Witzig und mutig

ÜXHEIM-LEUDERSDORF. (bb) Sie war Schauspielerin und Theatermacherin in der Großstadt, dann zog sie als Hufschmiedin aufs Land. Sie erkrankte schwer und hielt den Verlauf ihrer Krankheit in einem Buch fest (der TV berichtete). Jetzt ist Claudia Howards zweites Buch erschienen: "Ein Rollstuhl in Kapstadt – Denkanstöße für chronisch Kranke".

Das Buch ist kein Rezeptblock, die Autorin kann nicht heilen und will auch nicht die Welt verbessern. Das Buch ist ein Ratgeber, die Autorin erzählt Geschichten und reicht Krücken. "Und wenn's gar nicht anders geht, dann gönnt Euch einen Rollstuhl", empfiehlt Claudia Howard mit dem Blick auf den Buchtitel, den ihr die Auftaktgeschichte lieferte: "Ein Rollstuhl in Kapstadt". Sie liebe diese Geschichte, sie habe sie in vielen üblen Lebenslagen wieder zum Lachen gebracht und ihr Mut gemacht, heißt es im Vorspann. "Ich möchte auch so werden, so ruhig und zufrieden, mit so viel Kraft und Humor. Und auch mit so viel Lebenslust, Krankheit hin oder her", schreibt Claudia Howard über ihre Protagonistin Marianne. Die ist Anfang 60, seit 30 Jahren Sklerodermie-Patientin (siehe Hintergrund) und will "einmal noch etwas Aufregendes und Unvernünftiges erleben". Sie bucht eine Reise nach Kapstadt - "weil Südafrika gerade ‚in' ist und die halbe Welt hinfliegt". Dass sie gegen ihre sonstige Gewohnheit Krücken mitnimmt, beschert ihr einen unbeschwerten Flug, und am Ende wartet auf sie: ein Rollstuhl in Kapstadt. Auf 136 Seiten, in vier Kapiteln, illustriert von Walter Ramirez, baut Claudia Howard - selbst von Sklerodermie betroffen - auf humorvolle und anregende Weise chronisch Kranken Brücken, um den Alltag besser zu bewältigen und etwas leichter durchs Leben zu kommen. Das Buch basiert auf Gesprächen mit Patienten, die an Mukoviszidose, Krebs, Rheuma oder Multipler Sklerose leiden. Die Autorin wurde von einem Neurologen, einem Psychologen und einer Ordensschwester fachlich beraten. Die 47-Jährige gibt Tipps für den Alltag: mit einer Lügenliste ("Ich denke, wir dürfen das ... Aber immer schön sauber bleiben"), mit dem Blick auf Selbsthilfegruppen ("geteiltes Leid ist halbes Leid"), Internet-Recherchen ("eine recht einsame Beschäftigung") und in die Zukunft ("darüber sprechen erleichtert die Seele"). Sie öffnet ihre "psychologische Werkzeugkiste" für den Umgang mit Lebensweisheiten und "den Leuten" sowie ihren "geistigen Notfallkoffer" mit Geschichten von kleinen Wellen, von einem verlorenen Schlüssel, von Möhren, Bohnen und Kaffeebohnen, vom lieben Gott. Sie schreibt vom Arzt-Patienten-Verhältnis und macht sich (acht) Gedanken auf dem Weg zum "guten" Patienten. "Seid nett zu euch," lautet ihr Schlussappell, "dann hat die Krankheit schlechte Karten." Claudia Howard ist 1959 in der italienischen Schweiz geboren und absolvierte nach dem Abitur eine Schauspielausbildung. Sie gründete 1985 ein eigenes Theater in Köln, hatte damit Erfolg, zog trotzdem 1993 als Hufschmiedin aufs Land: nach Üxheim-Leudersdorf. Nach einer Gehirnblutung und der Diagnose "Sklerodermie" widmet sie sich nun dem Schreiben. 2005 erschien ihr Erstling "Spurlos daneben", jetzt ist "Ein Rollstuhl in Kapstadt" auf dem Markt. Das Buch aus dem Asaro-Verlag kostet 11,90 Euro.