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Ärzte-Genossenschaft
Ländliche Regionen brauchen mehr Ärzte

Bitburg/Prüm. Eifeler Mediziner kämpfen weiter darum, eine Zulassung für ihre Genossenschaft Medicus eG zu bekommen. Der Rückhalt von den Bürgern wie auch der Politik gibt ihnen Auftrieb. Mitte Juni ist ein Gespräch bei der Kassenärztlichen Vereinigung in Mainz. Von Dagmar Schommer
Dagmar Schommer

Dicht an dicht sitzen die Patienten im Wartezimmer. Sie können froh sein. Sie haben einen Arzt. Einen Allgemeinmediziner zu finden, ist gar nicht so einfach. Noch nicht mal in der Kreisstadt Bitburg. „Tut uns leid, wir können keine neuen Patienten mehr annehmen.“ So oder so ähnlich fällt die Standard-Antwort aus. Schon heute sind nach Angaben der Kreisverwaltung acht Stellen für Allgemeinmediziner im Eifelkreis nicht besetzt. Bis 2023 wird fast die Hälfte der heute noch praktizierenden Ärzte sich in den Ruhestand verabschieden. Im Eifelkreis entsteht dann ein Nachbesetzungsbedarf von rund 25 Stellen. Und das sieht in anderen ländlichen Regionen nicht besser aus.

Der Bitburger Allgemeinmediziner Michael Jager kennt das Problem. „Ich musste heute auch eine neue Patientin ablehnen. Sie ist pflegebedürftig, braucht regelmäßige Hausbesuche, aber ich arbeite jetzt schon rund um die Uhr“, sagt Jager. In seiner Praxis hat er 80 bis 100 Patienten am Tag. Er hat auch eine junge Ärztin angestellt. „Mehr geht nicht“, sagt Jager.

Was sich für eine Praxis nicht rechnet, ist aber für eine Gruppe von Ärzten durchaus eine Option. Deshalb hat Jager sich mit zwölf Kollegen aus dem Eifelkreis zusammengetan und die Medicus eG gegründet. Gemeinsam wollen sie Ärzte in Voll- oder Teilzeit in ihren Praxen anstellen und ihnen flexible Arbeitsmodelle anbieten. Eben das, was auch den ein oder anderen Arzt aufs Land locken könnte, der eben nicht als Unternehmer in Eigenverantwortung gleich eine ganze Praxis übernehmen will.

Dass der Antrag der Medicus eG auf Betrieb eines so genannten dezentralen Medizinischen Versorgungszentrums vom Zulassungsausschuss der KV abgelehnt wurde, hat in der Eifel Bürger wie Politiker bestürzt (der TV berichtete). Inzwischen schaltet sich Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler in die Diskussion ein  (siehe Interview) und fordert die KV zum Dialog auf. Die kam tatsächlich auf Landrat Joachim Streit zu und bot einen Gesprächstermin an: 14. Juni in Mainz.

Ob sich das Blatt wendet? Noch liegt die schriftliche Begründung, warum der Zulassungsausschuss den Antrag der Medicus eG abgelehnt hat, nicht vor. In einer Stellungnahme hat die KV zuletzt bemängelt, dass die 13 Ärzte-Genossen nicht persönlich für Regressrisiken bürgen. Die entstehen, wenn ein Arzt mehr Massagen oder Medikamente verschreibt, als im Budget vorgesehen sind. Dieses Regressrisiko will die Medicus eG über die R+V-Versicherung – eine der größten Versicherungsgesellschaften bundesweit – abdecken. Und zwar in Höhe von 250 000 Euro pro Arzt und Jahr. „Ich weiß gar nicht, wie man so hohe Regresspflichten überhaupt erreichen kann“, sagt Medicus-Vorstand Jager. Er hatte zuletzt vor vier Jahren Regressforderungen: rund 750 Euro. Er hatte zu viel Grippeimpfstoff bestellt.

Von den zahlreichen Leserbriefen, aber auch von Stellungnahmen und Initiativen Eifeler Politiker und Kommunen, die sich mit Resolutionen hinter die Ärztegenossenschaft stellen, ist Jager sehr beeindruckt. „Damit hätte ich nie gerechnet“, sagt er, „das gibt uns Rückenwind und ist Motivation, die Sache weiter voranzutreiben.“ Aufgeben sei keine Alternative: „Zur Not werden wir klagen.“ Jager hofft, dass die KV die Lage noch mal überdenkt.“ Sein Ziel: nach zwei Jahren Vorbereitung und Rechtsberatung endlich eine Zulassung zu bekommen. „Was uns auf jeden Fall hilft“, sagt Jager, „ist Unterstützung in Form von Leserbriefen, Kommentaren im Internet, jeder Zuspruch, der deutlich macht, dass diese Genossenschaft auch aus Sicht der Patienten Teil einer Lösung sein könnte, dem Ärztemangel auf dem Land zu begegnen.“

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