Sie schippen den Weg frei

Es war ein spannendes Jahr für die Raiffeisenbank Westeifel - und brachte ein paar Rekorde. Die Bilanzsumme - 411 Millionen Euro - ist hoch wie nie, und man überschritt die Zahl von 10 000 Mitgliedern.

Arzfeld/Schönecken. Die Raiffeisenbank Westeifel - wie war das Jahr? Sprechen wir drüber, in Arzfeld, und das "an diesem denkwürdigen Tag", sagt Klaus Peters, gemeinsam mit Franz-Rudolf Hermes einer der beiden Vorstände des Eifeler Geldinstituts.
Ja, an diesem Tag, gestern - da wird im fernen Washington jemand als Präsident vereidigt, den viele nicht auf der Rechnung hatten. Aber was schert es uns hier in der stillen Eifel? "Auf den ersten Blick", sagt Klaus Peters, "eigentlich nichts." Und doch müsse man sich fragen, ob Donald Trump "den Polit-Apparat so gemanagt bekommt, dass er funktioniert und berechenbar bleibt. Das ist im Moment nicht unbedingt zu bejahen."An der Seite der Bauern


Da sind die angedrohten Einfuhrzölle: Das würde sich direkt auf die Entwicklung von Unternehmen auswirken, auf Absatzzahlen, auf die Kurse an der Börse. "Und da sind wir bei den Anlegern, die sich aufgrund des niedrigen Zinsniveaus und mangelnder Ertragschancen bei konventionellen und klassischen Anlagen dem Aktienmarkt zuwenden. Und damit sind Chancen und Risiken an der Börse verbunden" - eben auch für die Kunden der Eifeler Bank.
Noch konkreter wird es bei Betrieben, die als Zulieferer für die Automobilindustrie arbeiten: Verkaufen Audi, BMW, VW und andere weniger Fahrzeuge, weil Trump Stress macht, leiden darunter auch die Zulieferer, "die unsere Kunden sind".
Zukunftsmusik - wie dissonant die wirklich wird, dürfte der neue US-Präsident bald zeigen. Im abgelaufenen Jahr lagen die Herausforderungen vor allem vor der Haustür, wie Franz-Rudolf Hermes sagt - etwa in der Landwirtschaft, klassischer, wichtiger Partner der Genossenschaftler. Und da vor allem bei den Milchbauern: "Der Preis ging noch weiter nach unten", rekapituliert Hermes, zeitweise habe die Arla den Bauern nur noch 22 Cent für das Kilogramm Milch gezahlt. Da sei es für viele Landwirte, die zuletzt in große Ställe investiert hatten, schwer geworden, "ihren Verpflichtungen nachzukommen".
Die Bank reagierte, setzte Tilgungen aus und ließ die Bauern teils nur ihre Zinsen begleichen. Zugleich investierten viele Landwirte nur das, "was unbedingt nötig war". Und "Gott sei Dank", sagt Hermes, "hatten wir keinen größeren Fall, der aufgeben musste".
Allerdings ging 2016 die Zahl der Kreditanträge aus der Bauernschaft um ein glattes Drittel zurück - von 155 im Jahr davor auf 104. Und die Gesamt-Kreditsumme halbierte sich sogar, von 10,4 Millionen Euro auf 5,5 Millionen.Die Eifeler bauen aufs Bauen


Die gute Nachricht: Der Milchpreis ist aktuell wieder gestiegen, auf rund 32 Cent. Deshalb rechnen die Bankchefs auch wieder mit einer Zunahme der Kreditanträge für neue Investitionen.
Anders sah es im Wohnungsbau aus: Dort, sagt Klaus Peters, sei die Zahl der Kreditanträge hoch geblieben: Von insgesamt 950 bewilligten Anträgen entfielen 300 auf den Wohnungsbau, "mit einem Volumen von 30 Millionen".
Die Eifeler bauen eben aufs Bauen. Und auf Raiffeisen. Dabei ächzen alle Geldinstitute unter der Niedrig-Zinspolitik von Mario Draghi, dem Chef der Europäischen Zentralbank: Zu verdienen ist da mit Krediten nicht mehr viel. Deshalb können auch Sparer nicht mehr damit rechnen, dass man ihnen gute Zinsen zahlt. Es gibt sogar Banken, die stattdessen eine "Verwahrgebühr" nehmen. Die Raiffeisens nicht - sie geben dem Sparer zumindest noch 0,05 Prozent.
Da fragt man sich: Womit verdient die Bank denn überhaupt noch Geld? Mit Zinsen bei Überziehungskrediten, mit Kontogebühren - dafür aber, betonen Hermes und Peters, lasse man eben auch viel Geld in der Region: 7,5 Millionen Euro an Löhnen für die 107 Mitarbeiter der Bank in sieben Filialen und die rund 60 Beschäftigten der Raiffeisen-Waren GmbH (fünf Filialen, darunter die neue in Schönecken). Und mit dem kulturellen, karitativen und kommunalen Engagement - im vorigen Jahr spendierte man 75 000 Euro. Eine Direktbank ohne Kontogebühren, aber auch ohne Infrastruktur in der Region, darunter das Netz der Geldautomaten, mache das alles nicht, betont Hermes.
Geld verdiente auch die Waren-GmbH: Mit einem Umsatz von 39 Millionen Euro netto, sagt Geschäftsführer Werner Aßmann, habe man das Vorjahresniveau gehalten. Weiterhin kein Thema: eine Fusion. "Solange wir unsere Leistung für die Mitglieder und Kunden so erbringen können, sehen wir da keine Notwendigkeit", sagt Klaus Peters.
Besonders erfreulich: Die Bilanzsumme stieg um 19,3 Millionen auf den bisherigen Rekord von 411 Millionen Euro. Und man überschritt die 10 000er-Marke bei den Mitgliedern. Damit sind wir auf der Zielgeraden - und beim Fazit von Klaus Peters: "Der Raiffeisenbank Westeifel geht es gut, und sie bleibt als eigenständiges Unternehmen in der Region verankert."