Prümer Realschüler setzen sich für Gleichaltrige ein

Ehrenamt : Einmal in der Woche wird Gutes getan

„Kinder helfen Kindern“ heißt eine Arbeitsgruppe der Prümer Kaiser-Lothar-Realschule. Dort engagieren sich fast 30 Schülerinnen.

Ob Schulchor, Theatergruppe, Leichtathletikteam oder Schülerzeitung, Arbeitsgemeinschaften (AGen) sind ein fester Bestandteil des schulischen Alltags. Während sich die meisten auf die eine oder andere Art und Weise mit dem persönlichen Amüsement der Teilnehmer befassen, gibt es auch Gruppen, die sich aus ganz uneigennützigen Gründen zusammenfinden. An der Kaiser-Lothar-Realschule plus hat sich vor zweieinhalb Jahren im Oktober 2015 genau so eine AG unter dem Namen „Kinder helfen Kindern“ gegründet.

„Die Idee war einfach: Wir treffen uns, überlegen, in welcher Form wir wem helfen können, und gehen dann einfach an die Arbeit“, sagt Michelle (15). Auch Kathrin (16) ist von Anfang an dabei: „Mich hat das Konzept auch gleich überzeugt.“

Jeweils zum Beginn des Schulhalbjahres bespreche die Gruppe, für wen sie sich in den kommenden Monaten einsetzen möchte. Dann werde gebacken, gebastelt und gekocht, was das Zeug hält. „Dabei kommt eine ganze Menge zusammen. Auf Flohmärkten und Basaren verkaufen wir dann alles für einen guten Zweck“, sagt Kathrin.

Welches Projekt sie in den vergangenen zweieinhalb Jahren am meisten geprägt habe, wissen die beiden Schülerinnen nicht sicher zu sagen. „Wir haben eine ganze Menge zusammen erreicht, Großes und Kleines. Alle Projekte waren auf ihre eigene Weise wichtig“, sagt Michelle.

Emotional aufwühlend sei noch immer die Geschichte des kleinen Amar. „Direkt in den Anfangstagen  wollten wir dabei helfen, dem Jungen eine dringende Operation zu finanzieren. Als wir ziemlich weit mit unserer Arbeit waren, kam plötzlich die Hiobsbotschaft. Amars Familie wurde in den Kosovo abgeschoben“, sagt AG-Leiterin Brigitte Richter-Weber. Sie sei ebenso erschüttert über diese Nacht-und-Ne­bel-Ak­ti­on gewesen, wie die Schülerinnen. „Ich konnte das Ganze überhaupt nicht fassen. Wir konnten mit unserem gesammelten Geld dann zumindest noch eine Milchkuh für die Familie finanzieren“, sagt Michelle.

Das Schicksal des blinden und gehörlosen Jungen hatte viele Menschen in der Region bewegt (der TV berichtete). „Wenn ich davon erzähle, bekomme ich noch immer Gänsehaut. Wir hatten alles organisiert, und plötzlich war es vorbei, ohne dass wir wirklich was geschafft hatten“, erinnert sich Michelle.

Mit aktuell 28 Schülerinnen könne man schon einiges auf die Beine stellen, sagt Brigitte Richter-Weber. Etwas kurios sei allerdings, dass die geballte Mädchen-Kraft die jungen Herren der Schöpfung offensichtlich etwas abschrecke. „Von Anfang an war die Gruppe stark, allerdings hauptsächlich mit Mädchen, besetzt. Jungs kamen nur sporadisch, dabei sind sie herzlich willkommen“, sagt die AG-Leiterin.

Und woran arbeitet die AG im Moment? „Wir haben den Arbeiter-Samariter-Bund eingeladen, um uns sein Projekt ‚Wünschewagen’ vorzustellen. Konkret wollten wir ein junges Mädchen mit der seltenen Lafor-Krankheit unterstützen. Allerdings hat sich nun ergeben, dass die Schule ihr auf anderer Weise helfen wird“, sagt Brigitte Richter-Weber.

Statt nur für einen Vortrag vorbeizuschauen, bringt Projektkoordinatorin Christina Kunde zur Begeisterung der Schülerinnen gleich den Wünschewagen mit und stellt die Initiative vor. „Ich bin wirklich beeindruckt von dieser AG. Es ist echt toll, zu sehen, was Kinder hier für Kinder auf die Beine stellen. Hier wächst ganz selbstverständlich eine neue Generation von engagierten selbstlosen Menschen heran“, sagt Christine Kunde.

Der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes besucht auf Einladung der AG „Kinder helfen Kindern“ die Kaiser-Lothar-Realschule plus. Foto: Frank Auffenberg

Weitere Informationen zur AG „Kinder helfen Kindern“ unter www.klrplus.de
Mehr zum Wünschewagen unter
www.wünschewagen.de

Mehr von Volksfreund