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Blick über den Tellerrand wird gefördert

Blick über den Tellerrand wird gefördert

Das Land Rheinland-Pfalz fördert sechs Forschungsverbünde an der Uni Trier in den kommenden Jahren mit 8,4 Millionen Euro. Die künftigen Profil-träger der Universität wurden nun erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Trier. Wenn Wissenschaftsministerin Doris Ahnen und Uni-Präsident Peter Schwenkmezger in diesen Tagen zusammentreffen, geht es meistens um Krisenmanagement. Doch gestern Nachmittag gab es an der Uni zwar auch vereinzelte Transparente, aber Protest-Stimmung mochte nicht so recht aufkommen.

"Forschung schafft Wissen" heißt die rheinland-pfälzische Initiative. Eine Konsequenz aus dem mäßigen Abschneiden des Landes bei der bundesweiten Exzellenz-Initiative, wie die Ministerin unumwunden einräumte. Kern ist eine Art Deal auf Gegenseitigkeit: Das Land stellt zusätzliche Mittel zur Verfügung und garantiert statt der üblichen jährlichen Zuweisung eine feste Förderung auf dreieinhalb Jahre - mit zweijähriger Verlängerungsoption.

Im Gegenzug unterwerfen sich die stets auf Autonomie bedachten Unis der Auswahl durch eine Expertenkommission des Landes und der Kontrolle durch Zielvereinbarungen. Dass Trier dort mit sechs Projekten zum Zuge kam, wertete Ahnen als "große Anerkennung".

Wie die Auswahl zeigt, ging es den Experten offensichtlich darum, keine noch so illustren Einzel-Projekte zu fördern, sondern den wissenschaftlichen Blick über den Tellerrand zu unterstützen. Sechs fachübergreifend ausgerichtete Forschungsverbünde sollen demnächst das Profil der Trierer Uni schärfen. Die Auswahl sei "alles andere als einfach" gewesen, formulierte Präsident Schwenkmezger recht diplomatisch. Immerhin gehe es "um Stellen für 60 bis 80 junge Wissenschaftler".

Berücksichtigt worden sind dabei überwiegend Projekte, die schon seit längerem wissenschaftliches Renommee eingeheimst haben und die sich nun mit neuen Schwerpunkten besser aufstellen können. Ob sie mit Ende der Förderfrist auslaufen oder ob sie auf Dauer zu drittmittelfinanzierten Aushängeschildern der Uni werden, muss sich im Laufe der nächsten Jahre entscheiden.

Zwar klingen die Titel der Forschungs-Vorhaben und der sie tragenden Verbünde für einen Außenstehenden arg wissenschaftlich-abstrakt, aber die Präsentation auf dem Campus II machte Verbindungen zum "normalen" Leben deutlich. Zum Beispiel bei "Forumstat", dem "Forschungszentrum für Regional- und Umweltstatistik", das die wissenschaftlichen Grundlagen dafür schaffen will, kommunale Entscheidungsträger mit verlässlichem Datenmaterial über alle wichtigen Vorgänge auf regionaler Ebene zu versorgen - von Arbeitsmarkt bis Hochwasser. Oder bei den Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern, die gemeinsam die Grauzone zwischen Arbeitnehmerrrechten und Wirtschaftsfreiheit auf europäischer Ebene erforschen - bis hin zu der Frage nach den Rechtsgrundlagen etwa der Bahn-Streiks im vorigen Jahr.

Juristen sind auch bei jenem Forschungsverbund vertreten, der sich mit den Folgen des Klimawechsels für Bioressourcen und Gesetzgebung befasst - und zwar gemeinsam mit Geowissenschaftlern, weil Recht und Naturwissenschaft zusammenspielen, aber trotz dieser Erkenntnis selten Hand in Hand arbeiten.

Kooperation auch bei Geisteswissenschaftlern und Informatikern, die "Elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren" entwickeln, will heißen: Goethe, Kant und die Bibel fit machen fürs digitale Zeitalter. "E-humanities" heißt das auf Neudeutsch.

Eins fällt auf: Mehrere Projekte haben Öffentlichkeitsarbeit als Schwerpunkt. Scheint so, als wollten die Forscher raus aus dem Elfenbeinturm.