"Haste mal ne Mark?"

So unterschiedlich finanzieren regionale Bundestagskandidaten ihren Wahlkampf. Dabei sind dem Einfallsreichtum der Bewerber kaum Grenzen gesetzt.

Trier Albert Niesen ist ein Exot. Als unabhängiger Bewerber ist der im Trierer Stadtteil Ruwer lebende technische Angestellte einer der wenigen Bundestagskandidaten, die ohne Rückendeckung einer Partei antreten. Niesen hat demnach nur dann eine Chance auf Einzug in den nächsten Bundestag, wenn er in seinem Wahlkreis das Direktmandat holt. Das dürfte schon allein deshalb nicht einfach werden, da Niesen beispielsweise gegen eine SPD-Kontrahentin antritt, die schon im Bundestag sitzt - und dazu noch als Bundesfamilienministerin in den Medien geradezu täglich präsent ist. Diesen Vorteil Katarina Barleys genießt zwar auch CDU-Mann Andreas Steier nicht. Doch der Kaster-Nachfolger hat eine große Partei im Rücken, die nicht nur jede Menge politische Erfahrung mitbringt, sondern auch reichlich organisatorischen und finanziellen Background. Dagegen ist Albert Niesen ein Einzelkämpfer, wie er selbst anmerkt, darauf angewiesen, dass er andere für seine Ideen gewinnen und zur Unterstützung bewegen kann. Da eine Kandidatur Geld kostet, selbst wenn der Bewerber auf Großleinwände und teuren Werbeschnickschnack verzichtet, ist auch Niesen auf der Suche nach Spenden. "Haste mal ne Mark?", ist ein Aufruf auf der Internetseite des 58-jährigen Kandidaten überschrieben. Der Erfolg halte sich bislang aber sehr in Grenzen, räumt Niesen am Mittwoch auf Nachfrage ein. Heißt im Klartext: Viel mehr als sein maximal geplantes Wahlkampfbudget von 2000 Euro wird der ehemalige Musiker der Guildo-Horn-Band Orthopädische Strümpfe auch nicht zur Verfügung haben.
Ein Kleckerbetrag gemessen an den finanziellen Möglichkeiten seiner beiden aussichtsreichsten Kontrahenten. SPD-Frau Katarina Barley und CDU-Kandidat An dreas Steier planen jeweils mit einem Wahlkampfetat von rund 50 000 Euro. "Der Wahlkampf wird zum großen Teil über Mitgliedsbeiträge und Spenden von Einzelpersonen finanziert", sagt die Bundesfamilienministerin auf Anfrage unserer Zeitung. Das Geld werde für Flyer, Plakate, Anzeigen und politische Veranstaltungen ausgegeben.
Steiers Wahlkampfbudget stammt nach Angaben eines Sprechers aus Eigenmitteln und Spenden. Die Ausgaben für den Wahlkampf seien in der CDU "grundsätzlich vom Kandidaten selbst zu finanzieren", sagt auch der im Wahlkreis Bitburg erneut kandidierende Bundestagsabgeordnete Patrick Schnieder. Die Partei steuere nur das bei, was an Wahlkampfspenden für den Kandidaten eingehe.
Der im Wahlkreis Mosel/Rhein-Hunsrück antretende CDU-Staatssekretär Peter Bleser schweigt sich zur Höhe seines Budgets aus, sagt aber, der Wahlkampf werde von den drei im Wahlkreis liegenden Kreisverbänden anteilig finanziert. Hinzu kämen Spenden von Bürgern, Mitgliedern und Unternehmen.
Spenden von Parteimitgliedern und privaten Unterstützern, die sich meist in den Größenordnungen von 20 bis 100 Euro beliefen, sind - neben dem Geld aus den Parteitöpfen - für den SPD-Kandidaten Jan Pauls "sehr wichtig".
Er selbst hat nach eigenen Angaben drei Monatseinkommen für den Wahlkampf gespendet, dazu seine Arbeitszeit für sechs Monate halbiert, "um mehr Zeit und Kraft für den Wahlkampf zu haben".
Der 32-jährige Maschinenbauingenieur sagt, dass der Wahlkampf für einen normalen Arbeitnehmer eine enorme Herausforderung darstelle. Für viele Bürger sei eine Kandidatur "finanziell schlichtweg unmöglich".
Der im Wahlkreis Trier antretende AfD-Direktkandidat Erwin Ludwig nennt keine konkreten Zahlen, verweist aber darauf, dass ihm Plakate, Flyer und Technik von der Partei zur Verfügung gestellt würden. "Andere Ausgaben wie Fahrt- oder Bewirtungskosten trage ich selbst", sagt der in Thörnich wohnende Diplom-Volkswirt.
Bei den Grünen ist es nach Angaben der Trierer Abgeordneten Corinna Rüffer Aufgabe der Partei, den Wahlkampf zu finanzieren. Ein finanzieller Beitrag der Kandidaten werde nicht erwartet und sei auch nicht üblich. Wie viel Geld sie persönlich etwa für Fahrtkosten aufwende, könne sie nicht sagen.
Rüffers Kollegin Katrin Werner (Linke) kommt auf ein Budget von insgesamt rund 5000 Euro. 3000 Euro zahlt die Partei, 2000 Euro steuert die Triererin selbst bei - Fahrtkosten, Übernachtungen und Spesen auf ihrer Wahlkampf-Sommertour nicht mit eingerechnet.
Zurück zu Albert Niesen. Der parteilose Bewerber verspricht seinen Unterstützern für den Fall, dass am Ende seiner Kampagne etwas übrig bleibt, das Geld einer karitativen Einrichtung zu spenden. So wie es ausschaut, braucht sich der 58-Jährige über den möglichen Empfänger allerdings wohl keine Gedanken zu machen.