Edle Tropfen, schöne Mädchen und sägende Künstler: Saarort Schoden besteht seit 1200 Jahren

Edle Tropfen, schöne Mädchen und sägende Künstler: Saarort Schoden besteht seit 1200 Jahren

Mehrere Tausend Besucher haben drei Tage lang die erste urkundliche Erwähnung des Orts Schoden gefeiert. Zwölf Jungwinzer standen bei der Weinprobe am Freitagabend im Mittelpunkt. Am Samstag waren viele Alt-Schodener zu Gast im Bürgerhaus. Gestern war im ganzen Ort viel los.

Saxofonist Jörg Benzmüller begrüßt die Gäste, die zum Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung nach Schoden kommen, am Sonntag musikalisch unter freiem Himmel. Ortsbürgermeister Andreas Pauly ist ebenfalls dabei. Bevor der festliche Gottesdienst beginnt, erklärt er: "Das Jubiläum gründet sich zwar auf eine gefälschte Urkunde, aber auch das ist eine Urkunde. 60 Generationen wussten, dass es sich an der Saar auf fruchtbarem Boden gut leben lässt."

Im Auftrag der Schirmherrin der Feier, Ministerpräsidentin Malu Dreyer, ist Staatssekretär Randolf Stich gekommen. Er beglückwunscht die Dorfbewohner im Namen der Landesregierung: "Pflegen sie ihre Dorfgemeinschaft. Sie ist der Spiegel einer gelebten Demokratie." Schoden sei ein gesund gewachsener Ort, sagt der Saarburger Bürgermeister Jürgen Dixius.Aktionsgebiet im Dorf

Der Sonntag steht unter dem Motto "Offenes Dorf", und mitten im Schodener Aktionsgebiet, wohnt Günther Schörgenhummer. Er findet: "Großartig, was die Schodener hier auf die Beine gestellt haben, besonders die jungen Leute."

Denn die Besucher des Ortes können über den Tag verteilt an allen Ecken die Historie erleben. Da wird gesägt, geschmiedet, gebrutzelt und gebacken. Auf vielen historischen Fotos können die Menschen ihre Vorfahren identifizieren. So wird die Geschichte in Schoden lebendig.

Schon am Freitag und Samstag haben die Schodener kräftig gefeiert. Wer zum Beispiel am Freitagabend nicht in Trier bei der Wahl zur Moselweinkönigin ist, kommt nach Schoden. Zur 1200-Jahr-Feier dürfen sich zwölf Jungwinzer mit ihren Weinen im Bürgerhaus präsentieren.

Darunter auch Dennis Schmitt vom Weingut König Johann aus Konz-Filzen. "Es ist mir schwergefallen, meine Schwester allein nach Trier fahren zu lassen", sagt der Bruder der frisch gekrönten Moselweinprinzessin Sarah Schmitt. Aber es sei eine einmalige Chance, das Weingut zu präsentieren. Und so hat er nach der Probe nur ein Ziel: Die Europahalle in Trier. Auch für Claudia Kausch ist das ein interessanter Termin. "Ich nutze die Chance, hier Weine von Winzern zu trinken, die ich sonst nicht so auf dem Schirm habe", sagt die Kultur- und Weinbotschafterin. Es sei auch eine schöne Gelegenheit, die Jungwinzer persönlich kennenzulernen und sich ein Bild von deren Arbeitsweise zu machen.

Andere, wie beispielsweise die frühere Saar-Obermosel-Weinprinzessin Kerstin Reinert freuen sich einfach auf ein paar schöne Stunden mit Freunden und "leckerem Saar-Riesling".Schodener zurück in der Heimat

Foto: Herbert Thormeyer (doth), Herbert Thormeyer ("TV-Upload Thormeyer"
Foto: Herbert Thormeyer (doth), Herbert Thormeyer ("TV-Upload Thormeyer"
Foto: Alexander Schumitz (itz) ("TV-Upload Schumitz"

Drei Tage ist Manfred Becker aus Saarbrücken in Schoden. "Am Freitag habe ich natürlich auch probiert, was die Winzer zu bieten haben", erzählt der 79-Jährige am Samstagabend. Er hat in dem Ort an der Saar "eine schöne Jugend gehabt. Und vor allem die Mädchen in guter Erinnerung", fügt er verschmitzt hinzu. Als Baustatiker sei er viel herumgekommen und er findet es "großartig", dass die Gemeinde während der 1200-Jahr-Feier ein Treffen für Alt-Schodener organisiert hat. Auch sein Bruder Günther ist aus Neustadt an der Weinstraße für die Feiern nach Schoden gekommen. "Es ist Familien- und Klassentreffen in einem", sagt der 84-Jährige.

Ein Ur-Schodener ist der Pastor in Rente Erich Gansemer. Er predigt am Sonntag. "Allerdings nicht auf Platt. Dazu hat die Vorbereitungszeit leider nicht gereicht", erzählt der rüstige Rentner. "Ich war bis zu meinem 14. Lebensjahr in meinem Heimatdorf. Im Herzen bin ich immer Schodener geblieben", sagt Gansemer im Gespräch mit dem TV. Es sei die Heimat mit diesen besonderen Menschen, die dieses Dorf ausmache. Der 85-Jährige hat nach dem Zweiten Weltkrieg den Ort verlassen und lebt heute in Wittlich. Er hat etliche Jahre als Priester in der Vulkaneifel gearbeitet.

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