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Erschreckender Fund in Bettingen
Entsetzen über verbrannten Kalbskadaver

Der verbrannte Tierkadaver in Bettingen sorgte diese Woche für Entsetzen.
Der verbrannte Tierkadaver in Bettingen sorgte diese Woche für Entsetzen. FOTO: TV / Jürgen Holbach
Bettingen. Wer tut so etwas? In Bettingen wurde versucht, die Fehlgeburt einer Kuh zu verbrennen. Am Fundort kommt es ständig zu Problemen. Der Ortsbürgermeister will nun hart durchgreifen. Von Christian Thome

Als das Telefon von Jürgen Holbach klingelt, ahnt er nichts Böses. Auch als ihm mitgeteilt wird, dass am Altbethinger Bach wieder etwas abgeladen wurde, ist das für ihn nichts Besonderes. Dass dieser Anruf anders ist, das sieht er, als er zu besagter Stelle fährt. Dort liegt der Kadaver eines neugeborenen Kälbchens, beschmiert mit Lehm. Er ist bedeckt mit nassem Stroh und Zweigen. Beim genaueren Hinsehen einige schwarze Stellen zu erkennen, an denen der Körper angebrannt wurde. Ohne Erfolg.

„Es gibt solche Ferkel“, sagt Ortsbürgermeister Holbach entsetzt. Doch was ist passiert? Beim Fundort handelt es sich um ein Flurstück zwischen Bettingen und Oberweis (siehe Grafik). Dort fließt der Altbethinger Bach und kreuzt einen landwirtschaftlichen Weg. Der Hinweis, dass am Bach etwas nicht stimme, kommt von einer Bürgerin. Ihr Hund hatte beim Gassigehen angeschlagen und ist zum Wasser gelaufen. Als die Bürgerin ihm folgt, sieht sie das Kalb – und informiert den Ortsbürgermeister. Der traut seinen Augen kaum. „Das zeugt von riesengroßer Dummheit“, wütet der Ortschef. Seiner Vermutung nach haben die Täter versucht, das Kalb zu verbrennen. Als ihnen jedoch das nasse Stroh und der feuchte Kadaver einen Strich durch die Rechnung machen, beschmieren sie das Tier mit Lehm. In der Hoffnung, dass es niemand sieht. Eine Hoffnung, die nicht erfüllt werden sollte.

Holbach ist selbst ehemaliger Polizist und beanzeigt die Tat sofort bei der Polizei. Außerdem informiert er die Tierkadaverbeseitigung in Rivenich, die für solche Fälle zuständig ist. Die entsorgen den Kadaver, Kostenpunkt um die 50 Euro. „Die Kosten trägt einmal mehr die Allgemeinheit, nämlich die Ortsgemeinde“, sagt der Ortschef. Die Polizei schreibt eine Anzeige gegen Unbekannt.

Beim Vergehen handelt es sich nicht um eine Straftat, sondern „nur“ um die Ordnungswidrigkeit „unerlaubtes Abladen von Müll“. Das klingt zunächst harmlos, kann aber teuer werden. Der Bußgeldkatalog für das Land Rheinland-Pfalz sieht für das Beseitigen von Tierkadavern besonders hohe Strafen vor. Bei Abfall über 20 Kilogramm – wovon bei einem neugeboreren Kalb auszugehen ist – geht die Spanne von 153,39 bis 1 533,88 Euro. Aus seiner jahrzehntelangen Polizeierfahrung heraus geht Hans-Jürgen Holbach von einer Strafe „von um die 1500 Euro“ aus.

An diesem Ort, zwischen Bettingen und Oberweis, wurde das verbrannte Kälbchen gefunden.
An diesem Ort, zwischen Bettingen und Oberweis, wurde das verbrannte Kälbchen gefunden. FOTO: TV / Scheidweiler, Jonas

Auch der benachbarte Landwirt ist entsetzt. Als er von dem Vorfall über die sozialen Netzwerke erfährt, macht er sich sofort zum Fundort auf. „Ich wollte nach Anhaltspunkten wie Ohrmarke oder Fellfarbe suchen, um den Täter zu enttarnen.“ Doch er findet nichts, der Kadaver wurde inzwischen von der Gemeinde entfernt. Er kann nicht verstehen, warum jemand so etwas tut. „Wir sind alle in der Tierseuchenkasse“, sagt er. „Die Übernehmen den Großteil der Entsorgungskosten. In Zahlen gesprochen übernimmt die Kasse etwa 90 Prozent der Kosten, ihm bleibt noch ein Betrag „knapp über fünf Euro“. Außerdem sind alle Kühe, egal ob Kälbchen oder ausgewachsen, erfasst und haben einen Pass. Wird ein Kalb geboren, dann muss der Landwirt binnen kürzester Zeit entweder die erfolgreiche Geburt oder eine Fehlgeburt melden. Tut er das nicht, dann fragt die zuständige Stelle sofort nach.

Es sei also nahezu unmöglich, dass ein größerer Viehbetrieb ein Kalb verschwinden lässt, ohne dass es auffällt. Molkereien oder Händler verlangen inzwischen Zertifikate für ordnungsgemäße Entsorgung von Tierkadavern. Verliert man diese durch einen solchen Fall, dann wäre das ein Super-GAU. Kurz gesagt macht es also – vom moralischen Standpunkt abgesehen – noch nicht mal finanziell Sinn, ein Kälbchen auf solche Art zu entsorgen.

Der Fundort ist für Ortsbürgermeister Holbach kein unbeschriebenes Blatt: „Wir haben an dieser Stelle ständig Probleme“, sagt er. Seit „Urzeiten“ sei dort immer jeglicher Grünschutt abgeladen worden. Das sei immer so gewesen. Als das Abladen jedoch Überhand nimmt, verbietet die Gemeinde es. Viele Bürger scheinen sich daran nicht zu halten. Für den Ortschef ist nun jedoch eine rote Linie überschritten. Das verbrennen eines Kalbes sei eine vollkommen andere Qualität als das Abladen von Grünschutt. „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht. Die Gemeinde wird ab jetzt mit Anzeigen durchgreifen“, kündigt er an. Nicht nur das, er will auch selbst etwas tun: „Ich habe eine Wildkamera angeschafft. Diese wird ab jetzt den Bereich kontrollieren.“

Besonders prekär ist die Lage auch, weil es sich beim Fundort um ein Wasserschutzgebiet handelt. Glücklicherweise lag das Kalb mehrere Meter vom Bachlauf entfernt. „Das war gut, denn sonst hätten wir eine Wasserprobe durchführen lassen müssen“, erklärt Holbach.