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"Powermädchen" mit Talent zum Querdenken

"Powermädchen" mit Talent zum Querdenken

ORMONT/PRÜM. Wäre der Begriff "Superweib" nicht durch Romanautorin Hera Lind abgegriffen, könnte man Mirjam Kasel als ein solches bezeichnen. Die 18-jährige Schülerin des Regino-Gymnasiums Prüm ist die zweite Preisträgerin des Jugendpreises der evangelischen Akademie der Pfalz.

Eine engagierte Querdenkerin - so darf sich Mirjam Kasel aus Ormont nennen. Die evangelische Akademie der Pfalz sprach ihr den zweiten Platz hinter Lucas Guttenberg aus Heidelberg zu. Die Jury war so beeindruckt von Mirjam Kasels Leistung, dass sie die Regularien änderte, um ihr einen Preis verleihen zu können, den es normalerweise nicht gibt. Schulsprecherin und Nachhilfe-Talent

Das freute nicht nur Mirjam Kasel, sondern auch Schulleiter Peter Pelz, der die engagierte Schülerin lobt: "Sie überzeugt durch Leistung, geht voran und reißt andere mit, ist aber keine, die sich in den Vordergrund drängt." So sah das auch der Landauer Politikwissenschaftler Ulrich Sarcinelli, Vorsitzender der Jury, nach dessen Auffassung die Prümer Gymnasiastin eine "Powerfrau" sei, ein Multitalent, das Spitzenleistung und Engagement zusammenbringt. Sie gehöre zur Spitze naturwissenschaftlich interessierter rheinland-pfälzischer Schülerinnen, sei aber zudem eine Multifunktionärin in Sachen schulischen und außerschulischem Engagements. Viel Lob - doch wofür? Der Preis wurde zum einen für besonderes Fachwissen im naturwissenschaftlichen Bereich, zum anderen für gesellschaftliches Engagement verliehen. Mirjam Kasel reichte ein Essay ein über nachhaltige Energie, mit dem sie schon an einem Chemiewettbewerb des Landes Rheinland-Pfalz erfolgreich teilgenommen hatte. Außerdem schilderte sie ihr Engagement als Schülersprecherin. Obwohl sie erst in der elften Klasse zum Regino-Gymnasium wechselte, integrierte sie sich schnell in den Schulalltag und engagierte sich in der Schülervertretung. So organisierte sie mit einem fünfköpfigen Team Festivitäten wie Karnevalssitzung, Nikolaus-, Valentins-Aktionen und ein Benefiz-Openair-Konzert. Nachhaltig in Erinnerung blieb vor allem der Schulball im Mai 2004. Da sorgte Mirjam Kasel nicht nur für den reibungslosen Ablauf und Einsatz von etwa 100 Helfern, sondern organisierte zuvor Tanzkurse, um den Schülern zum richtigen Dreh zu verhelfen. Ein bisschen stolz, auch wenn sie es nicht sagt, ist sie auf ihr Nachhilfeprojekt am Regino-Gymnasium. Trotz anfänglicher Skepsis des Schulleiters entwickelte sie ein Konzept und setzte es auch um. "Ich hatte da erst große Zweifel, weil ein ähnliches Projekt vor Jahren mal gescheitert ist. Doch dann legte mir Mirjam ihren Organisationsplan vor und formulierte ein Elternschreiben, ich brauchte keinen Finger mehr krumm zu machen", sagt Pelz. Es sind aber auch die kleinen, weniger spektakulären Dinge, die ihren Geschichtslehrer Hanno Ensch freuen. So ist die Oberstufenschülerin Patin seiner sechsten Klasse. "Heute morgen kam sie mit ihrer Freundin und hat der Klasse einen geschmückten Weihnachtsbaum geschenkt", erzählt er. Berufswunsch: Molekular-Biologin

Fragt man Mirjam Kasel nach ihren Stärken, zuckt sie bescheiden mit den Schultern. Auf ihre Schulleistungen angesprochen antwortet sie, "nicht schlecht, aber ich bin kein Überflieger." Chemie und Biologie sind ihre Lieblingsfächer. Zu ihrem Preis erhält Mirjam Kasel für ein Jahr die fachliche Unterstützung von Professor Frank Rösl vom Deutschen Krebsforschungsinstitut in Heidelberg. Eine wertvolle Hilfe für die Chemie-begeisterte Schülerin, deren Berufswunsch schon klar vor Augen steht: "Ich möchte molekulare Biomedizin in Bonn studieren und später in der pharmazeutischen Forschung arbeiten." Wen dieser Berufswunsch stutzig macht, der sollte wissen, dass Vater und Bruder schon mit Chemie zu tun haben. Und in der Freizeit? Da kümmert sich Mirjam um ihre Haustiere (Katzen und Mäuse) und geht schwimmen. Doch natürlich nicht völlig eigennützig. Ehrensache, dass sie bei der DLRG eine Jugendgruppe betreut.