Städtereisen im Aufwind - Berlin will Paris einholen

Städtereisen im Aufwind - Berlin will Paris einholen

Berlin ist mit Abstand das deutsche Städtereiseziel Nummer eins. Aber nicht nur das: Auch im europaweiten Vergleich steht die Stadt immer besser da. Die Zahl der Übernachtungen ist höher als in Rom - selbst Paris ist nicht mehr unendlich weit entfernt.

Über Berlin haben in den vergangenen Monaten viele gespottet: Die Eröffnung des neuen Flughafens musste schließlich gleich mehrfach verschoben werden. Dabei ist der Tourismus in der Hauptstadt eine anhaltende Erfolgsgeschichte. „Wir sind die touristisch am schnellsten wachsende Metropole weltweit, noch vor Madrid, Tokio oder Shanghai“, sagte Burkhard Kieker, Chef des Tourismusmarketings VisitBerlin, im Vorfeld der Reisemesse ITB. „Bei den Übernachtungszahlen sind wir europaweit die Nummer drei hinter London und Paris.“

Und noch vor Rom - obwohl die italienische Hauptstadt 3000 Jahre Vorsprung gehabt habe. Damit spiele Berlin längst in der Champions-League des Städtetourismus. „Ich glaube, dass wir uns auf dem Niveau von Paris bewegen werden“, sagt Kieker. „Die haben 36 Millionen Übernachtungen. Das ist in den nächsten zehn Jahren einzuholen.“

Bei den Städtereisezielen in Deutschland ist Berlin schon an der Spitze: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Gäste auf gut 10,8 Millionen, die der Übernachtungen auf 24,9 Millionen. München und Hamburg liegen weit dahinter. „Berlin schwingt zurück in den Normalzustand einer Weltstadt“, beschreibt Kieker diese Entwicklung. „Wir bekommen immer mehr die wirkliche Funktion einer Hauptstadt, wo die Trends geboren und die Moden gemacht werden.“ Und wohin deshalb auch die Touristen fahren wollen. Das „Comeback einer Weltstadt“ sieht Kieker darin. „Und die Welt liebt Comebackgeschichten.“

Die Attraktivität Berlins hat aber auch ganz handfeste Gründe: Einmal sei die Stadt viel günstiger als andere Metropolen. „Wer für drei oder vier Tage hierherkommt, den kostet das ein Drittel bis die Hälfte weniger als in London“, sagte Kieker. „Das ist mehr value for money bei gleichem Unterhaltungswert.“ Hinzu käme die große Zahl an Veranstaltungen während des ganzen Jahres. „Da gibt es keine toten Täler mehr.“ Das reiche von der Langen Nacht der Museen, die in Berlin erfunden und inzwischen oft kopiert worden sei, bis zum Sommer in Berlin mit etlichen Festivals und Veranstaltungen in den Clubs genauso wie in den Strandbars und den Badeschiffen.

Berlin ist aber nicht nur ein Trendziel für junge Besucher: „Das Durchschnittsalter der Besucher ist 42 Jahre. Die größte Zielgruppe ist 55 plus, überdurchschnittlich gebildet und mit überdurchschnittlich viel Geld“, sagte Kieker. „Die wollen vor allem Kultur, gut essen, gut leben, gut schlafen.“

Aus welchen Gründen die Berlinbesucher in die Hauptstadt kommen, hat VisitBerlin systematisch erfragt: „Am meisten genannt wird Bummeln, Restaurants und Cafés besuchen, sich treiben lassen, gucken, was die Berliner machen“, sagte Kieker. „Die gehen auch ins Theater, in die Oper oder zu Nofretete, Kultur spielt eine wichtige Rolle.“ Aber sie gibt nicht den Ausschlag. „Die Leute kommen, um den Puls dieser Stadt zu fühlen“, sagte der VisitBerlin-Chef. „Schließlich gehen bei uns die Vorhänge auf, wenn woanders die Rollläden runtergehen.“

Mehr von Volksfreund