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Kommunalpolitik: Viele Kinder, aber keine Plätze - Alarm an Bitburger Kitas

Kommunalpolitik : Viele Kinder, aber keine Plätze - Alarm an Bitburger Kitas

Die Wartelisten an den Bitburger Kitas werden immer länger. Da die geplante neue Einrichtung auf dem Gelände der Alten Kaserne aber frühestens in zwei Jahren fertig ist, sucht die Stadt jetzt nach einem Übergangsquartier.

„Es brennt“, sagt Erika Dlugoß. Als Erzieherin und Leiterin der Bitburger Kindertagesstätte Zuckerborn liegt der Schwerpunkt ihrer Arbeit eigentlich in der Betreuung von Kindern. In den vergangenen Jahren jedoch hat sich dieser Schwerpunkt zunehmend verlagert. Denn inzwischen sind es nicht nur Kinder, die den Kindergarten täglich besuchen, sondern auch Eltern. „Ich schreibe alle auf, spreche mit jedem und versuche zu vermitteln“, erzählt Dlugoß. „Es ist wirklich sehr schade“, sagt sie. „Wir möchten ja, dass Familien zu uns kommen, aber wir können sie leider nicht mehr aufnehmen.“

Mit der Länge der Warteliste wächst auch die gefühlte Hilflosigkeit der Kita-Leiterin und die Verzweiflung der Eltern. „Zu uns kommen nicht nur Mütter oder Väter, sondern mitunter ganze Familien“, so Dlugoß. „Und die offenbaren uns oft ihr ganzes Leben und sämtliche Schicksalsschläge“, fügt sie hinzu. Damit umzugehen sei jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung.

Aktuell fehlen in der Stadt Bitburg nach Auskunft der Verwaltung 74 Kitaplätze. Und das ist lediglich die Zahl der Plätze, die sofort benötigt werden. Hinzu kommen noch die zahlreichen Anmeldungen von Kindern, die erst zu einem späteren Zeitpunkt einen Platz brauchen. Durch die geplante Einrichtung einer neuen Kita in einem der alten Kasernengebäude in der Mötscher Straße soll sich die Situation in Bitburg wieder entspannen. So ist es seit Jahren geplant. Das Problem ist nur: Die neue Kita wird laut Stadt frühestens im Sommer 2020, also erst in zwei Jahren fertig sein. So lange kann und will die Stadt jedoch nicht warten. Weshalb der Hauptausschuss in seiner jüngsten Sitzung über eine Übergangslösung beraten hat.

Eine Option wäre ein Gebäude auf dem Flugplatzgelände in der Johannes-Kepler-Straße, in dem Platz für zwei Gruppen mit insgesamt 50 Kindern geschaffen werden könnte. Diese Gruppen würden dann der Kita Altes Gymnasium angegliedert. 5,5 neue Stellen müssten dafür geschaffen werden, rund 265 000 Euro Investition wären notwendig, um die gemieteten Räume entsprechend den Bedürfnissen anzupassen. Voraussichtlich im Oktober oder November könnte die Kita-Außenstelle auf dem Flugplatz bezugsfertig sein.

Voraussetzung dafür ist allerdings zunächst die Zustimmung des Hauptausschusses. Doch daran hakt es. „Ich tue mir wirklich schwer mit dem Standort Flugplatz“, meint dazu Bernd May (Grüne) und fragt nach Alternativen wie beispielsweise die ehemalige Landwirtschaftsschule in der Brodenheckstraße, die Kita auf dem Housing-Gelände oder eine Erweiterung einer bestehenden Kita mittels Container.

Wie Bürgermeister Joachim Kandels erklärt, gebe es für die ehemalige Landwirtschaftsschule bereits andere Pläne. Und was die Kita auf der Housing betreffe, so sei das allein schon aufgrund des fehlenden Planungsrechts ein Problem, erklärt Bauamtsleiter Berthold Steffes. Zudem liege das Kita-Gebäude mitten im abgesperrten Housing-Areal, weshalb dann zunächst von der Mötscher Straße bis zur Kita ein eingezäunter Zugangskorridor errichtet werden müsse. Von der fehlenden Wärmeversorgung und den Baumängeln mal abgesehen.

Patric Nora (FDP) hingegen findet den Standort Flugplatz gar nicht schlecht: „Dort gibt es Grünflächen, und dieser Standort hätte den Vorteil, dass er von den Stadtteilen Stahl und Masholder gut erreichbar ist.“ Auch Ausschussmitglied Thomas Mutsch (CDU) ist der Meinung, dass der Flugplatz nicht unbedingt eine schlechte Lösung wäre, aber er glaubt, dass Eltern wohl eher eine Container-Lösung im Stadtgebiet bevorzugen würden: „Die Frage ist nur, ob die Kinder das genauso sehen.“

Einig ist sich der Ausschuss allerdings, dass bis zur Fertigstellung der Kita auf dem Kasernen-Gelände eine Übergangslösung geschaffen werden muss. Weshalb dem Vorhaben grundsätzlich zugestimmt wird. Gleichzeitig wird die Verwaltung beauftragt, bis zur nächsten Sitzung Mitte Juni mögliche Alternativen zu prüfen. Und das möglichst nicht nur für zwei, sondern auch für drei Gruppen, um den akuten Bedarf zu decken. Zudem, so der Beschluss, soll die Verwaltung bereits mit der Stellenausschreibung für das Kita-Personal beginnen.