Karriereberater

Man kennt das aus dem Fußball: Ein junger Stürmer wird als "großes Talent" gepriesen. Doch dann schießt er dreimal am Tor vorbei, spielt Fehlpässe, wird ausgebuht.

Bald spricht man vom "ewigen Talent" - ein Fall für die Ersatzbank! Ähnlich geht es High Potentials im Berufsleben: So messerscharf ihre Intelligenz, so vorzüglich ihre Abschlüsse auch sind - im Alltag bleiben etliche auf der Karrierestrecke. Woran scheitern Hochbegabte? Eine Kienbaum-Studie unter 126 Unternehmen sagt: an sich selbst! Wenn ihr hoher Anspruch und die banale Alltagsarbeit aufeinanderprallen, kommt es in ihrem Kopf oft zu einem Missklang, zu Nachlässigkeit und Langeweile. Zudem sind es Hochbegabte gewohnt, ihre Ziele - etwa gute Schulnoten - völlig mühelos zu erreichen. Ihre Willensstärke und ihr Ehrgeiz sind weniger ausgeprägt als bei Kandidaten, die sich ihre Leistungen abringen mussten. Etliche Hochbegabte neigen dazu, sich zu überschätzen: Ihr Selbstbild fällt so positiv aus, als hätten sie es bei einem Hofmaler in Auftrag gegeben, vielleicht weil die anderen in der Schule bei ihnen abgeschrieben haben (und niemals umgekehrt!). Im Berufsleben gilt das "Abschreiben" als eine Tugend: Ein Einsteiger übernimmt die Arbeitsweise derer, die mehr Erfahrung haben. Wer in der Probezeit noch Stützräder braucht, aber schon das Rad neu erfinden will, landet zwangsläufig im Straßengraben. Dieser Mangel an emotionaler Intelligenz hat schon manchen High Potential auf die Ersatzbank verbannt - obwohl die Begabung für die Nationalelf gereicht hätte. Quelle: Managementberatung Kienbaum, Gummersbach. High Potentials, 2007. Unser Kolumnist Martin Wehrle gehört zu den erfolgreichsten Karriereberatern in Deutschland. Sein aktuelles Buch: der Bestseller "Ich arbeite in einem Irrenhaus" (Econ, 14,99 Euro). Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne