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Kein schnelles Internet: Unternehmen schlagen Alarm

Kein schnelles Internet: Unternehmen schlagen Alarm

Die Firmen im Gewerbegebiet Weinsheim beklagen die schlechte Versorgung mit schnellem Internet. Obwohl dort Millionen Euro an Steuereinnahmen erwirtschaftet werden, fehlt es an 170 000 Euro für die Verlegung eines Glasfaserkabels - von der 90 Prozent vom Land gefördert werden kann.

Etwa 1500 Menschen arbeiten im Gewerbegebiet Weinsheim, damit gehört es zu den wirtschaftlichen Schwerpunkten im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Etwa 25 Betriebe aus verschiedenen Branchen haben sich hier angesiedelt. Zu den prominentesten Firmen gehören Stihl, Streif Fertighaus oder das Prüm Türenwerk. Von der Wirtschaftskraft des Gewerbegebiets profitiert auch der Eifelkreis: Etwa 1,7 Millionen Euro fließen an Gewerbesteuern. Doch obwohl sich die wirtschaftliche Lage wieder erholt, ist lange nicht alles gut in Weinsheim.

Der Grund: Die Versorgung des Gebiets mit schnellem Internet ist äußert schlecht. "Vielerorts ist DSL nur in abgespeckter Form verfügbar", sagt Ortsbürgermeister Peter Meyer. "Das ist für die vielen Betriebe nicht ausreichend." Die größeren von ihnen von Stihl bis zum Türenwerk haben sich bereits eigene Standleitungen oder Glasfaserkabel legen lassen. Wer sich das nicht leisten kann, muss mit dem leben, was da ist - und das ist nicht viel. "Wir haben uns eine Satelliten-Lösung einrichten lassen", sagt Stefan Lichter, Geschäftsführer der Spezial-Technik Lichter GmbH. Nominell biete diese eine Geschwindigkeit von 1000 Kilobyte pro Sekunde, doch das Herunterladen aus dem Internet gehe oft nur mit 200 Kilobyte. "Und wir bekommen im Maschinenbau oft Dateien von 20 Megabyte und mehr geschickt, da kann man sich ausrechnen, wie lange das dauert", sagt Lichter - fast zwei Minuten.

DSL-Leitung mit hoher Kapazität gefordert



Hoffnung setzen die Betriebe auf die neue Initiative im Eifelkreis, die die flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet voranbringen soll (der TV berichtete) - allerdings dauert es ihnen zu lange. Bei einem Besuch des Landrats Joachim Streit in Weinsheim haben sie auf ihre Bedürfnisse hingewiesen. "Es wäre gut, wenn wir schnellstmöglich mit 16 000er DSL versorgt werden würden", sagt Meyer. Alles darunter sei für die Betriebe nicht ausreichend. Aloysius Söhngen, Bürgermeister der VG Prüm, betonte, man solle mit Blick auf die Zukunft so ausbauen, dass ein 50 000er DSL möglich ist.

Faktisch bedeutet das, dass ein Glasfaserkabel bis ins Gewerbegebiet verlegt werden muss. Die Kosten hierfür werden bei der Kreisverwaltung auf etwa 170 000 Euro geschätzt, wobei es die Möglichkeit einer 90-prozentigen Förderung vom Land gibt. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Bedarf bei Firmen und Privathaushalten umfassend ermittelt wird. "Das ist unsere Hausaufgabe, das gehen wir jetzt sofort an", sagt Meyer. Mit dem Gemeinderat will er persönlich von Tür zu Tür gehen und die Leute direkt ansprechen. Je größer der Bedarf, desto besser sind die Argumente für den Zuschuss.

Parallel will der Kreis die entsprechenden Förderanträge vorbereiten. "Wenn dann nur noch 17 000 Euro für uns aufzubringen sind, dann bekommen wir das schon geschultert", sagt Meyer. Wichtig ist ihm, dass es dann keine Insellösung nur für Weinsheim gibt, sondern auch die anderen Ortsteile wie Schwirzheim und Gondelsheim angeschlossen werden. Etwa über eine Modullösung, von der später auch andere Gemeinden profitieren können. Landrat Streit ruft die Firmen dazu auf, so schnell wie möglich ihren Bedarf auf der Internet-Seite www.jetztansnetz.de anzumelden - das gelte für alle Bürger im Eifelkreis. Auf dieser Grundlage will der Kreis Lösungen für jeden Ort finden.

Dass in Weinsheim ein besonders dringender Bedarf besteht, sieht auch Streit. Er versprach, sich dafür einzusetzen, dass Weinsheim so schnell wie möglich versorgt wird. Wann das aber genau sein wird, lasse sich derzeit nicht sagen. Aber er hoffe, dass es im kommenden Jahr geschehen könne.

Meinung

Unhaltbarer Zustand

Es ist eigentlich unglaublich: Das größte Gewerbegebiet im Nordkreis, wo mehr als 1500 Menschen täglich arbeiten, ist immer noch nicht mit zeitgemäßem DSL versorgt. Die Firmen dort erwirtschaften jedes Jahr Millionen Euro an Steuereinnahmen, und doch fehlen 170 000 Euro, um ein Glasfaserkabel in die Erde zu legen. Das ist schlicht und einfach absurd. Der Kreis muss sich schnellstmöglich dafür einsetzen, dass dort Abhilfe geschaffen wird - und das umgehend. Denn die weltweite Entwicklung wartet nicht. Für viele Firmen ist der schnelle Zugang zum Internet mittlerweile wichtiger als die Bundesstraße vor der Haustür. c.brunker@volksfreund.deEXTRA

Die Schnelligkeit eines Internetzugangs wird mit der Menge der Daten gemessen, die pro Sekunde aus dem Internet heruntergeladen werden können. Bei einer Geschwindigkeit von 1000 Kilobyte pro Sekunde (DSL 1000) braucht man beispielsweise 20 Sekunden, um eine 20 Megabyte große Datei zu speichern. Bei einem DSL 3000 sind es nur noch sechseinhalb Sekunden und bei einem 16 000er DSL 1,25 Sekunden. (ch)