Die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden

Die Kulturwoche : Eine überteuerte Diele, ein mittelalterlicher Baum und ein geplatzter Traum

Na also, geht doch! Zwar nur mit Verspätung, wir befinden uns ja schließlich in Berlin, aber was sind schon läppische fünf Jahre im Vergleich zu anderen Bauten in der Hauptstadt der Inkompetenz, die nimmermehr fertig werden!

Die Schlüssel für das neue Empfangsgebäude (!!!) zur Museumsinsel sind übergeben worden. Die James-Simon-Galerie – benannt nach dem  jüdischen Mäzen (1851-1932) – von Stararchitekt David Chipperfield soll vom kommenden Jahr an den Besucherservice für die fünf Häuser der Welterbestätte gemeinsam übernehmen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sprach bei dem Festakt von einem „architektonisch überzeugenden Entrée“. Das lässt sich gewiss auch von manchen Dielen in Reihenhäusern am Stadtrand sagen, wo man Hut und Mantel abhängt, ehe man ins Wohnzimmer tritt. Bei Berlinern wird das Haus folglich bereits als „teuerste Garderobe der Welt“ verspottet, denn die Kosten von anfangs 71 Millionen stiegen gerade mal um knapp die Hälfte auf 134 Millionen. Keine Panik – alles nur Erdnüsse!

Wenn da mal nicht der Weihnachtsmann seine Hände im Spiel hatte: Archäologen sind in Krefeld auf rund 500 Jahre alte Bodenfliesen mit Tannenbaum-Motiv gestoßen. Die gut erhaltenen glasierten Kacheln kamen bei der Ausgrabung einer mittelalterlichen ­­Hofanlage aus tieferen Erdschichten ans Licht. Ihre hohe Qualität lasse auf eine wohlhabende, vermutlich adlige Familie schließen, sagte Krefelds Stadtarchäologe Hans Peter Schletter. Wahrscheinlich stammten sie aus der Zeit Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts. Das Alter der Fliesen fällt demnach in die Anfangszeit des Weihnachtsbaum-Brauchs. Mit anderen Worten: Hier feierte eine Familie richtig avantgardistisch. Denn der geschmückte Tannenbaum wurde erst im 19. Jahrhundert in deutschen Wohnstuben so richtig heimisch.

Und gleich noch eine besinnliche Meldung zum Wochenendauftakt: Die Kandidatenliste für das nächste RTL-Dschungelcamp ist komplett. Unter anderem soll der Schlagersänger Peter Orloff, wer auch immer das gewesen sein mag, ab dem 11. Januar bei der Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ mitmachen. Zu den ganz großen Erfolgen des 74-Jährigen gehört der Jahrhunderthit „Ein Mädchen für immer“. Nun ja. Orloff ist allerdings nur Lückenbüßer, denn eigentlich sollte der legendäre Ex-Bundesverkehrsminister Günther Krause (65) an diesem weltweit beachteten Wettstreit teilnehmen. Krause, wir erinnern uns, ist jener Klavier spielende Minister, der inzwischen wegen mehrerer murkeliger Machenschaften (Putzfrauenaffäre, ­Meineid, Mietschulden) vorbestraft ist. Ja, in Deutschland funktioniert wenigstens das Gerichtswesen noch, wenn es darum geht, demokratisch gewählten Politikern auf die Finger zu hauen. Aber das war nicht der Grund, warum der gebürtige Hallenser nicht mit in die Ekel- und Schleimhölle darf: Er ist durch den medizinischen Test gefallen. Dass RTL an seine Kandidaten ebenso hohe Fitness-Anforderungen stellt wie, sagen wir, die Lufthansa an ihre Piloten – alle Achtung! Aber wahrscheinlich muss man tatsächlich in Top-Kondition sein, um sich in aller Öffentlichkeit so brutal verheizen zu lassen und sich selbst ganz ohne Zwang zum Affen zu machen.

no/dpa