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Prümer Babys kommen in Belgien zur Welt

Prümer Babys kommen in Belgien zur Welt

Noch ist es ein Geheimtipp: Auch deutsche Frauen können im St. Vither Krankenhaus ihre Babys zur Welt bringen. Eine junge Mutter erzählt, warum es ihr dort besonders gut gefallen hat.

Von der Geburt ihres Babys haben Frauen ihre ganz eigene Vorstellung. Viele haben auch ein bisschen Angst davor. Wird alles gut gehen? Wird mein Baby gesund sein? Erreiche ich rechtzeitig das Krankenhaus?

Seit die gynäkologischen Abteilungen in den Krankenhäusern in Gerolstein und Prüm geschlossen wurden, müssen die Frauen zur Entbindung bis nach Daun oder Bitburg fahren. Doch es gibt noch eine Möglichkeit - die Klinik St. Josef im belgischen St. Vith (der TV berichtete). Was viele nicht wissen: Auch dort können deutsche Mütter ihre Babys zur Welt bringen. Und immer mehr nutzen diese Möglichkeit.

So wie Kati Esch aus Prüm. Die hat vor fünf Wochen in St. Vith ihren Sohn Dario zur Welt gebracht. Und war begeistert von dem Ablauf und der Betreuung durch die Hebammen und Ärzte. "Wir sind häufiger in Belgien. Es gefällt mir dort. Die Menschen sind so nett und fröhlich", sagt sie. Schon vor zehn Jahren wollte sie ihr erstes Kind dort zur Welt bringen, doch damals hatte die Krankenkasse ihren Wunsch abgewiegelt mit dem Hinweis, dass sie die Kosten bei einer geplanten Auslands-Geburt nicht übernehmen werde. Das ist heute anders. Zwar gibt es noch kein offizielles Abkommen zwischen den Ländern und Abrechnungsstellen (siehe Info), doch mittlerweile scheinen es viele Krankenkassen zu akzeptieren, dass die Frauen in Grenzgebieten auch im Ausland entbinden.

Kati Esch hat das vorher mit ihrer Krankenkasse geklärt. "Ich wollte nicht im Nachhinein von einer dicken Rechnung überrascht werden." Mit ihrem Mann Benedikt zusammen hat sie sich den Kreißsaal in St. Vith angesehen. "Wir kamen unangemeldet, und trotzdem waren alle so nett zu uns und haben uns alles gezeigt", sagt sie. Sympathie und Vertrauen seien ihr wichtig - "die Chemie muss stimmen". Ein weiterer Vorteil für die Prümerin war die schnelle Erreichbarkeit des Krankenhauses. Zwar sei die Strecke nach St. Vith nahezu gleich weit wie nach Bitburg, aber in der Kreisstadt gebe es Ampeln und Kreisverkehre, und dann müsse man erst einen Parkplatz suchen. In St. Vith fahre man von der A 60 ab und sei sofort da. Parkplätze gebe es ausreichend. Auch in Bitburg, wo ihr Sohn Tiago zur Welt gekommen ist, seien alle sehr freundlich gewesen - aber sie habe gemerkt, dass Personalmangel herrsche. "In St. Vith bin ich rund um die Uhr betreut worden. Die Hebamme war immer für mich da, ich war keine Minute lang alleine."

Nicht nur Kati Esch hat in St. Vith gute Erfahrungen gemacht. Petra Hoffmann-Thielen, Hebamme aus Arzfeld, hat schon mehrere Mütter betreut, die dort sehr zufrieden waren. "In St. Vith gibt es eine gute Geburtshilfe", bestätigt sie. Was ihr besonders gut gefalle, sei, dass die Kaiserschnittrate dort sehr niedrig ist. Es gebe eine gute Kooperation mit den belgischen Kollegen, die übrigens alle Deutsch sprechen, bestätigt sie. "Letztendlich entscheiden die Frauen, wo sie hingehen", sagt Petra Hoffmann-Thielen. St. Vith sollte man nicht als Konkurrenz zu den deutschen Kliniken sehen - es sei einfach eine gute Alternative. Kurze Wege seien bei Gebärenden auch ein wichtiges Thema.

Das freut Ingrid Mertes, die geschäftsführende Direktorin in St. Vith. Sie ist stolz auf ihre gynäkologische Abteilung, die mit fünf Frauenärzten und zwei Kreißsälen gut ausgestattet sei. "Wir haben 20 angestellte Hebammen, mindestens zwei sind immer im Dienst, tagsüber noch mehr", sagt sie.

Schon immer hätten deutsche Mütter in St. Vith entbunden. Meist war es aber so, dass sie eine Beziehung zu dem Land hatten. Weil sie entweder in Belgien arbeiteten oder dort Verwandte hatten. Seit es in Prüm und Gerolstein keine Geburtshilfe mehr gebe, kämen immer mehr Patientinnen aus dem deutschen Grenzgebiet, beobachtet Ingrid Mertes.

Doch wie läuft es praktisch ab, wenn sich eine Eifelerin dafür entscheidet, in Belgien ihr Kind zu bekommen? In der Regel sei es so, dass die Schwangeren sich in St. Vith melden. Dann entscheide man, ob eine vorgeburtliche Untersuchung nötig sei. Den Papierkram mit den Krankenkassen regelt die Klinik. "Dafür haben wir eine Frau bei uns, die sich nur darum kümmert", sagt die Direktorin.

Die Kommunikation zwischen Ärzten und Hebammen, hüben wie drüben, funktioniere sehr gut, bestätigt Ingrid Mertes. "Wir haben uns ausgetauscht. So haben unsere Gynäkologen mit den deutschen niedergelassenen Ärzten gesprochen, und auch die Hebammen haben ihre Standards verglichen und abgestimmt, damit es keine Widersprüche gibt und man dasselbe Vokabular gebraucht." Man wolle eine harmonische Zusammenarbeit. "Es war uns wichtig, uns gut abzustimmen, kollegial und kooperativ zu sein. Wir wollen uns auch nicht in andere Gehege begeben, weder vor noch nach der Geburt", betont Ingrid Mertes.
Und keine Sorge, ein Baby, das in Belgien geboren wird, ist nicht automatisch ein Belgier.Extra: Geburtshilfe

Zurzeit gibt es keine generelle Regelung zwischen Deutschland und Belgien. Man will zwar auf EU-Ebene eine sogenannte Zoast-Zone einrichten, auf Deutsch: eine Zone mit grenzüberschreitendem Zugang zu Gesundheitsleistungen, doch die Verhandlungen laufen nun schon seit drei Jahren, bislang ohne Ergebnis. "Das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium begrüßt und unterstützt die Absicht der beiden Krankenhäuser Prüm und St. Vith, ihre Kooperation zu vertiefen und ist nach wie vor daran interessiert, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Krankenhäuser im Interesse der Versorgung der Patienten aus der grenzüberschreitenden Region zu erleichtern und zu intensivieren", sagt Stefanie Schneider, Pressesprecherin vom rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium. Aktuell gebe es aber leider in den Gesprächen zur Einrichtung einer grenzüberschreitenden Gesundheitszone keine Fortschritte bezüglich der Frage, welches Abrechnungsverfahren bei der wechselseitigen grenzüberschreitenden Leistungserbringung zur Anwendung kommen soll.