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Folgen des Gefahrstoff-Unfalls: Wer soll das bezahlen?

Umwelt : Folgen des Gefahrstoff-Unfalls in Lichtenborn: Wer soll das bezahlen?

Noch immer ist nicht geklärt, wer für die beschädigte Nato-Pipeline in Lichtenborn die Verantwortung trägt. Bis dahin zahlt der Kreis für das Abbaggern der Schadstoffe. Und die Kosten steigen.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat keinen Plan. Zumindest keinen, auf dem die NATO-Pipeline beim Lichtenborner Ortsteil Stalbach eingezeichnet ist. Auch die Akten anderer Behörden oder Werke geben wenig her. „Unterlagen zu den Leitungen sind nirgends auffindbar“, sagt Gerhard Annen von der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm. Dem Bauamtsleiter gibt die Havarie in der Verbandsgemeinde Arzfeld mehr als einen Monat später noch immer Rätsel auf.

Bei Bauarbeiten hatte ein Pflug einen alten Kanal getroffen (der TV berichtete). Große Mengen einer brennbaren Flüssigkeit traten aus der Röhre aus, verunreinigten den Boden und einen Fischteich. Mancher wusste wohl, dass unter dem Gelände alte Pipelines liegen. Bis 1991 versorgten sie das Tanklager Lichtenborn-Üttfeld, wo die französischen Streitkräfte Kraftstoff für Militärfahrzeuge lagerten. Doch eigentlich sollten die Rohre stillgelegt sein – der Sprit abgepumpt, die Durchflüsse gereinigt und stillgelegt. Warum war dann, Jahrzehnte später, noch was drin?

Bislang sei diese Frage ungeklärt, der Verursacher des Umweltschadens nicht ermittelt, sagt Annen: „Auch wenn es eine Reihe von Verdächtigen gibt.“ Ein Sprecher der Kriminalpolizei Wittlich, die den Fall übernommen hat, bestätigt auf TV-Anfrage: „Die Ermittlungen dauern an und werden sich voraussichtlich langwierig hinziehen.“ Der Bund sieht sich schon mal nicht in der Verantwortung (der TV berichtete). Landrat Joachim Streit betont aber: „Wir finden jemanden, der den Schaden bezahlt.“

Daran hat sein Kreis ein finanzielles Interesse. Denn derzeit übernimmt die Behörde die Kosten der Sanierung. Und die laufen gerade aus dem Ruder.

Am 24. September hat der Kreisvorstand per Eilentscheid die Bauarbeiten auf den Weg gebracht. Und damit eine sogenannte „Ersatzvornahme“ beschlossen. Das heißt: Der Kreis handelt also, obwohl er nicht zuständig ist. Der Grund: Er wollte schneller sein als der Regen, der die Schadstoffe in die Landschaft gewaschen und somit eine Sanierung teurer gemacht hätte. Das heißt aber nicht, dass die Verwaltung auf dem Schaden sitzenbleiben wird: Wenn ein Verursacher gefunden wurde, kann man dem die Sanierungskosten in Rechnung stellen.

Seit Ende September baggert die Rittersdorfer Entsorgungsfirma François in Stalbach also, was das Zeug hält. Rund 2200 Tonnen kontaminierter Boden kamen bislang unter die Schaufel. Zunächst ging die Kreisverwaltung von 1000 Tonnen aus. Aber die „Bodenbelastung ist wohl deutlich erhöht“ und die „Gefahr für die Schutzgüter Boden und Grundwasser“ daher akut, wie es in der Vorlage für den Kreisausschuss heißt. Die Menge des Erdreichs, die das Unternehmen „auskoffern“ muss, wie es technisch heißt, hat sich also mehr als verdoppelt.

Und noch sind die Arbeiten ja nicht beendet. Bis zum Abschluss rechnet Annen damit, dass etwa 2500 Tonnen abgebaggert werden müssen. Kosten: geschätzt 418 000 Euro. Hinzu kommen 60 000 Euro für das Mertesdorfer Büro für Umweltplanung, das die Sanierung begleitet. „Das Auffüllen der Grube und die Herrichtung der Baustelle sind in den geschätzten Kosten nocht nicht eingerechnet“, sagt Annen: „Wir hoffen aber, dass die Sache in dieser Größenordnung bleibt“. Sicher sagen könne er es nicht. Wenn es in den nächsten Tagen etwa stark regne, könnte das die Sanierung erschweren und weiter verteuern.

Zumindest eine gute Nachricht gibt es aber für die Kreisverwaltung: Das kaputte Rohr muss sie nicht selbst verschließen. Das übernimmt die Fernleitungs-Betriebsgesellschaft – und das freiwillig und unentgeltlich.

Helmut Fink (Bündnis 90/ Die Grünen) geht die Sanierung offenbar nicht weit genug. Er würde sich Präventionsmaßnahmen wünschen, damit es nicht zu weiteren Havarien dieser Art kommt. „Da unten gibt es noch viel mehr vermeintlich tote Pipelines“, sagt er in der Kreisausschusssitzung und fragt nach einer „Vermeidungsstrategie“. „Danach müssen Sie einen guten Mann vom Bau fragen“, antwortet Landrat Streit: „Wir können hier nicht präventiv tätig werden, weil wir nicht zuständig sind.“ So dreht sich die Sache weiter um die Frage nach dem Verursacher.

Klar ist jedenfalls – und das dürfte die anliegenden Landwirte freuen – ,dass die Grundstückseigentümer nicht auf dem Schaden sitzenbleiben werden. Und die Behörden wissen inzwischen immerhin, womit sie es bei der brennbaren Flüssigkeit zu tun haben, die über ihre Äcker gelaufen ist. „Dabei handelt es sich um Kraftstoff für Vergasermotoren“, sagt ein Sprecher der Kriminalpolizei. Annen von der Kreisverwaltung wird konkreter: „Es war wohl ein Gemisch aus Wasser mit Benzin in der Pipeline.“