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Ankunft am Ziel mit deutlicher Verspätung

Ankunft am Ziel mit deutlicher Verspätung

Weitaus länger als ursprünglich geplant hat der Umbau des Kyllburger Bahnhofs gedauert. Und teurer geworden ist er auch. Derzeit laufen die letzten Arbeiten an dem 2,8-Millionen-Euro-Projekt, das am Ende doch einige Wünsche offen lässt.

Kyllburg. Wolfgang Krämer ist froh, dass sich die Arbeiten endlich dem Abschluss nähern. "Die Personen-Überführung sieht recht ordentlich aus", zeigt sich der Kyllburger Stadtbürgermeister mit dem Bauwerk zufrieden. "Was uns aber natürlich alle ärgert, ist, dass das Ding nicht barrierefrei ist und dass wir an Gleis zwei keinen Fahrkarten-Automaten haben", fügt Krämer hinzu. Anders als beispielsweise am Bahnhof in Erdorf führt in Kyllburg nämlich auf beiden Seiten der Gleisanlage eine Straße vorbei. Wer also auf Gleis zwei muss, ist nicht darauf angewiesen, die Überführung zu nutzen. Es sei denn, der Fahrgast benötigt eine Fahrkarte. Dann muss er die Gleise mindestens einmal überqueren.
Dass die neue Überführung nicht mit Aufzügen ausgestattet ist, liegt daran, dass dafür in Kyllburg zu wenig Fahrgäste ein- und aussteigen. Nach Auskunft des Landes besteht eine Verpflichtung zum barrierefreien Ausbau von Bahnhöfen erst bei Fahrgastzahlen von mehr als 1000 Reisenden pro Tag. Und davon ist Kyllburg weit entfernt. Die geringe Fahrgastzahl ist auch der Grund, warum kein zusätzlicher Fahrkartenautomat errichtet wurde.
Laut Bahn wird der Bahnsteig zwei (Richtung Köln) weitaus weniger genutzt als Bahnsteig eins (Richtung Trier). Zudem seien die meisten Reisenden Pendler. Und diese seien in der Regel im Besitz einer Dauerkarte und somit nicht auf einen Fahrkartenautomaten angewiesen. Teuer genug ist die Überführung aber auch ohne Aufzug. Denn aufgrund gravierender Differenzen zwischen der Deutschen Bahn beziehungsweise DB Station & Service AG und dem beauftragten Bauunternehmen, das nach Auskunft der Bahn die Planungsunterlagen zu spät eingereicht hatte, haben sich die Kosten für die Überführung auf 1,2 Millionen Euro zuzüglich Planungskosten erhöht und damit mehr als verdoppelt.
Zudem hat diese Auseinandersetzung zu einem vorübergehenden Baustopp und damit zu einer deutlichen Verzögerung der Bauarbeiten geführt (der TV berichtete). So sollte die Sanierung des Bahnhofs ursprünglich bereits 2014 abgeschlossen sein. Voraussichtlich im August (dieses Jahres) soll die Anlage nun endlich freigegeben werden. Wie die Bahn auf Anfrage mitteilt, laufen derzeit noch Restarbeiten an der Überführung und am Bodenbelag.
"Im Anschluss an die bauliche Fertigstellung sind noch diverse Abnahmen sowie eine Nutzungsgenehmigung behördlicherseits erforderlich, weshalb die Inbetriebnahme für den Reisendenverkehr nicht unmittelbar nach Abschluss der Arbeiten erfolgen kann", teilt der Konzern mit.
Insgesamt 2,8 Millionen Euro soll das Projekt kosten. Wie sich diese Summe letztlich auf die drei Finanzierungspartner Bahn, Land und Stadt Kyllburg verteilen wird, dazu will das Unternehmen keine Angaben machen. Und auch der Kyllburger Stadtbürgermeister kann dazu derzeit nichts sagen. Die Schlussabrechnung komme erst nach Beendigung der Arbeiten, erklärt er.
Da jedoch die Kosten für die Brücke vom Land getragen würden und sich Kyllburg finanziell eigentlich nur am Hausbahnsteig beteilige, sei der städtische Anteil überschaubar, so Krämer. Anfang 2015 lagen die Kosten dafür laut Sitzungsprotokoll des Stadtrats bei knapp 130 000 Euro und damit immerhin 40 000 Euro unter dem ursprünglichen Ansatz.