Gemeinderat beschließt in der guten Stube

Gemeinderat beschließt in der guten Stube

Vereidigung im Wohnzimmer: Albert Zimmermann ist neuer Bürgermeister von Kickeshausen, einer der kleinsten Gemeinden in der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld. Da es dort kein Bürgerhaus gibt, sind die Ratssitzungen in der guten Stube.

Kickeshausen. 43 Gemeinden gibt es in der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld. Eine davon ist Kickeshausen mit rund 40 Einwohnern. Den neuen Bürgermeister Albert Zimmermann zu finden, ist relativ einfach: "Wir wohnen im ersten Haus hinter dem Ortsschild", sagt er am Telefon. Und der Straßenname "Im Gemeindekern" macht klar, dass die Ortsmitte direkt hinter dem Schild beginnt.

Fast aus jeder Familie sitzt ein Mitglied im Gemeinderat. Mit dem Bürgermeister sind es sieben. Albert Zimmermann gehört seit 30 Jahren dem Rat an. Nach dem plötzlichen Tod seines Vorgängers Theo Meyer hat sich der 57-jährige Frühpensionär bereiterklärt, den Posten zu übernehmen. Beschlüsse werden fortan bei ihm im Wohnzimmer getroffen. Keine Seltenheit in der Eifel. Allein in der VG Arzfeld gibt es noch zehn Gemeinden, wo der Rat in der guten Stube des Dorfoberhaupts tagt. In Kickeshausen begrüßt Anka, die kleine Bologna-Zwetna-Hündin mit dem verbrieften Namen Isabel vom Dreikaiserhof wild kläffend die Ratsmitglieder. Der große Holztisch im Wohn-Esszimmer ist ausgezogen, Getränke stehen bereit. Statt nüchterner Sitzungsatmosphäre wirkt es eher heimelig. Würden die Männer und die eine Frau jetzt die Spielkarten aus der Hosentasche ziehen, würde das auch nicht verwundern.

Doch die Anwesenheit von VG-Bürgermeister Andreas Kruppert und VG-Mitarbeiter Klaus Theis macht klar: Heute wird es amtlich und anfangs schon fast ein wenig feierlich, gilt es doch, den neuen Bürgermeister zu vereidigen.

Danach geht es ans Eingemachte. Drehen sich sonst die Gespräche eher um Instandhaltung von Gemeindewegen, Heckenschnitt oder Winterdienst, gilt es heute eine dicke Kröte zu schlucken: Das Dorfgemeinschaftshaus (DGH) in Olmscheid muss dringend renoviert werden. Kickeshausen soll sich an den Kosten, rund 60 000 Euro, beteiligen. Das sorgt für Stirnrunzeln bei den Ratsmitgliedern.

Die 8000 Euro kann die kleine Gemeinde nicht ohne Anstrengung aufbringen. Auf der hohen Kante liegt nichts, im Gegenteil: Kickeshausen steht mit 46 000 Euro in den Miesen. Einzige Einnahmequellen sind Grundsteuern, Gewerbesteuer (im Ort gibt es drei Landwirte) und Fischerei- und Jagdpacht. Da man aber das Olmscheider DGH mitnutzt, einigen sich die Kickeshausener mit Bauchgrimmen darauf, ihren "Bösch", den Wald also, zu verkaufen.

Da der aber nicht die erhofften 8000 Euro bringen wird, muss noch die Fischereikasse herhalten. "Harte Zeiten überall", sagt Kruppert. Dass die Kickeshausener ihren Anteil an der Sanierung leisten wollen, sei jedoch ein "tolles Zeichen" und unterstreiche dabei den guten Zusammenhalt der beiden Gemeinden.

"Und was machen wir, wenn im nächsten Jahr im DGH die Heizung kaputtgeht?", fragt der erste Beigeordnete Richard Paas. Auf jeden Fall sich treffen, im Wohnzimmer von Alfred Zimmermann.