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Kurze Beine und lange Gesichter - Bau einer eigenen Kita findet bei den Preistern wenig Zustimmung

Kurze Beine und lange Gesichter - Bau einer eigenen Kita findet bei den Preistern wenig Zustimmung

Seit Jahren plant Speicher den Bau einer neuen Kita. Um das Projekt zu finanzieren, ist die Stadt auf die Unterstützung der Einzugsgemeinden angewiesen. Zu diesen Gemeinden gehört auch Preist, das rund 600.000 Euro beisteuern soll. Viel Geld, findet die Gemeinde, die daher überlegt, eine eigene Kita zu errichten. Bei einer Bürgerversammlung wurden erste Überlegungen vorgestellt. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen.

Preist. Mehr als 30 Menschen sind der Einladung in die Preister Keltenhalle gefolgt. Unter ihnen ist auch Erhard Hirschberg, Stadtbürgermeister von Speicher. Er hat in der hintersten Reihe Platz genommen und ist am Ende der Veranstaltung möglicherweise ähnlich überrascht über den Verlauf des Abends wie diejenigen auf der anderen Seite des Raums. Dort nämlich sitzt der Gemeinderat, der sich in den vergangenen Wochen und Monaten viele Gedanken gemacht hat. Und der nun feststellen muss, dass die Preister, die zur Bürgerversammlung erschienen sind, diese Gedanken zwar begrüßen, aber nicht teilen.

Es geht um das Thema Kindergarten. Bereits seit fünf Jahren laufen in Speicher die Planungen zum Bau einer neuen Kindertagesstätte. Knapp fünf Millionen Euro soll der Neubau, der auf dem Gelände der ehemaligen Hauptschule geplant ist, kosten. Und daran beteiligen sollen sich neben dem Land und der Stadt Speicher auch die Einzugsgemeinden Philippsheim, Beilingen und Preist. Das zumindest war der Plan.

Doch ob dieser Plan auch so umgesetzt wird, ist fraglich. Denn angesichts der rund 600 000 Euro, die Preist beisteuern soll, sucht die Einzugsgemeinde nach einer anderen Lösung, mit der sie unter Umständen besser wegkommt.Grüne Wiese als Option


Wie Ortsbürgermeister Edgar Haubrich erklärt, gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine wäre, die Kinder zukünftig nicht mehr in Speicher, sondern in der Kita der Nachbargemeinde Orenhofen unterzubringen. Laut Haubrich wäre Orenhofen auch grundsätzlich bereit, die Kinder aufzunehmen. Ob das aber tatsächlich machbar wäre, müsse zunächst vom Kreis geprüft werden, fügt der Ortsbürgermeister hinzu.

Eine andere Möglichkeit wäre, in Preist eine eigene Kita zu errichten. Entweder auf der grünen Wiese oder aber in der alten Schule. Letzteres hätte den Nachteil, dass die alte Schule dafür erweitert werden müsste und im Gegensatz zu der geplanten Einrichtung in Speicher mehrgeschossig wäre.

Es hätte aber für die Gemeinde auch den Vorteil, dass dadurch die sanierungsbedürftigten Lehrerwohnungen der alten Schule mit renoviert und umgenutzt würden. Architekt Franz Heinz hat dazu bereits ein paar Planskizzen gemacht, die er nun vorstellt.

Der Architekt, der auch für die Planung der Kita in Speicher zuständig ist, verzichtet bewusst auf Wertungen. Die anwesenden Eltern jedoch nicht. Einige stören sich an der Mehrgeschössigkeit des Gebäudes, da das für Kleinkinder ungeeignet sei.

Eine andere Mutter äußert die Sorge, dass die Kinder, wenn sie vom Krippenalter bis zum Ende der (angrenzenden) Grundschule in Preist blieben, von den Kindern der Umgebung isoliert würden. Dadurch hätten sie gar nicht die Möglichkeit, andere Kinder kennenzulernen, so die Mutter.

Was aber am meisten für Unbehagen sorgt, sind die Kosten. So würde der Umbau der alten Schule zur Kita nach einer ersten groben Schätzung rund 1,1 Millionen Euro kosten, also eine halbe Million mehr als die Speicherer Lösung. Hinzu kämen Folgekosten, die für die Preister zwar in Speicher auch anfallen würden, möglicherweise aber bei einer eigenen Kita deutlich höher wären.

Dass zwischen beiden Summen eine große Lücke klafft, räumt auch Haubrich ein. Jedoch weist der Ortsbürgermeister darauf hin, dass die Sanierung der alten Schule ohnehin fällig wäre, was wiederum einen großen Teil der Mehrkosten relativiere. Wie der Gemeinderat mit den Einwänden und Anregungen des Abends umgeht, wird sich zeigen.
Laut Haubrich ist geplant, darüber zeitnah zu beraten und abzustimmen. Das ist auch im Sinne von VG-Bürgermeister Manfred Rodens, der ebenfalls anwesend ist und auf die 60 Kinder verweist, die auf den Wartelisten für einen Kitaplatz stünden.

"Wenn Preist eine eigene Lösung findet und die Verantwortlichen zustimmen, dann werden wir das akzeptieren", sagt Rodens. Wichtig sei aber vor allem, dass man jetzt schnell zu einem Ergebnis komme: "Wir können mit dem Bau der Kita in Speicher nicht noch ein Jahr warten."Extra

Mit der geplanten Kita und den Überlegungen in Preist beschäftigt sich am kommenden Montag, 27. Juli, auch der Stadtrat Speicher. Anwesend sind dabei laut Verwaltung auch der Vorsitzende des Kreisjugendhilfeausschusses, Michael Billen, sowie von der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm Gisela Mayer-Schlöder, Geschäftsbereichsleiterin für Kommunal- und Rechtsangelegenheiten. Gemeinsam sollen die rechtlichen Fragen und Möglichkeiten erörtert werden, die sich aus dieser unklaren Situation ergeben. Beginn der öffentlichen Sitzung im Rathaus Speicher ist um 20 Uhr. uhe