| 20:43 Uhr

Öffentlicher Schrank gegen Verschwendung

 Tee, Apfel, Zitrone und Salat einfach so zum Mitnehmen: Karolin Mildenberger schaut häufig beim Fair-Teiler-Schrank am Viehmarkt vorbei. TV-Fotos (5): Senta Zickwolff
Tee, Apfel, Zitrone und Salat einfach so zum Mitnehmen: Karolin Mildenberger schaut häufig beim Fair-Teiler-Schrank am Viehmarkt vorbei. TV-Fotos (5): Senta Zickwolff FOTO: (h_st )
Trier. Im "Fair-Teiler" auf dem Viehmarktplatz finden zu viel gekaufte Lebensmittel Abnehmer. Senta Zickwolff

Trier Der Urlaub steht bevor, und das Gemüsefach ist voll: Für solche Fälle steht am Viehmarktplatz ein "Fair-Teiler", ein Schrank, in den nicht mehr benötigte Lebensmittel gelegt werden können. Statt auf dem Müll zu landen, finden sie so Verwendung. Wer ihn nicht sucht, dem fällt der graue Metallschrank bei der Kneipe Simplicissimus am Viehmarkt wohl kaum auf. In großen bunten Papierlettern steht darauf: Fair-Teiler. Im Schrank wartet jedes Mal eine kleine Überraschung: Rosenkohl aus dem Garten, Brötchen, Muffins, Salat oder Instantkaffee - alles Mögliche lässt sich dort finden. Die Lebensmittel haben alle gemein, dass sie ungekühlt aufbewahrt werden können. Montags bis freitags ab 9 Uhr, samstags ab 10 Uhr und sonntags ab 13 Uhr ist der Schrank jedem, der dort etwas ablegen oder herausnehmen möchte, zugänglich.
Karolin Mildenberger schaut häufig beim Fair-Teiler vorbei, wenn sie in der Gegend ist. Manchmal bringt sie ein Glas selbstgemachte Marmelade mit oder was ihre WG sonst so übrig hat. An diesem Tag hat sie auf dem Wochenmarkt eingekauft und ist spontan vorbeigekommen, um zu schauen, ob sie etwas aus dem Schrank brauchen kann. Neben einem Päckchen Wintertee liegen dort Obst und Gemüse. Die 33- jährige Ökologin begutachtet zwei Äpfel. "Die sind schon ganz schön weich - wenn man sie so essen würde, bestimmt nicht mehr die Leckersten. Aber wir haben seit neustem in der WG eine Saftmaschine. Die liebt Obst und Gemü se in jedem Reifezustand!" Auch den Spinat im obersten Fach des Schranks packt sie in den Fahrradkorb. Häufig finde sie auch Brot und Brötchen, erzählt sie, ideal, um Semmelknödel zu machen. Auch bevor der Fair-Teiler im Herbst 2014 aufgestellt wurde, achtete Karolin Mildenberger darauf, so wenig Lebensmittel wie möglich wegzuwerfen. Der Schrank sei eine Bereicherung für die Stadt: "Einerseits ist der Fair- Teiler simpel und effektiv, er macht das Teilen und Verwerten überschüssiger Lebensmittel wirklich leicht. Andererseits dient der Schrank auch als Zeichen gegen die Verschwendung von Lebensmitteln, die in Deutschland leider ein erschreckendes Ausmaß hat."
Dagegen will die Initiative Foodsharing (siehe Infokasten im Artikel oben), die den Fair-Teiler-Schrank aufgestellt hat, angehen. Sie setzt sich dafür ein, dass weniger genießbare Lebensmittel im Müll landen. Neben Supermärkten werfen in Deutschland auch Haushalte häufig noch verzehrbares Essen weg - oft aus einem falschen Verständnis des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD; siehe Infokasten) heraus, das nicht besagt, wann ein Lebensmittel entsorgt werden sollte, sondern lediglich eine Qualitäts-Garantie des Herstellers bedeutet . Deshalb dürfen in den Fair-Teiler auch Lebensmittel, die schon abgelaufen sind. Es gilt die Regel: "Lege nur Essen hinein, das du selber noch verzehren würdest." Auch an der Universität gibt es seit vergangenem Sommer einen Fair-Teiler, in den man montags bis donnerstags von 12 bis 16 Uhr Lebensmittel legen kann. Neben dem Metallschrank im Studihaus steht sogar noch ein Kühlschrank für Milch und Co.HALTBARKEITSDATUM AUF VERPACKUNGEN


Extra

Nach EU-Recht muss das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) auf allen Fertigpackungen von Lebensmitteln vermerkt sein. Es garantiert, dass das Lebensmittel bei sachgerechter Lagerung bis zum angegebenen Datum ohne Qualitätseinbußen gegessen werden kann. Die meisten Lebensmittel können auch nach Ablauf des MHD ruhigen Gewissens verbraucht werden. Fast immer kann durch einen Geruchs- beziehungsweise Geschmackstest oder durch Beurteilung des Aussehens festgestellt werden, ob das Lebensmittel noch verzehrbar ist. Anders verhält es sich mit dem Verbrauchsdatum: Lebensmittel mit der Aufschrift: "Verbrauchen bis..." bergen nach Ablauf des Datums ein zu hohes gesundheitliches Risiko und sollten nicht mehr verzehrt werden.