1. Meinung

Eine Sache der Wahrnehmung

Eine Sache der Wahrnehmung

Ich gebe Ihnen mein Wort. Die verschiedenen Teile des Volksfreunds lagen am Freitagmorgen wild durcheinander auf dem Tisch im Esszimmer der Familie Beckmann. Doch worauf fällt der Blick meiner Tochter zuerst? Auf den Artikel über den Vater von Heidi Klum, der in Piesport einen Wingert gekauft hat.

Mit einer Mischung aus Erstaunen und Interesse reagiert die junge Frau auf die Überschrift. Ihr steht natürlich Heidi Klum näher als deren Vater.

Ich hatte den Artikel schon vorher gelesen. Allerdings aus einem anderen Blickwinkel. Die Welt der Models liegt mir fern, ich muss sowieso zur Übergröße greifen. Doch es ist ja in Ordnung, dass es zwischen den Generationen unterschiedliche Wahrnehmungen von ein und derselben Sache gibt.

Ich habe mich darüber amüsiert, dass jemand einen Weinberg kauft, weil er so ähnlich heißt wie die Lage. Zur Erinnerung: Günther Klum ist Besitzer einer Parzelle in der Günterslay und will sogar noch mehr davon.

Da fällt mir mit Blick auf die berühmten Lagennamen etwas ein. Heißen Himmelreich, Domprobst, Prälat, Klosterlay und Altärchen so, weil die Kirche einst zu den Großgrundbesitzern gehörte und auch heute noch Weinberge hat, die ihr vermacht wurden? Ich habe ein bisschen gegoogelt. Die Namensgebung stellt sich demnach nicht so spektakulär dar, wie vielleicht vermutet. Unter www.riesling.de steht da beispielsweise unter anderem zum Graacher Domprobst: "Hoch oben in der Ämterpyramide der Geistlichkeit steht der Dompropst. Nach ihm kommt nicht mehr viel.

Und nicht viel geht über den "Dompropst" in Graach. Weine, nach deren Leben nicht mehr viel kommt; außer dem ewigen." Meine Vermutung: Zu der Zeit als die Namen entstanden war die Kirche als Obrigkeit ganz stark verankert. Und es spielte die Hoffnung mit, dass es mit Gottes Beistand nur noch guten Wein gibt.