Rollensuche

Die Worte des neuen SPD-Trios waren zwar mitunter markig, doch das Problem der Genossen können sie nicht übertünchen: In der großen Koalition wird die SPD nicht richtig wahrgenommen. Die Sozialdemokraten haben ihren Tritt im schwarz-roten Bündnis noch lange nicht gefunden.

Ähnlich verhält es sich mit der rein theoretischen Frage der Kanzlerkandidatur von SPD-Chef Matthias Platzeck: Eine solche Karte jetzt schon zu spielen, drei Jahre vor der nächsten Bundestagswahl, kommt fast einem Akt der Verzweiflung gleich. Dass Platzeck den ersten Zugriff als Vorsitzender hätte, ist doch selbstverständlich. Derzeit zumindest. Innenpolitisch wollen die führenden Genossen Kanzlerin Merkel also jetzt an die Kandare nehmen. Viel Spaß dabei. Solange in der neuen Troika die Machtverhältnisse und damit auch die programmatische Führung eher ungeklärt als eindeutig sind, muss Merkel sich nicht fürchten. Zumal die SPD jene Ressorts beherrscht, die die unpopulären Einschnitte zu vertreten haben. Nein, klare Führung, klare Linie, das allein würde der SPD aus dem momentanen Schlamassel helfen. Nur dann ließe sich die Kanzlerin in den Niederungen der Innenpolitik wirklich stellen, nur dann könnten die Genossen großkoalitionäre Erfolge für sich auch nach außen hin verbuchen - und Misserfolge an die Union abschieben. Vorher aber nicht. nachrichten.red@volksfreund.de