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Dorfentwicklung: Ein Herz für Altbauten

Dorfentwicklung: Ein Herz für Altbauten

Für die Belebung der Dorfkerne sind kreative Ideen gefragt. Die Verbandsgemeinde Hermeskeil bietet interessierten Gemeinden daher an, sich wie bereits in Neuhütten und Grimburg sowie nun in Geisfeld in Workshops mit dem Thema zu beschäftigen.

Geisfeld/Hermeskeil. Leerstände sind nicht nur in Geisfeld oder in der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil ein Problem. Gemeinden hätten ja keine Möglichkeit, einzugreifen, nennt Alfons Weber den Kern des Problems. Mit rund 20 Geisfeldern hat er mitgemacht beim VG-Workshop Innenentwicklung (siehe Extra). Weber bedauert, dass jahrelang verwaiste Häuser verfallen, was auch die Preise im ganzen Ort drücken könne.
Bisher noch wenig Leerstände


Selbst potentielle Grundstücks-Interessenten würden abgeschreckt. Denn zum Kaufpreis kämen für sie noch die Abrisskosten hinzu. Für Ramona Philippi zählt aber etwas anderes zur Dorfinnenentwicklung. Es gebe oft zu wenig Angebote für Ältere, die nirgends mehr hinkämen. Auch sie sollten sich "mal treffen und quatschen können". Das offene Angebot könnte auch mal ein Mittagessen miteinschließen, bekräftigte Andreas Bach.
Was die Leerstände betrifft, gibt es in Geisfeld einige wenige, die mit gutem Beispiel vorangehen. Helmut Kolz und Harry Welter investierten viel Geld und Zeit in Umbau und Renovierung alter Häuser. Seine Gäste seien sich einig, sein Haus habe eine Seele, erzählte Welter. Er kann verstehen, dass keiner zehn Jahre auf einer Baustelle leben möchte. Aber er kann nicht nachvollziehen, dass es der Mehrheit am Herz für Altbauten fehlt.
Für Moderatorin Beate Stoff vom Osburger Büro Plan B wäre das eventuell ein Ansatzpunkt. Vielleicht könnte in Geisfeld ja eine Art Tag des offenen Altbaus angeboten werden. Die Eigentümer könnten durch ihre Häuser führen und den einen oder andern begeistern. Stoff hat auch in Neuhütten und Grimburg die Bürger sensibilisiert und ihre Kreativität herausgekitzelt.
Die Antworten auf Fragen nach den Problemen vor Ort und möglichen Lösungsansätzen seien größtenteils ähnlich. Es gebe aber auch viele verschiedene Ideen. Die größte Hürde sei immer, dass einer der meist gut zwanzig Teilnehmer den Anfang machen müsse. Sobald ein Stichwort an der Stellwand notiert worden sei, gehe es schließlich zügig voran.
In Geisfeld zählten zu den ersten Notizen: mich als Eigentümer zeitig um eine Nachfolge bemühen, finanzielle Anreize für Käufer schaffen und unbebaute Grundstücke im Zentrum höher besteuern. Stoff bedauert nur, dass selten Frauen mitmachten. Dadurch gerate das kreative Potenzial eines Ortes ins Hintertreffen.

Extra

Mitte September stellte die Verbandsgemeinde Hermeskeil (VG) ihr von einem Fachbüro erstelltes Strategiepapier vor. Es zeigt den Ist-Zustand auf: Wie viele Häuser stehen leer in den 13 Orten und wie viele werden es in einigen Jahren sein?. Denn in vielen Gebäuden leben nur noch eine oder zwei Personen, die oft älter als 70 sind. Viele Kinder ziehen der Uni oder dem Arbeitsplatz hinterher und sind selten interessiert, das Haus der Eltern zu übernehmen. Büroleiter Werner Haubrich verdeutlicht das Problem anhand von Zahlen. Geisfeld habe binnen sechs Jahren 50 Bürger (8,6 Prozent) verloren - Dreiviertel davon durch Wegzug, ein Viertel durch die schrumpfende Bevölkerung. Die Zahl der Gebäude sei unverändert. Derzeit stünden zehn Häuser (5 Prozent) leer, in weiteren 29 sei der jüngste Bewohner über 70. Die Zahlen der anderen Orte seien ähnlich. VG-weit gebe es 179 (3,6 Prozent) Leerstände. Die VG will dem mit Leerstandkataster und Leerstandslotsen, Beratern von Kauf- oder Renovierungs-Interessenten, entgegenwirken. Im Haushalt 2013 soll zudem ein Betrag für die Förderung von Altbausanierungen vorgesehen werden. urs