| 18:34 Uhr

Tourismus
Biker fangen Gästerückgang nicht auf

FOTO: Holger Teusch (teu)
Thalfang/Lautzenhausen. Trotz des neuen Nationalparks, einer neuen Hängebrücke und vielfältiger Aktionen weist die Hunsrück-Touristik für das vergangene Jahr leicht sinkende Besucherzahlen aus. Das hängt mit Leerständen in der Verbandsgemeinde Thalfang zusammen. Von Hans-Peter Linz
Hans-Peter Linz

Eigentlich könnte Iris Müller, Leiterin der Hunsrück-Touristik am Flughafen Hahn bei Lautzenhausen, zufrieden sein. Ihre Organisation ist für die touristische Vermarktung des Hunsrücks zuständig. Dazu zählen die Landkreise Rhein-Hunsrück, Bernkastel-Wittlich und Cochem-Zell sowie die Verbandsgemeinden Hermeskeil, Thalfang, die Einheitsgemeinde Morbach und weitere Kommunen.

Die Zahl der Angebote für Touristen hat sich seit Jahren erhöht. Dazu zählen unter anderem die Kulinarikwochen, ein Wandermarathon und der Ausbau der Traumschleifen. Seit 2015 zählt der erste Nationalpark des Landes Rheinland-Pfalz, der Nationalpark Hunsrück-Hochwald zum Bereich der Hunsrück-Touristik. Auch die Hängeseilbrücke Geierlay bei Mörsdorf ist eine der Attraktionen des Hunsrücks.

Mitte des Jahres wird am Erbeskopf zudem ein  Mountainbike-Trailpark eröffnet. Von April bis Oktober können Mountainbiker am Wochenende den Skilift als Aufstiegshilfe nutzen. Der Trailpark Erbeskopf soll nach und nach auf acht Strecken ausgebaut werden und wird ein Baustein im Konzept der geplanten Bike-Region Hunsrück-Hochwald sein.

Aber trotzdem weist die Statistik des vergangenen Jahres einen Besucherrückgang auf. Demnach hielten sich die Tourismuszahlen der Region   bei den Gästeankünften stabil. Diese lagen laut Statistischem Landesamt mit 286 805 Gästen von Januar bis Dezember auf Vorjahresniveau. Aber die Anzahl der Übernachtungen ging um -1,2 Prozent auf 769 853 zurück. Mit dem Rückgang der Passagierflüge am Hahn habe das nichts zu tun, erklärt Iris Müller. „Wir haben für 2017 noch keinen Rückgang verzeichnet. Aber es gibt einen massiven Rückgang in der Verbandsgemeinde Thalfang,“ sagt Müller.

Ein Blick in die Berechnungen des Statistischen Landesamtes in Bad Ems zeigt, dass die Zahl der Übernachtungen in und um Thalfang von 47 777 im Jahr 2016 auf 38 513 im Jahr 2017 gesunken ist. Auch in den Vorjahren gingen die Zahlen zurück. 2015 waren es 55 710 Übernachtungen, 2014 66 751 und 2013 71 520. Bis 2008 hielt sich die Zahl der Übernachtungen stabil um die 100 000. Der höchste Wert lag 1992 bei 124 366, der niedrigste 2007 bei 95 092.

Seitdem sinken die Zahlen. Müller sieht die Ursache in den schwindenden Übernachtungsmöglichkeiten in Thalfang. So meldete ein Teilbereich des Ferienparks Himmelberg bei Thalfang im vergangenen Jahr Insolvenz an. Der Park verfügt über 124 Ferienhäuser mit 167 Wohnungen und ein Hotel mit 40 Appartements. Ein Teil wird privat vermietet, aber der überwiegende Teil gehörte der insolventen Himmelberg GmbH. Inzwischen ist dort die Novasol Gesellschaft eingestiegen, eine Firma mit Sitz in Dänemark, die international Ferienwohnungen vermietet.

Das bestätigt Daniel Thiel, Chef der Tourist-Information in Thalfang. Da der Ferienpark Himmelberg einer der wenigen großen Übernachtungsbetriebe in der Verbandsgemeinde ist, habe die Insolvenz und die fehlende Vermietung von Ferienwohnungen natürlich ins Kontor geschlagen. Thiel ist aber optimistisch. „Wir arbeiten mit dem neuen Betreiber eng zusammen. Durch den Nationalpark ist schon einiges im Umbruch, und es wird nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität in Thalfang steigen“, sagt er. Thiel verweist darauf, dass es auch eine Dunkelziffer bei den Übernachtungen gebe. „Betriebe mit einer Mindestzahl von zehn Betten müssen ihre Übernachtungszahlen melden, für kleinere Vermieter gilt diese Regelung aber nicht. Diese Zahlen werden bei uns gar nicht registriert.“

Außerdem gibt es eine weitere größere Hotelanlage in Horath, das Familienhotel Hochwald, das ebenfalls geschlossen ist. Wer dessen Internetseite aufruft, erhält nur den Hinweis, dass das Hotel sich seit 31. Oktober 2017 in seiner viermonatigen Winterpause befinde.  Es ist  nicht das erste Mal, dass dieses Hotel schließen musste. Zwischen 2015 und 2016 stand es ein halbes Jahr lang leer.