tüv Rheinland den Fahr anfängern zusätzlich die Möglichkeit, ihr erstes, meist gebrauchtes Auto, kostenlos auf Schwachstellen untersuchen zu lassen. Beim sogenannten Proficheck sehen sich Prüfingenieure mehr als 30 sicherheitsrelevante Bauteile an.
Entsprechende Statistiken geben Auskunft darüber, dass bei Unfällen mit Personenwagen, die älter als acht Jahre sind, im Vergleich zu jüngeren Fahrzeugen doppelt so häufig technische Mängel als Ursache festgestellt wurden.