"Wir hatten Angst, dass er wieder zuschlägt"

"Wir hatten Angst, dass er wieder zuschlägt"

TRIER. Auf den Tag genau drei Wochen nach der blutigen Messerattacke auf eine 46 Jahre alte Prostituierte bei Salmtal haben die Fahnder einen Tatverdächtigen geschnappt. Der 18-jährige Wittlicher sitzt seit gestern in Untersuchungshaft.

Die Erleichterung ist den Mitgliedern der "Sonderkommission 141" anzumerken. Der Mann, den die 30-köpfige Truppe um den Chef der Trierer Mordkommission, Bernd Michels, seit Wochen suchte, ist geschnappt. Am Dienstagmorgen wurde der 18-jährige Tatverdächtige, ein mit seiner Freundin zusammenlebender Mann aus Wittlich, in seinem Heimatort festgenommen. Gestern Nachmittag erließ ein Trierer Untersuchungsrichter Haftbefehl - wegen Mordversuchs. Dass die Fahnder dem wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraften Mann auf die Schliche kamen, ist nicht zuletzt dem Opfer zu verdanken. Die bei der Messerattacke auf dem Parkplatz "Wolfstellung" lebensgefährlich verletzte Frau konnte ihren Peiniger ziemlich genau beschreiben. Ein daraufhin von Experten des Bundeskriminalamts erstelltes und im TV veröffentlichtes Phantombild lieferte letztlich den entscheidende Hinweis: Eine Zeugin, die den 18-Jährigen erkannt zu haben glaubte, meldete sich bei der Polizei. Was zunächst nur eine Spur von mehreren hundert war, der die "Soko" im Verlauf der Ermittlungen nachging, wurde plötzlich eine heiße Spur - als nämlich feststand, dass der 18-Jährige einen silbernen Ford Fiesta fährt. Ein solches Fahrzeug hatten nämlich mehrere andere Zeugen unabhängig voneinander zur Tatzeit von dem Parkplatz "Wolfstellung" abbiegen sehen. Ein Autofahrer wäre sogar fast mit dem zurücksetzenden Fiesta kollidiert. Der Phantombildhinweis und der silberfarbene Ford - zwei Indizien, die die Beamten der "Soko" zuversichtlich stimmten, den Fall bald lösen zu können. Während der Tatverdächtige observiert und wahrscheinlich auch abgehört wurde (offiziell wird nur von gezielten polizeilichen Maßnahmen gesprochen), stieg der Erfolgsdruck - spätestens nachdem am Wochenende in Perl an der Mosel eine 48 Jahre alte Frau von einem Unbekannten er-stochen wurde. "Beide Fälle haben wohl nichts miteinander zu tun", verlautete da schon inoffiziell aus Polizeikreisen. "Aber wir hatten Angst, dass unser Mann wieder zuschlägt", sagt ein Ermittler. Der Grund: das offenbar fehlende Motiv für die Salmtaler Bluttat. "So etwas macht kein normaler Mensch ohne Grund. Das war die Tat eines Psychopathen", meint ein Fahnder, "der Mann hat zwei Gesichter", sagt ein anderer. Als der 18-Jährige am Dienstag festgenommen wird, liegt im Auto ein blutverschmiertes T-Shirt mit der Aufschrift "Portugal". Ein solches T-Shirt hatte nach Angaben des Opfers auch der Täter getragen.