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Die Suche nach einem Nachfolger kann beginnen

Er ist seit 2014 oberster Repräsentant der Kreisstadt: Martin Robrecht. Bis 2019 bleibt er das auch, aber dann hört er auf. TV-Foto/Archiv: Stephan Sartoris
Er ist seit 2014 oberster Repräsentant der Kreisstadt: Martin Robrecht. Bis 2019 bleibt er das auch, aber dann hört er auf. TV-Foto/Archiv: Stephan Sartoris FOTO: (e_daun )
Daun. Bis Mitte 2019 ist er im Dienst, aber dann ist Schluss. Dauns Stadtbürgermeister Martin Robrecht hat verkündet, dass er keine zweite Amtszeit anstrebt. Stephan Sartoris

Daun Auf die Frage, wer nach der Kommunalwahl 2019 an der Spitze der Kreisstadt stehen soll, würden heute sicher nicht wenige Dauner antworten: "Martin Robrecht". Aber dazu wird es nicht kommen, denn der seit 2013 amtierende Stadtbürgermeister hat nun auch öffentlich verkündet (nachdem er zuvor in nicht öffentlicher Sitzung die Stadtratsfraktionen informiert hat), dass er nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung stehen wird. Völlig überraschend kommt das nicht, denn es war bekannt, dass Robrecht - im September 65 Jahre alt geworden - schon seit Längerem mit dem Gedanken spielte, nach einer Amtszeit aufzuhören. Aber hinter den Kulissen hatten viele versucht, ihn dazu zu bewegen, doch noch fünf weitere Jahre dranzuhängen. Robrecht ist gebürtiger Bremer, lebt aber schon seit vielen Jahren im Stadtteil Pützborn. Er ist CDU-Mitglied, war aber bei der Stadtbürgermeisterwahl 2013 als unabhängiger Kandidat angetreten. In einer Stichwahl siegte der pensionierte Berufssoldat gegen den christdemokratischen Kandidaten Gerd Becker, den heutigen Vorsitzenden der CDU-Stadtratsfraktion. Aber warum verkündet er schon relativ früh, gut anderthalb Jahre vor der Kommunalwahl, seine Entscheidung, nicht mehr anzutreten? "So haben alle Fraktionen Zeit, sich Gedanken zu machen, wer das Amt des Stadtbürgermeisters ab Mitte 2019 übernehmen könnte", sagt Robrecht. Und warum hört er auf? "Weil ich mir nicht sicher sein kann, ob ich mit fortschreitendem Alter den Ansprüchen noch genügen kann, die ich bezogen auf die Amtsführung an mich selber stelle. Denn am Ende der nächsten Wahlperiodewäre ich 72." Also keine Amtsmüdigkeit? "Nein, auf keinen Fall. Mir macht die Arbeit Spaß und ich werde mich bis zum Tag der Übergabe an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin weiter so engagieren, wie ich es in den vergangenen dreieinhalb Jahren getan habe.""Allergrößtes Bedauern" hat Dieter Wilhelm angesichts der Ankündigung von Robrecht. Der Dritte Beigeordnete der Stadt und langjähriger Vorsitzender des Gewerbe- und Verkehrsvereins (mit einer eigenen Fraktion im Stadtrat vertreten) hätte sich gewünscht, dass Robrecht "noch eine Amtszeit dran- hängt". So werden beide 2019 die kommunalpolitische Bühne verlassen, denn auch für Wilhelm, der im Dezember 70 wird, ist dann "endgültig Schluss". Dieter Brill, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Daun, wusste um Gedankenspiele des Stadtbürgermeisters und hat versucht, "ihn zum Weitermachen zu bewegen". Denn Robrecht sei ein "würdiger Repräsentant der Stadt und hat einiges angepackt. Die CDU hätte sich gut vorstellen können, ihn zu unterstützen, wenn er eine zweite Amtszeit angestrebt hätte". Er finde es nun aber gut, dass Robrecht frühzeitig seine Entscheidung verkündet habe. Die CDU werde voraussichtlich Anfang 2018 beginnen, sich damit zu beschäftigen, wen man 2019 ins Rennen schicken könnte. SPD-Fraktionssprecher Uli Domenghino begrüßt, dass sich Robrecht erklärt hat: "Er hat sich entschieden, dann kann er es auch verkünden. Das hat keinerlei Nachteile für ihn für die restliche Amtszeit. Ich bin sicher, dass er so aktiv bleiben wird wie bisher." Er schätzt das offene und vertrauensvolle Verhältnis zu Robrecht, der sich "binnen kürzester Zeit Respekt verschafft hat im Rat. Es war sehr erfrischend, dass jemand von außen das Amt übernommen hat, für uns Ratsmitglieder und auch für die Verbandsgemeindeverwaltung". Wie Brill hätte sich auch Domenghino eine zweite Amtszeit von Robrecht gut vorstellen können. Gerhard Herzog, Sprecher der Stadtratsfraktion Liste Reineke, findet es gut, dass die "Fronten geklärt sind. Die Ankündigung des Stadtbürgermeisters ist ein Aufruf an alle, sich Gedanken zu machen über die Nachfolge. Was nicht einfach ist, denn die Belastung, die das Amt mit sich bringt, kann jemand, der voll im Berufsleben steht, nicht tragen". Er sei überzeugt, dass "Martin Robrecht weiter so gute Arbeit macht wie bisher". KommentarMeinung

Die Latte hängt hochKenner der politischen Szene in Daun sind sicher nicht überrascht von Robrechts Entscheidung, denn dass er darüber nachgedacht hat, ist schon lange bekannt. Der Zeitpunkt der Verkündung ist richtig, auch wenn dies es den Parteien nicht wirklich einfacher macht, einen Kandidaten oder eine Kandidatin zu finden. Denn die sind bekanntlich rar gesät. Und Robrecht hat die Latte hochgehängt, vor allem was das Repräsentieren der Stadt angeht. Er hat Daun bestens vertreten und wird das mit gleichem Engagement wie bisher bis zum Ende seiner Amtszeit tun, daran zweifelt niemand. Das Stadtbürgermeisteramt ist ein ehrenamtliches, aber mindestens ein Halbtagsjob, eher mehr. Was es schwer macht, Kandidaten unter jenen zu finden, die im normalen Berufsalltag stehen. Bislang waren stets Männer am Werk. Ist es nicht Zeit für eine Frau als Stadtbürgermeisterin? s.sartoris@volksfreund.de