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Handwerkern in der Region fehlen 250 Auszubildende

Handwerkern in der Region fehlen 250 Auszubildende

Das Handwerk ist nach eigenen Angaben Ausbilder Nummer 1 in Deutschland. Dennoch sind 250 Lehrstellen in der Region unbesetzt. Die Kreishandwerkerschaft Mosel-Eifel-Hunsrück-Region (MEHR) hat sich am Samstag zu einer Versammlung in Biersdorf getroffen. Auf der Tagung ging es um fehlende Lehrlinge, das Image des Handwerks in der Gesellschaft und Lösungsansätze.

Eifel/Mosel/Hunsrück. Immer mehr Jugendliche fehlen im Handwerk. Im Jahr 2011 verzeichnete die Kreishandwerkerschaft MEHR einen Lehrlingsrückgang von 6,8 Prozent. Im Moment sind 250 Lehrstellen in der Region unbesetzt. Die Abbrecherquote ist mit 10 Prozent sehr hoch. Gleichzeitig gibt es einen steigenden Fachkräftemangel mit 1700 freien Stellen in der Region. Diese Zahlen präsentierte der MEHR-Vorstand am Samstag in Biersdorf (Verbandsgemeinde Bitburg-Land).
Dennoch sehen laut Geschäftsklimaindex über 90 Prozent der Handwerker positiv in die Zukunft. Die Handwerkerkonjunktur gibt ihnen recht. "Die Privathaushalte bauen immer noch genug. Bevor das Ersparte kaputt geht, machen die Leute sich heute eher ein neues Dach", sagt Dachdeckermeister Norbert Kiesgen aus Wittlich in Hinblick auf die Wirtschaftskrise. Allein 21 Prozent der Betriebe im Handwerk beschäftigten außerdem mehr Personal als im Vorjahr. Doch der demografische Wandel geht am Handwerk nicht vorbei. Nach Kiesgens Angaben wird in Deutschland die Zahl der Erwerbsfähigen bis 2025 um 6,5 Millionen Menschen sinken. Darüber hinaus wird es immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu gewinnen. Der Trend unter Jugendlichen gehe hin zum Besuch einer weiterführenden Schule und anschließendem Studium. Dabei betont der Geschäftsführer der MEHR, Dirk Kleis, dass eine handwerkliche Ausbildung keine Zukunftschancen verbaue: "Unser Bildungssystem lässt mir immer noch andere Möglichkeiten offen."
Das Problem liegt - das wurde auf der Tagung deutlich - nicht nur bei den Jugendlichen. Das Handwerk hat zum Teil auch ein Imageproblem. Denn viele Eltern raten ihren Kindern eher zu einem Hochschulstudium. Oftmals wissen nur wenige, welche Chancen eine handwerkliche Ausbildung bietet. Die Organisation arbeitet darum in der Region bereits mit 17 Schulen zusammen. Mit dem Projekt "MEHR Ausbildung im Handwerk" werden Jugendlichen ab der achten Klasse die Perspektiven einer Ausbildung nähergebracht. Bei Elternabenden werden auch die Eltern für das Thema sensibilisiert.
Eine Homepage bietet zusätzliche Informationen rund um Ausbildung, Verdienst und Karrieremöglichkeiten ( www.das-handwerk.de).Extra

...Dirk Kleis, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft MEHR. Würden Sie Jugendlichen raten, Handwerker zu werden? Dirk Kleis: Absolut! Sowohl die wirtschaftliche Seite als auch die Arbeitsplatzsicherheit sind Aspekte, die für eine handwerkliche Ausbildung sprechen. Wie erklären Sie sich Facharbeitermangel und 250 unbesetzte Lehrstellen in der Region? Kleis: Der demografische Faktor ist das eine. Das andere ist, dass viele Leute nach Luxemburg abwandern. Und dann sind wir noch in Konkurrenz zu allen anderen Wirtschaftsbranchen. Was kann man dagegen tun? Kleis: Es gibt drei Bausteine. Erstens: über eine starke Ausbildung die Fachkräfte selbst heranzuziehen. Zweitens: Wir müssen Wege finden, mehr Frauen ins Handwerk zu bekommen. Und dann haben wir drittens eine hohe Abbrecherquote. Da arbeiten wir aktiv dagegen, um die jungen Leute für das Handwerk nicht zu verlieren. isaExtra

Die Kreishandwerkerschaft Mosel-Eifel-Hunsrück-Region (MEHR) setzt sich aus 27 Innungen mit 1100 Betrieben, 11 500 Mitarbeitern und 1 500 Auszubildenden zusammen. MEHR ist eine Fusion aus den ehemaligen Kreishandwerkerschaften Bernkastel-Wittlich und Westeifel. Die Geschäftsstellen in Wittlich und Prüm kümmern sich um die Innungsorganisation und die Beratung der Mitglieder. Außerdem organisieren und führen sie Prüfungen im Handwerk durch. MEHR ist die zentrale Anlaufstelle rund um das Handwerk. Die Innungen profitieren von der Vernetzung durch übergreifende Aktionen und Veranstaltungen. Diese wären ohne die zentrale Organisation der MEHR nicht möglich. isa