Menschen jeden Alters unter einem Dach

Menschen jeden Alters unter einem Dach

In ländlicher Idylle selbstbestimmt den Lebensabend in einer Wohngemeinschaft mit jungen Menschen verbringen. So stellt sich Günther Schotten sein Leben im Alter vor. Um das auch anderen anzubieten, möchte der Ruheständler die Pension Hof Eulendorf kaufen und für einen sechsstelligen Betrag in ein Mehrgenerationenhaus umwandeln.

Gransdorf. Vor Hof Eulendorf grasen die Schafe, nur ihr Blöken unterbricht die Stille, die das idyllisch gelegene Eifeler Anwesen kurz hinter Gransdorf umgibt. Hier lebt Günther Schotten, der 1984 den südlichen Teil des zweigeteilten Hofes gekauft hat. Im Nordtrakt führen Roswitha und Manfred Herres-Morsbach einen Pensionsbetrieb. Das soll sich ändern. Das Ehepaar möchte in Ruhestand gehen und an Schotten verkaufen. Der ehemalige Mathelehrer hat nämlich einen Plan: die Pension in ein Mehrgenerationenhaus umwandeln, in dem die Generationen sich nicht nur begegnen, sondern auch dort wohnen. Dafür rechnet der Ruheständler mit Gesamtinvestitionskosten, die sich knapp unter einer Million Euro bewegen.
Ein Hindernis steht der Realisierung der vorliegenden Pläne im Weg: Für den Bankkredit muss Schotten 15 Vorverträge mit künftigen Bewohnern vorlegen können. Bislang gibt es aber nur zwei Interessenten. Nun geht Schotten an die Öffentlichkeit, um sein Vorhaben bekanntzumachen. Er hat nicht die geringsten Zweifel daran, dass der Bedarf für Mehrgenerationenwohnen vorhanden ist. Und Hof Eulendorf sieht er als idealen Ort dafür an. Denn je nach Lust und Laune können hier alte Menschen noch aktiv sein, meint Schotten. Es gibt Werkstätten für Schreiner- und Schlosserarbeiten, für Tierliebhaber Schafe, Hühner, Enten, Gänse und schottische Hochlandrinder und für Hobbyimker Bienenvölker. Das sei etwas anderes als ein Leben im Altenheim mit den Höhepunkten Mittagessen und Bingo spielen, sagt Schotten.
Auf 1300 Quadratmetern will er Wohnen für Menschen vom Säugling bis zum Hochbetagten unter einem Dach ermöglichen. Acht Wohnungen zwischen 90 und 240 Quadratmetern sowie vier 30 Quadratmeter große barrierefreie Zimmer für betreutes Wohnen und vier 65 Quadratmeter große barrierefreie Appartements sehen die Pläne vor, dazu Aufzüge und Treppenlifte. Alle Wohnungen können für einen Mietpreis - je nach Größe -von 300 bis 750 Euro gemietet, gepachtet oder gar für einen Preis zwischen 50 000 und 120 000 Euro gekauft werden. Gemeinschaftsräume wie Kaminzimmer und Speiseraum sowie eine Großküche sind dank des Pensionsbetriebs bereits vorhanden. Ein Behandlungszimmer für Arztbesuche soll eingerichtet werden, und nach Bedarf will Schotten Pflege-, Küchen und Reinigungspersonal sowie einen Haustechniker einstellen.
Was Günther Schotten auf die Idee des Mehrgenerationenhauses brachte, war die Erfahrung, die er mit einem Pflegefall in der eigenen Familie gemacht hat. "Ich habe meinen Vater nach kurzem, aber furchtbaren Aufenthalt im Altenheim auf den Hof geholt und hier sechs Jahre lang gepflegt. In einer Gemeinschaft wäre es einfacher gewesen", ist er sicher, weil es gegenseitige Hilfe gegeben hätte. Wenn er den Kredit für Kauf und Umbau bekommt, würde er am liebsten noch in diesem Jahr beginnen. "Ich bin überzeugt, dass es funktioniert"; so Schotten.
Interessenten können sich unter der Telefonnummer 06567/1233 melden oder die Website www.mehrgenerationenhaus-
suedeifel.de besuchen.
Extra

Hofgut mit langer Geschichte: Urkundlich erwähnt wurde Hof Eulendorf, der heute zur Verbandsgemeinde Kyllburg gehört, erstmals im 15. Jahrhundert. Damals war er im Besitz der Grafen von Manderscheid-Kail. 1552 wurde Hof Eulendorf luxemburgisches Lehen. 1836 kaufte das Trierer Priesterseminar das Hofgut mit 100 Hektar Land und verpachtete es. 1854 kam das Gut in Privatbesitz. Seit den 70iger Jahren ist im Nordflügel des um einen Innenhof errichteten Vierseitenhofs eine Ferienpension untergebracht. Den südlichen Teil bewohnt Familie Schotten, die unter ihrem Dach auch Ferienwohnungen vermietet. Der Südtrakt steht seit 1985 unter Denkmalschutz. sysExtra

2006 hat der Bund ein Aktionsprogramm aufgelegt, um Mehrgenerationenhäuser zu fördern. Mittlerweile arbeiten in dem Aktionsprogramm deutschlandweit 500 Einrichtungen. Nach dem Konzept des Bundes sind diese Mehrgenerationenhäuser eine lokale Anlaufstelle für Alt und Jung, um sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Gemeinsames Wohnen ist nicht vorgesehen. Dazu gehören in der Region die Mehrgenerationenhäuser in Trier (Nestwärme e.V.), Bitburg (DRK), Wittlich (Kinderschutzbund), Gerolstein (Caritas), Saarburg (Lokales Bündnis für Familien) und Hermeskeil (Katholische Kirchengemeinde). In Wittlich soll auf dem Gelände von St. Paul ein Mehrgenerationendorf entstehen. sys